4.3.2026 – Weil im hohen Alter die Wahrscheinlichkeit schwerer Verkehrsunfälle wieder ansteigt, berechnen die Versicherer diesen Kunden deutlich erhöhte Beiträge. Die genauen Ausmaße der Zuschläge bei gleicher Schadenfreiheitsklasse beziffern die Autoren einer Verivox-Studie für drei Altersgruppen. Sie rechnen aber auch vor, wie groß das Sparpotenzial der Silberlocken durch Übertragungen gegenüber der Versicherung auf den eigenen Namen ausfällt.
Die Verivox GmbH zeigt in Modellrechnungen auf, wie sich die Beiträge zur Kfz-Versicherung im Alter entwickeln. In ihren Modellrechnungen gehen die Analysten nach eigenen Angaben jeweils von einem in Berlin wohnenden Modellkunden aus. Dieser wolle einen „VW Golf VIII 1.0 TSI“ mit einer jährlichen Fahrleistung von 10.000 Kilometern in einem Vollkaskovertrag versichern.
Demnach zahlt beispielsweise ein 65-Jähriger trotz gleicher Schadenfreiheitsklasse und identischer Tarifmerkmale – also allein durch sein Alter – 14 Prozent mehr als ein 55-Jähriger. Bei einem 75-Jährigen beträgt dieser Aufschlag bereits 69 Prozent, bei einem 85-Jährigen sogar 172 Prozent.
Damit fallen die maximalen Extrakosten für die älteren Autofahrer höher aus als in den Vorjahren. Eine entsprechende Modellrechnung vor fünf Jahren wies einen Aufschlag von bis zu 154 Prozent aus (VersicherungsJournal 26.1.2021).

Diese Alterszuschläge werden durch eine lange unfallfreie Fahrpraxis und eine hohe Schadenfreiheitsklasse lediglich moderat abgedämpft. Damit sind sie für viele Betroffene schwer nachvollziehbar, berichtet Aljoscha Ziller, Geschäftsführer der Verivox Versicherungsvergleich GmbH.
Die Zuschläge entsprechen nach Angaben der Studienautoren jedoch der rein risikobasierten Kalkulation der Versicherer. „Statistisch steigt im hohen Alter die Wahrscheinlichkeit schwerer Unfälle wieder an“, erklärt Ziller. „Das schlägt sich direkt im Beitrag nieder.“
Laut Verivox können Senioren ihre Beiträge aber grundsätzlich senken, wenn das Fahrzeug über einen jüngeren Angehörigen versichert oder zusätzlich auf ihn zugelassen wird. Der Senior bleibt dabei als Fahrer eingetragen und behält den vollen Versicherungsschutz.
Allerdings gelte: „Versichern Autofahrer erstmalig einen Zweitwagen, erfolgt die Einstufung in eine niedrige Schadenfreiheitsklasse, meist SF ½.“ Dann wäre eine Versicherung über das 30 Jahre jüngere Kind nur für den 85-Jährigen günstiger – aber lediglich 16 Euro beziehungsweise ein Prozent.
„Erst mit der Übertragung der Schadenfreiheitsklassen wirkt sich die langjährige unfallfreie Fahrpraxis beitragsmindernd aus“, betonen die Tester. In ihren Modellrechnungen sinkt der Beitrag für den 75-Jährigen hierdurch um 163 Euro (17 Prozent) und für den 85-Jährigen um 808 Euro (53 Prozent).
Das größte Sparpotenzial entstehe aber, wenn Versicherung und Zulassung des Autos sowie die Schadenfreiheitsklassen des Seniors vollständig auf das Kind übergingen. Dann sinkt der Beitrag für den 75-Jährigen um 281 Euro (30 Prozent) und für den 85-Jährigen um 917 Euro (60 Prozent).
„Für 65-Jährige lohnt sich diese Lösung in der Regel noch nicht“, erklärt Ziller. „Der altersbedingte Zuschlag fällt hier meist noch moderat aus, gleichzeitig verfügen viele über eine sehr hohe Schadenfreiheitsklasse.“ Eine Übertragung könne die Versicherungsprämie dann sogar erhöhen.
Peter Schramm - Nicht aktuariell falsch, sondern oft vertriebs- und kundenfreundlich. mehr ...
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