19.3.2026 – Selbstständige sorgen besser für das Alter vor, als das Klischee vermuten lässt – nur sieben Prozent verzichten ganz auf Rücklagen für das Alter. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des DIW Berlin. Die verbreitetsten Vorsorgeformen sind Bar- und Tagesgeld, gefolgt von Rentenversicherungen, Aktien und Fonds sowie Immobilien.
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW Berlin) hat in einer Studie untersucht, wie Selbstständige für das Alter vorsorgen und ob sie ausreichend abgesichert sind.
Hintergrund ist die Debatte, ob auch diese Gruppe der Erwerbstätigen verpflichtet werden soll, für das Alter vorzusorgen. Unter anderem hat sich Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) dafür ausgesprochen, Selbstständige in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen. Auch der Koalitionsvertrag sieht dies vor – ohne bisherige Gesetzesinitiative (VersicherungsJournal 26.8.2025).
Die Analyse stützt sich auf die Umfrage „Soziale Lage Selbstständiger in Deutschland“ (SLSD) (PDF, 3,66 MB). Dafür wurden im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) repräsentativ mehr als 2.000 Selbstständige in Haupt- und Nebentätigkeit befragt.
Ergänzt wurden diese Angaben durch Daten von Erwerbstätigen aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP), der größten regelmäßigen Haushaltsbefragung in Deutschland mit rund 30.000 Teilnehmern.
In der Umfrage machten die Selbstständigen Angaben zu Einkommen und Erwerbsverlauf, ihrer finanziellen Lage sowie zur sozialen Absicherung. Die Erhebung basierte auf einer Telefonstichprobe und einer Unternehmensdatenbank. Sie schließt laut DIW eine bisherige Lücke, da es bislang keine repräsentativen Daten zur Altersvorsorge von Selbstständigen gab.
Die Daten zeigen, dass die Einkommen unter Selbstständigen sehr heterogen verteilt sind. 16 Prozent erzielten ein jährliches Bruttoeinkommen bis 12.000 Euro, knapp 25 Prozent von 12.000 bis 36.000 Euro. Zwischen 36.000 Euro und 84.000 Euro lagen knapp 30 Prozent der Befragten, ebenfalls knapp 30 Prozent kamen auf mehr als 84.000 Euro Jahreseinkommen.
Im Jahr 2025 waren etwa 3,7 Millionen Personen in Deutschland selbstständig tätig, wie das DIW mit Bezug auf Daten des Statistischen Bundesamts (Destatis) berichtet. Ihre Zahl sei seit 2012 um rund 600.000 Personen gesunken. Davon waren gut 1,8 Millionen sogenannte Solo-Selbstständige – also Personen, die keine weiteren Mitarbeiter beschäftigen.
Laut DIW-Analyse nutzten 93 Prozent der Selbstständigen mindestens eine Form der Altersvorsorge. Rund 37,4 Prozent der Befragten nutzten zwei Formen der Altersvorsorge, rund 30 Prozent sogar alle drei Formen. Dabei unterschied das DIW zwischen:
„Die Ergebnisse widerlegen das gängige Bild der pauschal schutzbedürftigen Selbstständigen, die später flächendeckend in die Grundsicherung fallen“, sagt Maximilian Priem, der an dem Erstellen der Studie beteiligt war. Grundsätzlich sei die Bereitschaft, für das Alter vorzusorgen, unter Selbstständigen hoch.
Darüber hinaus sollten die Selbstständigen in Haupttätigkeit konkret angeben, wie viel Geld sie monatlich für eine flexible und/oder periodische Altersvorsorge aufwenden – also für alle Vorsorgeformen, von privaten Rentenversicherungen über Immobilien, Fonds und Aktien bis hin zu Sparbeträgen.
Durchschnittlich wendeten die Selbstständigen 28 Prozent ihres monatlichen Nettovermögens für die Altersvorsorge auf. Dabei stieg die zurückgelegte Summe erwartungsgemäß mit dem Einkommen. Wer weniger als 1.000 Euro im Monat erzielte, legte im Durchschnitt 138 Euro im Monat für die Altersvorsorge zurück. Bei den Einkommen von 2.000 bis 3.000 Euro waren es bereits 585 Euro.
Wer über ein Nettoeinkommen von 3.000 bis 4.000 Euro verfügte, wendete 917 Euro monatlich für die Altersvorsorge auf. Bei den Einkommen von 5.000 bis 7.500 Euro waren es 1.723 Euro, bei Einkommen von mehr als 10.000 Euro pro Monat 2.437 Euro.
| Monatliches Nettoeinkommen | Beiträge für | Anteil Vorsorge (flexibel und periodisch) am Nettoeinkommen** | |
|---|---|---|---|
| flexible Vorsorge* | periodische Vorsorge* |
| |
| Quelle: SLSD 2024/DIW Berlin, *durchschnittliche monatliche Beiträge in Euro, **Anteil Vorsorge am Nettoeinkommen in Prozent. Befragt wurden hauptberuflich Selbstständige, n = 1.184 | |||
| Bis 1.000 Euro | 60 | 78 | 23 |
| Über 1.000 Euro bis 2.000 Euro | 183 | 97 | 17 |
| Über 2.000 Euro bis 3.000 Euro | 431 | 154 | 23 |
| Über 3.000 Euro bis 4.000 Euro | 636 | 281 | 25 |
| Über 4.000 Euro bis 5.000 Euro | 843 | 332 | 25 |
| Über 5.000 Euro bis 7.500 Euro | 1083 | 640 | 28 |
| Über 7.500 Euro bis 10.000 Euro | 1400 | 536 | 22 |
| Über 10.000 Euro | 1768 | 669 | 12 |
Beim Blick darauf, welche Formen der Altersvorsorge von den Selbstständigen genutzt wurden, lag die Option Bargeld und Tagesgeld mit 49 Prozent Nennungen vorn. Es folgten private Rentenverträge ohne staatliche Förderung und Wertpapiere mit je 46 Prozent Nennungen. Immobilien wurden von 45 Prozent der Befragten genannt.
Anwartschaften in der gesetzlichen Rentenversicherung hatten 39 Prozent der Befragten erworben, auf Betriebsvermögen setzten 32 Prozent der Befragten bei der Altersvorsorge. Zusammengerechnet nutzten immerhin 41 Prozent staatlich geförderte Vorsorgeformen wie Riester- oder Basisrente.

Auf die Frage, ob sie sich um ihre Altersvorsorge Sorgen machen, gaben 24,2 Prozent der Selbstständigen an, keine Sorgen zu haben. 44,2 Prozent nannten „einige Sorgen“ und 31,7 Prozent berichteten von „großen Sorgen“.
Die Studienautoren empfehlen eine Pflichtvorsorge für Selbstständige ohne nachweisbare Altersvorsorge, die durch eine staatliche Förderung für Einkommen bis 36.000 Euro unterstützt wird. Demnach sei es nicht sinnvoll, alle Selbstständigen pauschal einer Pflicht zu unterwerfen.
Außerdem schlagen die DIW-Experten eine Vorsorgequote vor, die sicherstellt, dass alle Selbstständigen ausreichend für das Alter vorsorgen – unabhängig davon, ob über gesetzliche, private oder andere Vorsorgeformen.
„Das von uns vorgeschlagene Modell kombiniert individuelle Eigenverantwortung mit einer notwendigen sozialen Flankierung und trägt der schwankenden wirtschaftlichen Realität in der Selbstständigkeit durch flexible Beitragsoptionen Rechnung“, erklärt Professor Dr. Alexander S. Kritikos, einer der Studienautoren.
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