5.1.2026 – Zukünftig sollen auch private Auszahlpläne mit einem Endalter von 85 Jahren staatlich gefördert werden. Hierfür war es bislang vorgeschrieben, dass die zertifizierten Vorsorgeprodukte eine lebenslange Verrentung vorsehen. In diesem Punkt haben die Anbieter von Policen ein Alleinstellungsmerkmal, das laut den Reformplänen der Bundesregierung unwichtiger werden dürfte. Ein Branchenanalyst skizziert mögliche Folgen.
Ende vorigen Jahres hat das Kabinett den Entwurf eines Gesetzes beschlossen, mit dem die staatlich geförderte private Altersvorsorge modernisiert werden soll (VersicherungsJournal 14.11.2025).
Hiermit reagiert die Bundesregierung auf die Flaute im Vertrieb der 2002 eingeführten Riester-Verträge. Deren Anbieter haben mit sinkendem Bestand und einer hohen Zahl an Kündigungen (25.9.2025) zu kämpfen.
Doch damit die neuen Vorsorgeprodukte wie geplant Anfang 2027 auf den Markt kommen können, stehen 2026 noch wichtige Weichenstellungen an. Einige dieser Details haben auch entscheidenden Einfluss auf Versicherungsmakler und -vertreter, die Lebensversicherungen an Privatkunden vermitteln.

Denn: „Die Lebensversicherer Deutschlands sehen gerade ihr Geschäftsmodell gefährdet“, kommentiert Dr. Carsten Zielke. Er ist Geschäftsführer der Zielke Research Consult GmbH, die sich auf Analysen der Versicherungs- und Bankenbranche spezialisiert hat (17.12.2025).
Im bisherigen Riester-System ist die Kapitalauszahlung des angesparten Kapitals auf einen Einmalbetrag von 30 Prozent zu Beginn der Auszahlungsphase begrenzt. Der verbleibende Restbetrag wird für eine lebenslange Rente verwendet, die monatlich ausgezahlt wird.
„Die Riester-Rente ist per Definition ein lebenslang garantiertes Rentenprodukt, das die Absicherung des Langlebigkeitsrisikos gewährleistet“, erklärt Zielke. Doch bei dem Nachfolgeprodukt soll die zwingende lebenslange Verrentung laut den Reformplänen entfallen. Stattdessen würden bald auch private Auszahlpläne mit einem Endalter von 85 Jahren staatlich gefördert.
Zielke findet diesen Weg sehr problematisch, da er ihm nicht bei allen potenziellen Kunden zur finanziellen Vorsorge für den Ruhestand geeignet erscheint. „Das Durchschnittsalter anzunehmen, ist nicht sachgerecht. Denn wenn die Leute mehr Geld im Alter haben, leben sie statistisch gesehen auch länger. Dem muss Rechnung getragen werden.“
Auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) warnt vor einer solchen Reform, die sich auf reinen Vermögensaufbau beschränkt (8.12.2025). Die Definition von Rente sei eine Versorgung bis ans Lebensende, die über das Kollektiv abgesichert werde.
„Dieser Konflikt ist letztlich ein struktureller Kampf um die Marktverteilung des Langlebigkeitsrisikos“, sagt hierzu Zielke. „Die traditionellen Lebensversicherer verteidigen ihre Rolle als Risikoträger in der Verrentungsphase.“
Zielkes Prognose: „Würde die obligatorische Verrentung wegfallen und durch flexible Entnahmepläne ersetzt, könnte dies die Versicherungsfunktion marginalisieren.“ Die vom Bundesverband Investment und Asset Management e.V. (BVI) befürwortete Änderung (8.12.2025) könnte stattdessen den Fondsgesellschaften „die Dominanz im gesamten Altersvorsorgeprozess sichern“, so Zielke.
Denn bei einem Wegfall dieses Zwangs dürften Fondssparpläne für viele Sparer attraktiver erscheinen als private Rentenversicherungen. „Die politische Entscheidung, ob eine Verrentung weiterhin zwingend oder lediglich optional sein wird, wird daher die Marktstruktur der Altersvorsorgeanbieter für die kommenden Jahrzehnte prägen“, erwartet Zielke.
Änderungen am Gesetzentwurf erwartet Zielke in diesem Punkt zwar nicht mehr, wenn die Pläne während der kommenden Monate durch den Bundestag müssen. Allerdings will er die Assekuranz auch nicht vorschnell abschreiben, da viele Kunden hierzulande lebenslange Sicherheit suchten.
Ein nicht zu unterschätzendes Argument pro Police sei die Garantie durch das Kollektiv. „Während bei Fondssparplänen jeder Sparer für sich genommen auf die Höhe des Auszahlungsplans angewiesen ist, steht das Versicherungskollektiv für Schwankungen an den Kapitalmärkten, aber auch in der Entwicklung der Sterblichkeit ein.“
Neben Neuabschlüssen könnten Anbieter und Vermittler von Versicherungen auch von Wechslern profitieren, die bislang noch in den verbliebenen knapp 15 Millionen Riester-Verträgen stecken. Sie sollen zukünftig erleichtert ihren Anbieter und auch in die neuen Vorsorgeprodukte wechseln können.
Positiv auf die Vertriebschancen der Versicherungsbranche wirke sich aus, dass sie Kunden von knapp zehn Millionen Riester-Policen im Bestand hat. Diese könne die Assekuranz laut Zielke leichter als die Konkurrenz kontaktieren, um sie von ihren Produkten zu überzeugen.
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