Beratungsstandards: Warum sie oft das Gegenteil bewirken

27.2.2026 – Normen dienen der Qualitätssicherung. In der Praxis zeigt sich jedoch ein widersprüchliches Bild. Die gewünschte Wirkung bleibt aus, weiß die Personalentwicklerin Katarina Schmitz. In einem Dossier liefert sie Tipps und Hinweise für eine erfolgreiche Gesprächsführung.

Beratungsstandards gelten im Versicherungsvertrieb als Instrument zur Qualitätssicherung. Sie sollen Vergleichbarkeit schaffen, Orientierung geben und sicherstellen, dass Beratung nachvollziehbar und verlässlich erfolgt. In der Praxis zeigt sich jedoch ein widersprüchliches Bild.

Gerade dort, wo Standards besonders hilfreich wären, spielen sie im Alltag vieler Vermittler kaum eine Rolle. Und dort, wo sie angewendet werden, entfalten sie nicht immer die gewünschte Wirkung.

Beratungsstandards: vorhanden, aber nicht gelebt

Katarina Schmitz (Bild: privat)
Katarina Schmitz (Bild: privat)

In vielen Organisationen existieren Beratungsstandards auf dem Papier. Sie sind dokumentiert, definiert und formal verankert. Im Arbeitsalltag der Vermittler sind sie jedoch oft wenig präsent, insbesondere bei denen, die noch Orientierung benötigen.

Erfahrene Vermittler arbeiten häufig intuitiv. Nachwuchs- und Quereinsteiger orientieren sich eher an Kollegen oder an dem, was kurzfristig funktioniert. Der eigentliche Standard bleibt abstrakt und wird nicht als praktischer Leitfaden wahrgenommen.

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Die ursprüngliche Idee von Standards

Dabei ist die Grundidee von Beratungsstandards sinnvoll. Sie sollen ein klares Bild nach außen vermitteln und einen Rahmen schaffen, innerhalb dessen Beratung stattfindet.

Es geht nicht darum, Persönlichkeit zu unterdrücken oder Gespräche zu vereinheitlichen. Im Gegenteil: Persönlichkeit soll den Standard verstärken. Ein guter Standard liefert Struktur und Orientierung, die individuelle Art des Vermittlers gibt ihm Leben.

Problematisch wird es dort, wo nicht klar ist, was der Standard leisten soll und welchen Mehrwert er für Vermittler, Kunden und Organisationen tatsächlich bietet.

Sicherheit im Kundengespräch

Aus Kundensicht wirken klar gelebte Standards stabilisierend. Sie vermitteln Sicherheit, weil der Kunde spürt, dass Beratung nicht zufällig erfolgt, sondern einer nachvollziehbaren Logik folgt. Struktur schafft Vertrauen, nicht weil sie starr ist, sondern weil sie Orientierung bietet.

Fehlt diese Struktur, wirkt Beratung schnell beliebig. Gespräche verlaufen korrekt, aber ohne erkennbare Linie. Entscheidungen werden vertagt, obwohl fachlich alles besprochen wurde.

Gleichzeitig zeigt die Praxis: Zu eng gefasste Standards wirken hemmend. Vermittler fühlen sich eingeschränkt, Individualität geht verloren, Gespräche wirken mechanisch. Die Verantwortung wird an den Prozess abgegeben, statt bewusst übernommen zu werden.

Bedeutung für Nachwuchs und Quereinsteiger

Gerade für Nachwuchs- und Quereinsteiger können gut entwickelte Beratungsstandards ein entscheidender Erfolgsfaktor sein. Voraussetzung ist jedoch, dass diese Standards praxiserprobt und wirksam sind. Sie geben Orientierung, wie Beratung tatsächlich funktioniert, nicht theoretisch, sondern im Alltag.

Viele Organisationen verbinden mit Beratungsstandards vor allem Vergleichbarkeit. Beratung soll messbar und einheitlich sein. Diese Annahme greift jedoch zu kurz.

Standards richtig einordnen

Beratungsstandards sind weder Allheilmittel noch Hemmschuh. Ihre Wirkung hängt davon ab, wie sie verstanden und gelebt werden. Als Leitfaden und Struktur helfen sie, an alles Wesentliche zu denken. Sie geben Sicherheit, für Vermittler wie für Kunden.

Entscheidend ist, dass Standards nicht nur definiert, sondern im Alltag verankert werden. Nicht als Kontrollinstrument, sondern als selbstverständlicher Bestandteil professioneller Beratung.

Lesetipp: „Erfolgreiche Kundengespräche im Versicherungsvertrieb – Praxisleitfaden für Struktur, Klarheit und Abschluss in der Beratung“

In der Vertriebspraxis kann man häufig erleben, dass umfangreiches Fachwissen vermittelt wird, während die Frage der konkreten Umsetzung im Kundengespräch zu kurz kommt. Viele gehen davon aus, erst dann erfolgreich beraten zu können, wenn sie „alles wissen“.

Dossier Cover (Bild: VersicherungsJournal)

Diese Annahme ist eine Illusion. Kaum eine Branche ist fachlich so vielfältig wie die Versicherungswirtschaft. Aber alles zu wissen, ist nicht nur unrealistisch, sondern für gute Beratung auch nicht notwendig. Doch was macht eine gute Beratung aus und warum gibt es so viele wirkungslose Kundengespräche?

Das neue Dossier des VersicherungsJournals setzt genau an dieser Stelle an. Es betrachtet Kundengespräche nicht aus der Perspektive von Technik oder Methodik, sondern aus der Perspektive von Wirkung.

Es beleuchtet, warum fachlich korrekte Gespräche dennoch ohne Ergebnis bleiben, welche Rolle Struktur, Haltung und Positionierung dabei spielen und weshalb insbesondere Quereinsteiger in ein Spannungsfeld geraten, das mit zusätzlichem Fachwissen allein nicht aufzulösen ist. Ergänzt wird die Darstellung durch zahlreiche Tipps und Hinweise sowie eine Checkliste zur Gesprächsführung.

Zugang zum Dossier

Das Dossier „Erfolgreiche Kundengespräche im Versicherungsvertrieb – Praxisleitfaden für Struktur, Klarheit und Abschluss in der Beratung“ ist am 26. Februar 2026 im VersicherungsJournal-Verlag erschienen. Es umfasst 33 Seiten im PDF-Format.

Premium-Abonnenten des VersicherungsJournals können das komplette Dossier als PDF-Datei (2,54 MB) unter diesem Link kostenlos herunterladen.

Alle anderen können es als E-Paper im PDF-Format für 17,90 Euro einschließlich Mehrwertsteuer online bestellen.

Katarina Schmitz

Die Autorin hat im Innen- und Außendienst, in der Führung sowie in der Ausbildungsleitung gearbeitet. Sie ist heute IHK-Prüferin, Dozentin und Gründerin der KS Assekuranz Akademie, die Personalentwicklung für Versicherungsunternehmen und Maklerbetriebe anbietet.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Strategie · Technik · Versicherungsvertrieb
 
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