27.1.2026 – Christoph Jurecka, Vorstandschef der Munich Re, sagte laut Medienberichten am Donnerstag, dass bei der Umsetzung des neuen Strategieprogramms bei der Ergo in Einzelfällen auch Abfindungszahlungen notwendig werden könnten. Ursprünglich sollten die Stellen über natürliche Fluktuation abgebaut werden. Branchenbeobachter berichten von Unruhe im Unternehmen.
Mitte Dezember hatte die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG in München (Munich Re) ihre neue Strategie „Ambition 2030“ vorgestellt. Mit dem Fünfjahresplan will der Rückversicherer bis 2030 seine jährlichen Kosten um 600 Millionen Euro senken. Bereits für das laufende Geschäftsjahr werden Einsparungen im Umfang von 200 Millionen Euro angestrebt (VersicherungsJournal 6.1.2026).
Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung plant der Rückversicherer, tausende Arbeitsplätze nach Indien oder Polen zu verlagern – die Zeitung beruft sich dabei auf Insider. Die Munich Re wies den Bericht gegenüber dem VersicherungsJournal zurück: Geplant sei lediglich, einzelne Funktionen in Zentralbereichen künftig in andere Länder zu verlagern.
Bei einem möglichen Stellenabbau solle dabei auf natürliche Fluktuation gesetzt werden, so hatte sich eine Sprecherin weiter positioniert. Mitarbeiter, die aus Altersgründen aus dem Unternehmen ausscheiden, sollen nicht ersetzt werden. Kündigungen seien hingegen nicht geplant.

Für Aufsehen sorgen nun Aussagen von Dr. Christoph Jurecka, seit diesem Jahr Vorsitzender des Vorstands der Munich Re, die er am Donnerstagabend in München machte. Dabei bekräftigte der promovierte Physiker zunächst, dass er bei einem möglichen Stellenabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen wolle, wie übereinstimmend Medien der OVB GmbH & Co. KG und die Nachrichtenagentur Reuters berichten.
Jurecka stellte klar, dass man in der Rückversicherung ausschließlich auf natürliche Fluktuation setzen wolle. Diese habe zuletzt bei rund zehn Prozent pro Jahr gelegen und sei ausreichend, um die geplanten Anpassungen des Strategieprogramms umzusetzen.
Das schließt auch Verlagerungen ins Ausland explizit ein. „Zukünftig werden wir dann ein bisschen stärker in München auch darauf schauen, ob nicht die eine oder andere Stelle entweder in Polen oder in Indien oder eben an anderen Standorten besetzt werden kann“, wird Jurecka von den OVB-Heimatzeitungen zitiert.
Zugleich habe Jurecka eingeräumt, dass bei der Erstversicherungs-Tochter Ergo Versicherungen die natürliche Fluktuation möglicherweise nicht ausreiche, um den geplanten Stellenabbau umzusetzen. Dort gebe es mehr Möglichkeiten, Routineaufgaben durch künstliche Intelligenz zu ersetzen.
„Aber die Idee ist natürlich Freiwilligkeit, so dass auch bei der Ergo niemand Angst haben muss, seinen Job zu verlieren“, wird der 51-Jährige zitiert. Zunächst solle geprüft werden, ob freiwerdende Mitarbeiter über Weiterbildungen für andere Aufgaben umgeschult werden könnten. Sei das nicht möglich, seien in Einzelfällen auch Abfindungszahlungen vorgesehen.
Auf Nachfrage des VersicherungsJournals machte die Ergo keine Angaben dazu, in welchem Umfang ein möglicher Stellenabbau geplant sei. Zum Strategieprogramm gebe es keine neuen Informationen, so teilte ein Sprecher mit. Laut Medienberichten nannte auch Jurecka keine konkreten Zahlen.
Wie das VersicherungsJournal aus Konzernkreisen erfuhr, finden derzeit Gespräche zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern auf allen Ebenen des Konzerns statt, in denen auch ein möglicher Stellenabbau diskutiert wird. Auch hierzu wollte sich die Ergo nicht äußern.
Wie Branchenbeobachter Stephan von Heymann auf seinem Sachthemen.Blog berichtet, sorgt der mögliche Stellenabbau dennoch für Unruhe in der Ergo-Belegschaft.
Die Kombination aus angekündigter Transformation, Verlagerungsplänen und dem starken Fokus auf KI im Konzern lasse Mitarbeiter einen weit umfassenderen Abbau befürchten. Von Heymann beruft sich auf „Stimmen aus dem Unternehmen“. Er berichtet, dass die Ergo-Gruppe ein internes Programm namens ESP3 verfolge, bei dem künstliche Intelligenz eine Schlüsselrolle spiele.
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hebt in einem Porträt Jureckas hingegen hervor, dass der neue Vorstandschef einen teamorientierten Führungsstil verfolge. Als „Teamspieler mit Vorbehalt“ wolle er auf harte Maßnahmen nur als letztes Mittel zurückgreifen – und verfolge das Ziel, eine attraktive Unternehmenskultur zu etablieren, die auch für Nachwuchskräfte anschlussfähig sei.
Entsprechend hob Jurecka auch am Donnerstag hervor, dass er keinen klassischen Stellenabbau im Konzern verfolge. „Es geht nicht darum, blind Stellen zu verlagern“, wird er von Reuters zitiert. Bei den anvisierten Einsparungen gehe es eher um eine „Dämpfung des Kostenanstiegs“ durch inflationäre Effekte als um „echte Kostensenkungen“, so der Vorstandschef.
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