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Autoversicherung: Senioren-Aufschläge von 45 bis 154 Prozent

26.1.2021 – Die Versicherungsaufsicht hat sich zur Zulässigkeit der Mehrbeiträge für ältere Fahrer positioniert. Gleichzeitig hat sie die Berechnungsmethoden von Verbraucherschützern kritisiert. Aber auch ein modifizierter Vergleich zeigt große Unterschiede. (Bild: Mathieu Brossais, CC BY-SA 4.0)

Ältere Menschen verursachen mehr und teurere Schäden als Fahrer in mittleren Jahren. Daher sind hohe Alterszuschläge in der Autoversicherung keine Diskriminierung. Die Autoversicherer dürfen eine höhere Prämie kassieren, weil bei betagteren Fahrern das Risiko deutlich höher ausfällt.

Dabei könnten viele Kfz-Versicherer sogar noch höhere Prämien von Senioren fordern, denn viele würden ihr „zulässiges Zuschlagspotential für Seniorinnen und Senioren nicht voll ausschöpfen“. Das hat die die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) in einer Marktuntersuchung festgestellt.

Seniorenzuschläge sind in der Kfz-Versicherung weit verbreitet

Sie basiert auf der Statistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV). Der Verband empfiehlt allen Autoversicherern, für alte Fahrzeuglenker Zuschläge zu erheben. Untersucht wurde die Tarifgestaltung von 44 Anbietern, was einer Marktabdeckung von mehr als 75 Prozent entspreche.

„Die Unternehmen gestalten ihre Tarife gesetzeskonform“, stellt die Bafin fest. So würde das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz eine Unterscheidung nach dem Alter erlauben, wenn das, wie in der Kfz-Versicherung, durch statistische Daten gerechtfertigt ist. Laut der Behörde wird dies marktweit von den Kfz-Versicherern praktiziert.

Unzufrieden ist die Aufsicht aber mit Veröffentlichungen, die nach Meinung der Beamten viel zu hohe Aufschläge ausweisen. Diese Kritik richtet sich beispielsweise gegen Verbraucherschützer wie die Stiftung Warentest, die aufgrund einer Analyse im Jahre 2016 die Zuschläge in der Kfz-Versicherung als „happig“ bezeichnete. Sie kam zu dem Schluss, dass 80-Jährige mehr als das Doppelte dessen zahlen, was 50-Jährige aufbringen müssen.

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Faktor Alter allein reicht für den Vergleich der Beiträge nicht

Die Finanztip Verbraucherinformation GmbH hatte noch Ende 2020 festgestellt, dass einen 75-Jährigen seine Kfz-Versicherung im Schnitt 48 Prozent mehr kostet als einen Mittfünfziger. Diese Analysen werden nun von der Bafin kritisiert. Wer in Tarifrechnern nur an der Stellschraube „Alter“ dreht, erhalte ein unzutreffendes Bild über die tatsächliche Versicherungsprämie.

„Wer ein realistischeres Bild erhalten möchte, sollte auch die Schadenfreiheitsklasse und gegebenenfalls die Kilometerklasse anpassen“, fordert die Aufsicht.

Das lässt zumindest die Stiftung Warentest relativ kalt. „Wir empfehlen weiterhin einen Preisvergleich und meinen, dass man die Unterschiede nur feststellen kann, wenn man alle Faktoren außer dem Alter gleich hält, sagte der bisherige Chefredakteur von Finanztest, Heinz Landwehr, auf Anfrage.

Finanztip rät, per Vergleich festzustellen, „wer es mit den Alterszuschlägen besonders toll treibt“.

Neue Stichprobe zeigt sehr unterschiedliche Zuschläge

Dass die Unterschiede erheblich sind, zeigt eine aktuelle Stichprobe über das Vergleichsportal der Nafi GmbH.

Dabei wurden – entsprechend der Empfehlung der Bafin – die Schadenfreiheitsrabatte (SFR) für Ältere erhöht. Die Anpassung erfolgte aber moderat, denn die Senioren tragen ja ein hohes Schadenrisiko, das auch zu Rückstufungen führt. Daher ist eine volle Übernahme des „möglichen“ SFR unrealistisch. Gleichzeitig wurde die Kilometerleistung für die Älteren gesenkt.

Die Zuschläge für 85-jährige Fahrer gegenüber dem 65-Jährigen unterscheiden sich je nach Versicherer zwischen 45 und 154 Prozent. Daher können betroffene Autofahrer manche Aufschläge durch den Wechsel des Versicherers abmildern.

Altersaufschlag in der Kfz-Versicherung *

Versicherer, Tarif

Alter 65, SF 35, 8.000 km **

Alter 75, SF 37, 7.000 km **

Alter 85, SF 39, 6.000 km **

Zuschlag Alter 75 ***

Zuschlag Alter 85 ***

Jahresbeitrag in Euro

in Prozent

Axa, „mobil komfort“

630

961

1.600

52,4

153,8

HDI, „Privattarif Motor Komfort“

533

753

1.064

41,4

99,7

Zurich, „Optimal“

479

662

939

38,2

96,1

VHV, „Klassik-Garant“

365

484

648

32,5

77,4

R+V, „Kfz-Police-Plus“

515

649

902

26,1

75,2

Württembergische , „Premium“

533

667

914

25,3

71,5

Gothaer, „Privat“

446

653

755

46,2

69,2

Alte Leipziger, „Classic“

597

740

1.002

24,1

67,9

Huk-Coburg, „Classic“

353

455

592

28,8

67,7

Dialog, „Premium“

442

577

640

30,7

45,0

Leserbriefe zum Artikel:

+Michael Boldt - Wie hoch ist die durchschnittliche Fahrleistung in der Altersgruppe? mehr ...

Hubert Gierhartz - Lücke im Grundgesetz? mehr ...

Richard Rahl - Ungerechter gehts nicht. mehr ...

Peter Schramm - „Pay as you drive” könnte hier zielführend sein. mehr ...

Nils Fischer - Warum diese Aufregung? mehr ...

Uwe Rabbe - Finanztip hat ausnahmsweise mal Recht. mehr ...

Schlagwörter zu diesem Artikel
Kfz-Versicherung · Senioren · Verbraucherschutz · Versicherungsaufsicht
 
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