So groß ist die durchschnittliche Rentenlücke der deutschen Ruheständler

28.1.2026 – Mit den Bezügen aus der gesetzlichen Grundversorgung können Rentnerhaushalte derzeit im Durchschnitt nur rund 60 Prozent ihrer monatlichen Ausgaben decken. Das zeig eine Studie im Auftrag von Union Investment. Je aktiver die Ruheständler im Alter sind, desto größer ist tendenziell der Finanzbedarf.

Das WHU – Center für Intergenerative Finanzwissenschaft (CIF) hat im Auftrag der Union-Investment-Gruppe erstmals ausgewertet, wie Haushalte ihren Lebensstandard im Alter finanzieren. Ergebnis ist der „Vorsorgekompass 2026“ (PDF, 880 KB).

Dafür stellten die Studienautoren die Einnahmen und Ausgaben von Rentnerhaushalten gegenüber und untersuchten, welcher Anteil der Einkommen auf die gesetzliche Basisversorgung entfällt. Zur Basisversorgung zählen hierbei:

  • die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung,
  • die Beamtenversorgung,
  • die berufsständischen Versorgungswerke sowie
  • die Alterssicherung der Landwirte.

Diese Daten von Rentnerhaushalten wurden ausgewertet

Für die Analyse der Einnahmen und Ausgaben im Ruhestand werteten die Studienautoren die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) 2018 des Statistischen Bundesamts (Destatis) aus.

Die damals ermittelten Werte wurden nominal auf das Jahr 2025 hochgerechnet – unter anderem anhand der Entwicklung von Renten, Verbraucherpreisen, Kapitalmarkttrends, Zinsen, Mieten, Lebenshaltungskosten sowie Preisen für Arzneimittel und Verkehr.

Als „Ruhestandshaushalte“ gelten ausschließlich Haushalte, in denen alle Mitglieder 60 Jahre oder älter sind, kein Mitglied Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung bezieht und das Erwerbseinkommen unterhalb des Medianeinkommens liegt. Betrachtet werden nur Ein- und Zweipersonenhaushalte, da sie den Großteil der Ruheständler ausmachen.

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Einnahmen und Ausgaben gegenübergestellt

Im zweiten Schritt wurden alle Nettoeinnahmen der Haushalte von gesetzlicher Rente über betriebliche und private Vorsorge bis hin zu Vermögenseinkommen berechnet. Auch der Mietwert selbstgenutzten Wohneigentums wurde einbezogen, da Eigentümer dadurch keine Miete zahlen müssen.

Unregelmäßige und einmalige Zahlungen, zum Beispiel Kapitalzahlungen aus einer Lebensversicherung oder die Anschaffung eines Pkw, werden in Kapitalströme umgerechnet, unter anderem anhand der statistischen Lebenserwartung der Haushaltsmitglieder.

Auf der Ausgabenseite wurden sieben Kategorien betrachtet: Wohnen, Lebensmittel, Gesundheit, Kultur, Reisen, Alltag und Mobilität. So lässt sich ermitteln, ob Haushalte im Durchschnitt mit ihren Einnahmen auskommen oder Teile ihres Konsums aus Ersparnissen decken müssen.

Es reicht nicht, allein auf die gesetzliche Rente zu setzen. Sie ist nur eine Teilkasko-Lösung und kann auch nur das sein.

Hans Joachim Reinke

Gesetzliche Versorgungssysteme decken nur rund 60 Prozent der Ausgaben

Christian Hagist (Bild: Kai Myller)
Christian Hagist (Bild: Kai Myller)

Ein Ergebnis der Studie: Zwar sind die gesetzlichen Versorgungssysteme nach wie vor die wichtigste Stütze der Altersversorgung. Im Durchschnitt decken sie jedoch nur rund 60 Prozent der monatlichen Ausgaben eines Rentnerhaushalts.

„Für viele bedeutet das, dass sie auf private Vorsorge, betriebliche Altersversorgung oder Vermögensentnahmen an angewiesen sind, um den gewohnten Lebensstandard zu halten“, betont Studienleiter Professor Dr. Christian Hagist.

Doch selbst unter Einbeziehung von Zusatzversorgungen zeigt sich bereits eine erhebliche Rentenlücke: Bei einem durchschnittlichen Rentnerhaushalt stehen monatlichen Netto-Einnahmen von 2.988 Euro Ausgaben von 3.148 Euro gegenüber – ein Fehlbetrag von 160 Euro.

„Die Lücke von rund 160 Euro wird aktuell durch Vermögensentnahmen ausgeglichen – eine Strategie, die angesichts sinkender Rentenleistungen und steigender Kosten künftig nicht mehr für alle tragfähig sein wird“, sagt Hagist.

Rentenlücke laut Vorsorgekompass 2026 (Bild: CIF)
Rentenlücke laut Vorsorgekompass 2026 (Bild: CIF). Zum Vergrößern Bild klicken.

Nur gesetzliche Vorsorge: Rentenlücke steigt auf 1.000 Euro

Haushalte, die sich nur auf die gesetzliche Vorsorge verlassen haben, zeigen bereits eine weitaus größere Rentenlücke von durchschnittlich 1.000 Euro im Monat. Hier reichen die Einnahmen oftmals gerade so aus, um die Wohnkosten zu decken, berichten die Studienautoren.

„Es reicht nicht, allein auf die gesetzliche Rente zu setzen. Sie ist nur eine Teilkasko-Lösung und kann auch nur das sein. Wer im Alter sorgenfrei leben möchte, muss privat vorsorgen“, kommentiert Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment.

Nur geringen Anteil an Einnahmen aus privater und beruflicher Vorsorge

Die Auswertung zeigt zudem, dass private und betriebliche Altersvorsorge derzeit nur einen geringen Beitrag zu den Einnahmen der Ruheständler leisten. Über alle Ruhestandsphasen hinweg liegt der Anteil der betrieblichen Altersvorsorge bei etwa fünf Prozent, der der privaten Vorsorge bei ein bis zwei Prozent.

Den größten Beitrag zur Zusatzvorsorge liefert der Mietwert des Wohneigentums, der je nach Alterskohorte durchschnittlich 13 bis 14 Prozent der Einkommen ausmacht. Erwerbseinkommen spielen hingegen nur bei den 60- bis 69-Jährigen noch eine relevante Rolle: In dieser Gruppe tragen sie rund zehn Prozent zu den Einnahmen bei, bei den 70- bis 79-Jährigen sinkt ihr Anteil auf lediglich zwei Prozent.

Lebensweise beeinflusst Finanzbedarf erheblich

Wie viel Geld Haushalte im Ruhestand benötigen, hängt nicht nur vom Alter, sondern in hohem Maße vom Lebensstil ab. Die Studienautoren unterscheiden mehrere Konsumtypen:

  • Die „Häuslichen“ konzentrieren ihre Ausgaben stark auf das Wohnen.
  • Die „Reisenden“ geben überdurchschnittlich viel für Mobilität aus. Hinzu kommen erhöhte Ausgaben für Gesundheit, Kultur und Freizeit. Ihr Konsum ist stark auf Erlebnisse und soziale Teilhabe ausgerichtet.
  • Die „Alltagstreuen“ verwenden den Großteil ihres Budgets für Lebensmittel und den täglichen Bedarf, ergänzt durch kleinere Ausgaben für Kultur und Freizeit.
  • Die „Kulturliebhaber“ investieren überdurchschnittlich viel in kulturelle Aktivitäten wie Konzert- oder Museumsbesuche.

Wie stark sich diese Lebensstile finanziell unterscheiden, zeigt sich besonders in der mittleren Altersgruppe: Bei den „Reisenden“ stehen monatlichen Ausgaben von 4.280 Euro Einnahmen von 3.710 Euro gegenüber. Daraus ergibt sich eine Finanzierungslücke von 570 Euro pro Monat.

Deutlich niedriger fällt der Fehlbetrag bei den „Häuslichen“ aus. Ihre Einnahmen liegen im Durchschnitt bei 2.541 Euro, die Ausgaben bei 2.721 Euro – eine monatliche Lücke von 180 Euro.

Ausgaben übersteigen Einnahmen in allen Altersphasen (Bild: CIF)
Ausgaben übersteigen Einnahmen in allen Altersphasen (Bild: CIF). Zum Vergrößern Bild klicken.

Ruhestandsphase eins – geringe Ansprüche aus Basisversorgung

Darüber hinaus unterscheidet die Studie drei Altersgruppen von Ruheständlern. Die erste Phase des Ruhestands umfasst Haushalte mit Haushaltsvorständen zwischen 60 und 69 Jahren.

In dieser Altersgruppe leben aktuell rund 3,3 Millionen Haushalte. Mit einer Quote von 48 Prozent Alleinlebender ist die Singlequote hoch. Rund 45 Prozent der Haushalte wohnen im eigenen Eigentum.

Das durchschnittliche monatliche Nettoeinkommen liegt bei 2.605 Euro, die Ausgaben bei 2.897 Euro. Daraus ergibt sich ein negativer Saldo von 292 Euro. Alleinstehende Haushalte müssen im Schnitt 445 Euro aus Ersparnissen decken, Paare kommen fast ausgeglichen mit einem kleinen Minus von acht Euro aus.

Die Einnahmen stammen überwiegend aus der gesetzlichen Basisversorgung (61 Prozent) – der Anteil liegt jedoch niedriger als in den späteren Ruhestandsphasen, in denen die Basisversorgung über 70 Prozent ausmacht. Dies verdeutlicht, dass diese Generation bereits geringere Ansprüche aus gesetzlicher Rente und Beamtenversorgung erworben hat als die älteren Jahrgänge.

Junge Rentner: sechs Prozent aus privater und betrieblicher Altersvorsorge

Weitere wichtige Einkommensquellen der 60- bis 69-Jährigen sind ersparte Wohnkosten durch Wohneigentum (14 Prozent), Erwerbseinkommen (zehn Prozent), betriebliche Zusatzversorgung und private Vorsorge (zusammen insgesamt sechs Prozent) sowie Vermögenseinkünfte (zwei Prozent).

Auf der Ausgabenseite dominieren die Wohnkosten mit 48 Prozent, gefolgt von Alltagsausgaben (17 Prozent) und Lebensmitteln (13 Prozent). Kultur- und Mobilitätsausgaben liegen jeweils bei sieben Prozent, während Gesundheits- und Reiseausgaben eine eher untergeordnete Rolle spielen.

Ruhestandsphase zwei umfasst die größte Rentnergruppe

In der Ruhestandsphase zwei – also bei Haushalten mit Vorständen zwischen 70 und 79 Jahren – leben derzeit rund 5,9 Millionen Haushalte. Der Anteil Alleinlebender ist mit 33 Prozent relativ gering, 52 Prozent der Haushalte verfügen über Wohneigentum.

Die monatlichen Gesamteinnahmen dieser Haushalte liegen bei durchschnittlich 3.172 Euro, die Ausgaben bei 3.281 Euro. Daraus ergibt sich eine Lücke von 109 Euro pro Monat. Die Studienautoren beobachten jedoch deutliche Unterschiede nach Lebenssituation: Während Alleinstehende im Schnitt eine Lücke von 322 Euro haben, erzielen Paare einen positiven Saldo von 101 Euro.

Die Einnahmen dieser Altersgruppe stammen überwiegend aus der gesetzlichen Basisversorgung, die 74 Prozent des Gesamteinkommens ausmacht. Einen wichtigen Beitrag leisten zudem ersparte Wohnkosten: Der Mietwert von Wohneigentum macht 14 Prozent aus. Weitere Einnahmen kommen aus:

  • Vermögen (zwei Prozent),
  • betrieblicher Altersversorgung (sechs Prozent) und
  • private Vorsorge (ein Prozent).
  • Erwerbseinkommen spielt mit nur zwei Prozent praktisch keine Rolle mehr.

Auf der Ausgabenseite machen auch in dieser Ruhestandsphase die Wohnkosten den größten Anteil aus (46 Prozent). Darauf folgen Alltagsausgaben mit 18 Prozent und Lebensmittel mit 13 Prozent. Kultur- und Mobilitätsausgaben liegen zusammen bei rund 14 Prozent, während Gesundheit und Reisen in dieser Altersgruppe nur eine geringe Rolle spielen.

Dritte Ruhestandsphase – betagte Senioren sind weiterhin aktiv

In der dritten Phase des Ruhestands – also bei Haushalten mit Vorständen über 80 Jahre – leben aktuell rund 2,1 Millionen Haushalte. Etwa 36 Prozent dieser Haushalte bestehen aus Alleinlebenden, knapp die Hälfte (49 Prozent) wohnt im eigenen Wohneigentum.

Die monatlichen Gesamteinnahmen liegen bei durchschnittlich 3.081 Euro, die Ausgaben bei 3.174 Euro. Daraus ergibt sich ein negativer Haushaltssaldo von 93 Euro. Alleinstehende haben im Schnitt ein Defizit von 265 Euro, während Paare einen Überschuss von 101 Euro erzielen.

Die Einnahmen stammen überwiegend aus der gesetzlichen Basisversorgung mit 2.364 Euro (76 Prozent). Weitere wichtige Quellen sind ersparte Wohnkosten durch Wohneigentum (13 Prozent), betriebliche Zusatzversorgung (fünf Prozent), Einkünfte aus Vermögen (zwei Prozent) und private Vorsorgeleistungen (ein Prozent). Erwerbstätigkeit spielt mit nur einem Prozent praktisch keine Rolle.

Auf der Ausgabenseite dominieren weiterhin die Wohnkosten mit 47 Prozent, gefolgt von Alltagsausgaben (19 Prozent) und Lebensmitteln (12 Prozent). Kultur-, Reise-, Mobilitäts- und Gesundheitsausgaben liegen jeweils zwischen fünf und sieben Prozent. Das zeigt, dass Hochbetagte kulturell aktiv bleiben, gleichzeitig aber ihren Fokus stärker auf die Deckung der Grundbedürfnisse richten.

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