Versorgungswerk verliert 58 Millionen Euro mit US-Wolkenkratzer

9.3.2026 – Die Körperschaft des öffentlichen Rechts, die Spargelder für Advokaten aus Hessen anlegt, muss seine Investitionen in das Hochhaus Transamerica Pyramid in San Francisco wohl komplett abschreiben. Auf Anfrage ordnet ein Unternehmenssprecher ein, wie es infolge der Corona-Pandemie und der Zinswende trotz vorheriger Marktanalysen zu dem finanziellen Fehlgriff gekommen ist.

Dem Versorgungswerk der Rechtsanwälte im Lande Hessen droht bei einem Investment in den USA der Totalverlust. Einen entsprechenden Bericht der Verlagsgruppe Handelsblatt GmbH hat ein Sprecher der Körperschaft des öffentlichen Rechts auf Anfrage des VersicherungsJournals im Grundsatz bestätigt.

Der Sprecher macht aber Ausnahmen hinsichtlich mehrerer Angaben, die nicht der Faktenlage entsprächen. Demnach betrug das Investitionsvolumen des Versorgungswerks 57,9 Millionen Euro. Das „liegt in Relation zum Marktwert der gesamten Kapitalanlagen bei unter einem Prozent“, sagt er.

Wolkenkratzer Transamerica Pyramid in San Francisco

Transamerica Pyramid in San Francisco (Bild: Jay-Jay, Pixabay-Inhaltslizenz)
Transamerica Pyramid in San Francisco
(Bild: Jay-Jay, Pixabay-Inhaltslizenz)

Das Versorgungswerk werde eine Wertberichtigung im Geschäftsjahr 2025 verbuchen. „Dies hat keine Auswirkung auf die für 2026 geplanten, über den Rechnungszins hinausgehenden Leistungssteigerungen für Renten und Anwartschaften“, betont der Sprecher weiter. „Reserven und Rücklagen werden nicht in Anspruch genommen.“

Bei dem missglückten Investment geht es um den Wolkenkratzer Transamerica Pyramid im kalifornischen San Francisco. Mit diesem Projekt, das zu einem Fonds der DF Deutsche Finance Holding AG gehörte, befasste sich das Versorgungswerk nach eigenen Angaben erstmals 2019.

Nach den ersten Erörterungen beauftragte das Versorgungswerk zwei externe Analysen, berichtet der Sprecher. Sie sollten demnach die zukünftige Entwicklung des regionalen Marktes für Büroimmobilien beurteilen. „Das Investment kennzeichnen gründliche Analysen.“

Das finanzielle Engagement erfolgte demzufolge nach Auswertung der Ergebnisse „über Vorzugskapital mit deutlichem Risikopuffer“. Der Sprecher betont, dass dieses Vorgehen „– auch angesichts der Pandemie – abgesichert“ gewesen sei.

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Hauptinvestor ist die Bayerische Versorgungskammer

„Die Zusammenarbeit mit der Deutschen Finance erfolgte im Rahmen der vertraglich vereinbarten Strukturen eines institutionellen Fondsinvestments“, erklärt der Firmensprecher. Hierbei seien die „definierten Reporting- und Entscheidungsprozesse“ maßgeblich gewesen.

„Unsere Rolle beschränkte sich in erster Linie auf die eines Kapitalgebers im Rahmen dieser Struktur“, heißt es vom Versorgungswerk. „Unabhängig davon prüfen wir aktuell sämtliche Aspekte des Investments sorgfältig im Rahmen unserer festgelegten Prozesse.“

Zum gesamten Investitionsobjekt zählten demnach das Hauptgebäude des Komplexes sowie drei Nebengebäude. Das Versorgungswerk gehört hierbei zu den Mitinvestoren; Hauptinvestor ist die Bayerische Versorgungskammer, Zusatzversorgungskasse der bayerischen Gemeinden.

Die hatte laut Medienberichten fast 700 Millionen Euro verloren (VersicherungsJournal Medienspiegel 13.1.2026, Medienspiegel 15.12.2025).

Pandemiefolgen und Zinswende belasten Immobilieninvestoren

„Voraussichtlich wird das Investment in die Transamerica Pyramid vollständig abgeschrieben“, erwartet der Unternehmenssprecher. Er gibt aber zu bedenken, dass das Konzept den Verantwortlichen für die Kapitalanlage aus damaliger Sicht wirtschaftlich sinnvoll erschienen sei.

„Die Investition zielte darauf ab, das Bürogebäude, eines der Wahrzeichen San Franciscos, zu modernisieren und vom erwarteten Aufschwung nach der Pandemie zu profitieren.“ Die US-Westküste „wurde als attraktive Möglichkeit mit im internationalen Vergleich hohen Ertragsaussichten betrachtet“.

Doch: „Infolge der lokalen Pandemieausprägung entwickelte sich die Mietnachfrage wesentlich schwächer als erwartet.“ Zeitgleich wurden die internationalen Investoren von der raschen Zinswende auf dem falschen Fuß erwischt: Die gestiegenen Baukosten belasteten den Büromarkt deutlich stärker als prognostiziert. In der Folge drehte auch der Cashflow des Hochhausprojekts ins Negative.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Altersvorsorge · Coronavirus · Rechnungszins · Versorgungswerk
 
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