11.3.2026 – Fällt ein Pony während einer ärztlichen Behandlung einfach um, weil es keine Kraft mehr hat, und verletzt dabei eine Person, haftet die Tierhalterin nicht für daraus entstehende Schäden. Die Tierhalterhaftung greift nur, wenn sich im Verhalten des Tieres eine typische Gefahr verwirklicht. Das zeigt ein Hinweisbeschluss des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main.
Ein Shetlandpony litt unter schweren Koliken und hatte wiederholt starke Magenschmerzen, die sich in unruhigem Verhalten zeigten. Mehrere Behandlungen blieben ohne Erfolg, auch ein Klinikaufenthalt konnte die Beschwerden nicht lindern. Schließlich kamen die behandelnde Tierärztin und die Tierhalterin überein, dass es das Beste sei, das Pony einzuschläfern, um es von seinen Qualen zu befreien.
Die behandelnde Tierärztin verabreichte dem Pony eine tödliche Spritze auf der linken Seite. Während des Sterbeprozesses senkte es plötzlich seinen Kopf und kippte nach links um. Dabei riss es die Ärztin mit zu Boden und landete mit seinem 250-Kilo-Gewicht auf dem rechten Bein der Frau.
Die Betroffene konnte anschließend ihr Bein mehrere Monate nicht belasten. Sie musste sich mehreren physiotherapeutischen Behandlungen unterziehen, um Beweglichkeit und Kraft wiederherzustellen.
Die Ärztin forderte daraufhin von der Halterin des Ponys ein Schmerzensgeld in Höhe von mindestens 10.000 Euro. Das Landgericht Wiesbaden wies die Klage mit Urteil vom 6. Oktober 2025 (14 O 71/25) ab.
Auch das Oberlandesgericht Frankfurt am Main kam in einem Hinweisbeschluss vom 29. Januar 2026 (3 U 127/25) zu dem Ergebnis, dass die Klage keine Aussicht auf Erfolg habe. Daraufhin zog die Ärztin ihre Berufung zurück. Über den Hinweisbeschluss informiert das OLG in einem Pressetext. Eine detaillierte Begründung liegt bislang nicht öffentlich vor.
Wie das Oberlandesgericht ausführt, hätte die Klage nur Aussicht auf Erfolg gehabt, wenn die Ärztin die Tierhalterhaftung der Ponyhalterin gemäß § 833 BGB hätte geltend machen können.
Voraussetzung dafür sei, dass sich eine „typische Tiergefahr in einem der tierischen Natur entsprechenden unberechenbaren und selbstständigen Verhalten des Tieres“ realisiert habe, erläuterte der zuständige 3. Senat weiter. Erforderlich sei eine „tierische Eigenwilligkeit“ des Ponys.
Im vorliegenden Fall habe sich keine spezifische Tiergefahr verwirklicht. Das Tier sei während des Sterbeprozesses umgefallen. Es habe nicht mehr aufrecht stehen können, weil es hierzu keine Kraft mehr gehabt habe und der Tod eingetreten sei. Damit habe nur noch die Schwerkraft auf die Körpermasse gewirkt, nicht aber ein der tierischen Natur entsprechendes Verhalten.
Anders hätte der Fall gelegen, wenn die Ärztin hätte nachweisen können, dass sich das Tier aktiv der Situation habe entziehen wollen. Dies könne durch Flucht, Hinwerfen, Wälzen oder ein ähnliches Verhalten geschehen sein.
Hierfür seien aus der Akte aber keinerlei Anhaltspunkte zu entnehmen. Da die Klägerin ihre Berufung zurückzog, wurde das Urteil der Vorinstanz rechtskräftig.
Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.
Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.
Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.
Geraten Sie in Verkaufssituationen immer wieder an Grenzen?
Wie Sie unterschiedliche Persönlichkeitstypen zielgerichtet ansprechen, erfahren Sie im Praktikerhandbuch „Vertriebsgötter“.
Interessiert? Dann können Sie das Buch ab sofort zum vergünstigten Schnäppchenpreis unter diesem Link bestellen.













