18.3.2026 – Die erste Tarifrunde für einen neuen Vertrag im angestellten Außendienst der Versicherer blieb ohne Ergebnis. Der Arbeitgeberverband bot innerhalb von 36 Monaten rund 9,5 Prozent mehr Lohn an – die Gewerkschaften hingegen bestehen auf einer Laufzeit von nur zwölf Monaten.
Aktuell wird ein neuer Tarifvertrag für die rund 32.000 Beschäftigten im angestellten Außendienst der privaten Versicherungswirtschaft ausgehandelt. Eine erste Verhandlungsrunde am Montag in Wuppertal ist gescheitert, wie die Beteiligten bestätigt haben. Der bisher gültige Vertrag (VersicherungsJournal 5.12.2022) war Ende Februar ausgelaufen.
Auf der Arbeitgeberseite verhandelt der Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland e.V. (AGV). Die Arbeitnehmer werden vertreten durch die Ver.di – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft sowie den Deutschen Bankangestellten-Verband e.V. (DBV) – Gewerkschaft der Finanzdienstleister.
Konkret geht es um Teil III des Manteltarifvertrags (MTV) für die Versicherungswirtschaft (PDF, 322 KB), der eigenständige Regelungen für den Außendienst enthält. Dieser wird unabhängig vom Innendienst ausgehandelt – auch wenn bestimmte Rahmenvereinbarungen grundsätzlich für Innen- und Außendienst gleichermaßen gelten.
Darin ist auch die Vergütung geregelt. Für Außendienstmitarbeiter setzt sich diese aus einem garantierten Mindesteinkommen und verdienten Provisionen zusammen. Auf das Mindesteinkommen werden die Provisionen angerechnet, sofern nichts anderes vereinbart ist. Es gilt ein Einkommensanteil von aktuell rund 575 Euro, der nicht mit Provisionen verrechnet werden darf.
Zusätzlich erhalten bestimmte Mitarbeiter eine Sozialzulage, etwa wenn sie verheiratet sind oder Kinder haben, sowie eine jährliche Sonderzahlung, deren Höhe vom Durchschnittseinkommen und der Unternehmenszugehörigkeit abhängt.
Der Arbeitgeberverband hat ein erstes Angebot für die Erhöhung des Mindesteinkommens unterbreitet. Demnach soll der Tarifvertrag insgesamt 36 Monate laufen. In dieser Zeit sind drei gestaffelte Lohnerhöhungen vorgesehen, die jeweils zum November des Jahres wirksam werden. Die Höhe der Anpassung hängt von der Gehaltsstufe und der Art der Tätigkeit ab:
Über die drei Jahre hinweg summiert sich die angebotene Lohnerhöhung auf 9,48 Prozent für den akquirierenden Außendienst der Stufe II, auf 9,50 Prozent für die Stufe I und auf 9,52 Prozent für den organisierenden Außendienst.
Die Forderungen von Verdi gehen deutlich über das Angebot des AGV hinaus. Die Gewerkschaft will die Laufzeit des Tarifvertrags auf ein Jahr begrenzen – und innerhalb dieses Zeitraums eine Erhöhung des Mindesteinkommens um zehn Prozent durchsetzen. Auch sollen die Versicherer eine unverrechenbare Einmalzahlung von 1.500 Euro leisten.
Die Verdi fordert darüber hinaus weitere Anpassungen an den tariflich geregelten Bestandteilen der Vergütung, zum Beispiel:
Die Gesamterhöhung von 9,5 Prozent klingt einigungsfähig – nicht aber die überlange Laufzeit.
Ute Beese, DBV
Die Forderungen des DBV weichen in Details von Verdi ab. So fordert die Bankgewerkschaft ebenfalls eine Laufzeit von zwölf Monaten und eine deutliche Anhebung der Mindesteinkommen – konkret auf 2.570 Euro für neue Außendienstmitarbeiter und 2.480 Euro für Beschäftigte ab zwei Jahren Unternehmenszugehörigkeit, jeweils ab März 2026.
Mit diesen Erhöhungen sollen die Basisgehälter über den Mindestlohn von aktuell 13,90 Euro (bald 14,60 Euro) pro Stunde steigen. Darüber hinaus soll das auf Provisionen unverrechenbare Mindesteinkommen um sieben Prozent erhöht und zusätzlich dynamisiert werden, damit es automatisch mit den Tariferhöhungen steigt. Darüber hinaus fordert der DBV:
Ute Beese, Verhandlungsführerin der DBV-Tarifkommission, spricht von einem „mageren ersten Angebot“ der Versicherer. „Die Gesamterhöhung von 9,5 Prozent klingt einigungsfähig – nicht aber die überlange Laufzeit von drei Jahren, die die Kolleginnen und Kollegen gerade am unteren Ende des Tarifbereichs materiell weiter abkoppelt von einem angemessenen Anschluss an die Branche“, so Beese.
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