Studie: „ökologisch“ ist effektiver als „ESG-konform“

3.8.2022 – Information und Glaubwürdigkeit sind die wichtigsten Faktoren bei der Verbreitung von nachhaltigen Versicherungen. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Studie des GDV und der TU München.

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Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) betont im Rahmen der in Kraft getretenen EU-Beratungsverordnung, dass die Versicherer Teil der ökologisch nachhaltigen Transformation sind.

Mit Blick auf den Klimawandel und damit verbundenen zunehmenden Risiken hätten Versicherungs-Unternehmen großes Interesse daran, den Wandel zu treiben, wird berichtet. Daher wollten sie verstehen, wann und unter welchen Umständen Kunden nachhaltige Entscheidungen treffen.

„Denn klar ist: Die Beratung zu nachhaltigen Finanzdienstleistungen wie Versicherungen ist meinungsbildend und hat Einfluss auf die Gesellschaft“, schreibt der Verband in einer Mitteilung.

Interviews mit Kunden der VKB und der R+V waren Teil der Studie

Die Dachorganisation hat gemeinsam mit der Technischen Universität München (TUM) eine Studie zum Vertrieb nachhaltiger Versicherungen durchgeführt.

Neben einer nach eigenen Angaben repräsentativen Befragung von 705 Personen gehörten zur Erhebung auch Interviews mit Kunden der Versicherungskammer Bayern und der R+V Versicherungen. Die Untersuchung fand von Februar bis Juli statt.

Information und Glaubwürdigkeit sind die wichtigsten Faktoren

Das Ergebnis: Information und Glaubwürdigkeit sind die wichtigsten Faktoren bei der Verbreitung von nachhaltigen Versicherungen, so der GDV. Weitere zentrale Erkenntnisse sind seinen Angaben zufolge:

  • „Nachhaltigkeits-Präferenzen ändern sich. Sie können kurzfristigen Trends unterliegen, zum Beispiel als Reaktion auf aktuelle Ereignisse. Nicht immer spiegelt dies auch langfristige Überzeugungen wider. Beratung muss dies berücksichtigen und in gewissen zeitlichen Abständen überprüfen.
  • Versicherungs-Interessenten entscheiden sich öfter für ein nachhaltiges Versicherungsprodukt, wenn die Beiträge in „ökologische“ anstelle von „ESG-konforme“ Unternehmen investiert werden. Die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Begriffswelt ist nicht selbsterklärend. Erläuterungen und Aufklärung über die damit verbundenen zahlreichen Aspekte von Nachhaltigkeit ist daher wichtig.
  • Kunden sind bereits in gewisser Weise über ökologische Nachhaltigkeit informiert und daher empfänglich für eine emotionale Ansprache. Die Bedeutung von ESG-Konformität scheint vielen noch nicht geläufig zu sein. Eine sachliche, aufklärende Ansprache wirkt in diesem Fall besser.
  • Gerade die jungen Kundinnen und Kunden sind für nachhaltige Produkte besonders offen. So präsentieren sich Schüler und Studenten/Azubis durchweg am nachhaltigsten. Rentner, die Nachhaltigkeit ohnehin bevorzugen, akzeptieren auch einen Preisaufschlag für nachhaltige Produkte.
  • Frauen gaben sich in der Befragung deutlich nachhaltiger als Männer.
  • Das sichtbare Verhalten der Versicherer und Vermittler trägt mehr als Informationstexte dazu bei, nachhaltiges Verhalten auszulösen.“
Verbraucherumfrage zur Nachhaltigkeit (Bild: GDV)
Verbraucherumfrage zur Nachhaltigkeit (Bild: GDV)

Information über Einflussmöglichkeiten der Versicherer ist wichtig

„Es ist nur wenigen Menschen bekannt, dass die Versicherer als Risikoträger und Investoren einen großen Einfluss auf die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele haben“, wird Professor Dr. Gunther Friedl, Inhaber des Lehrstuhls für Controlling an der TUM und Leiter der Studie, zitiert.

„Wenn in der Beratung klar wird, dass die Versicherer ein echtes Eigeninteresse an der Transformation haben und eine große Hebelwirkung entwickeln können, springt der Nachhaltigkeitsgedanke schnell auf die Kundinnen und Kunden über“, so der Wissenschaftler.

LV 1871 fordert, ein neues Bewusstsein zu schaffen

Auch die Lebensversicherung von 1871 a.G. München (LV 1871) rät zu einer aktiven Beratung. Es sei bedauerlich, dass die meisten Menschen in Deutschland das Thema noch nicht im Blick zu haben scheinen – obwohl ihnen nachhaltiges Handeln an sich sehr wichtig sei, heißt es bei den Münchenern.

„Bei dieser Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit können Vermittler im Kundengespräch ansetzen und so gemeinsam mit Kundinnen und Kunden ein neues Bewusstsein für nachhaltiges Investment schaffen“, sagt Hermann Schrögenauer, Vertriebsvorstand der LV 1871 (VersicherungsJournal 2.8.2022).

Schlagwörter zu diesem Artikel
Ausbildung · Lebensversicherung · Nachhaltigkeit · Senioren
 
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