Klingbeil will gesetzliche Altersrente an Beitragsjahre koppeln

26.3.2026 – In einer Grundsatzrede hat der Co-Chef der SPD seine wirtschaftspolitischen Leitlinien präsentiert. Er will demnach Fehlanreize beseitigen, die gegen die Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit sprechen. Gleichzeitig dürfe ein früheres Ausscheiden aus dem Berufsleben nicht länger gefördert werden. Beim Thema Renteneintrittsalter wiederholt er eine Forderung seines persönlichen Wirtschaftsberaters.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat bei einer Veranstaltung der Bertelsmann Stiftung am Mittwoch dargelegt, wie er Deutschland modernisieren will. Der Vizekanzler verband dabei Fragen der sozialen Gerechtigkeit mit der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaft.

Die als Grundsatzrede angekündigten Ausführungen fallen in die Zeit vor der Sommerpause, die die Bundesregierung für Reformen am Sozialstaat nutzen will. Wie berichtet, soll die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung mit einem teilweisen Aus der beitragsfreien Familienversicherung für rund 2,5 Millionen Ehegatten oder Lebenspartner finanziell entlastet werden (VersicherungsJournal 25.3.2026).

Für den Vorschlag von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat sich Klingbeil am Mittwoch offen gezeigt. „Das werden wir uns ganz genau anschauen“, kündigt er an. Diese Reform und ein Abschaffen des steuerlichen Ehegattensplittings könnten Fehlanreize, die gegen die Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit des weniger verdienenden Partners sprechen, beseitigen.

Pflicht zur kapitalgedeckten Betriebsrente gefordert

Lars Klingbeil (Bild: Photothek Media Lab)
Lars Klingbeil (Bild: Photothek Media Lab)

Klingbeil kritisierte neben hohen Quoten von Teilzeitbeschäftigten Anreize für ein frühes Ausscheiden aus dem Arbeitsmarkt. „Wir werden als Gesellschaft insgesamt mehr arbeiten müssen“, sagte der SPD-Politiker. „Ich will, dass wir ein System schaffen, in dem sich Leistungsbereitschaft auszahlt.“

Am Freitag soll der Bundestag das geplante Altersvorsorgereformgesetz beschließen, damit der Ersatz für die bisherige Riester-Förderung von Privatrenten Anfang 2027 in Kraft treten kann (24.3.2026). „Ich werbe zusätzlich für die Einführung einer verpflichtenden, kapitalgedeckten Betriebsrente, für die Arbeitgeber und Arbeitnehmer ihren Beitrag leisten“, so Klingbeil.

Daneben erarbeitet derzeit eine neue Rentenkommission auch Verbesserungsideen für die gesetzliche Rentenversicherung (17.12.2025). Beim Streitthema Rente will sich der Bundesfinanzminister zukünftig weniger am Alter und „viel stärker an den Beitragsjahren“ orientieren.

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Gesetzliche Altersrente an Beitragsjahre koppeln

Problematisch sei, dass derzeit ungefähr 60 Prozent der Menschen frühzeitig in Rente gingen, wie ihn Focus zitiert. Der Staat solle daher nicht länger ein früheres Ausscheiden aus dem Erwerbsleben fördern. Wer etwa erst nach einem Studium in den Job startet, solle auch später in Rente gehen.

Einen konkreten Plan, um die gesetzliche Altersrente an Beitragsjahre zu koppeln, hatte zuvor Professor Dr. Jens Südekum von der Universität Düsseldorf präsentiert. „Das Ziel bleibt eine effektive Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Insofern müssten es schon mindestens 45 Jahre sein“, hatte der Regierungsberater im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung vor zwei Wochen gesagt.

„Ich erwarte, dass die Rentenkommission entsprechende Berechnungen aufstellt und Vorschläge macht“, erklärte darin Klingbeils persönlicher Wirtschaftsberater. „Die Festlegung auf eine Jahreszahl ist am Ende natürlich Sache der Politik“, so Südekum weiter.

Besserverdiener zahlen kürzer in die Rentenkasse ein

Auch der Ökonom fordert, „die starre Altersgrenze für alle, die manche ja gern auf 70 Jahre anheben möchten, durch eine fixe Zahl an Beitragsjahren zu ersetzen. Nur wer die erreicht, soll abschlagsfrei in Rente gehen können. Manche würden das schon vor 67 erreichen, manche erst später.“

Das starre Renteneintrittsalter von aktuell 67 Jahren sei hingegen problematisch. Denn während Schulabgänger mit Lehre bis zu fünf Jahrzehnte lang arbeiten müssten, kämen Langzeitstudenten womöglich nur auf rund drei Jahrzehnte bis zum regulären Renteneintrittsalter.

Außerdem lebten viele Akademiker mit vergleichsweise höheren Einkommen durchschnittlich deutlich länger als viele Menschen, die körperlich arbeiten. „Besserverdiener zahlen also nicht nur kürzer in die Rentenkasse ein, sie beziehen auch noch deutlich länger Rente“, so Südekum.

 
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