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Privat vor Staat in der Kunstversicherung

23.11.2020 – Den Kunstraub im Grünen Gewölbe in Dresden hätte wohl auch das Risikomanagement eines privaten Versicherers nicht verhindert. Gleichwohl könnte für Leihgeber öffentlicher Ausstellungen und Museen einiges besser laufen, wenn die Versicherungswirtschaft stärker eingebunden würde. So das Ergebnis der neunten, vom Versicherungsmakler Zilkens veranstalteten Kölner Kunstversicherungs-Gespräches im Rahmen der Art Cologne.

Bei dem diesjährigen nur online stattfindenden Kölner Kunstversicherungs-Gespräch hatte es Dr. Stephan Zilkens auf die Staatshaftung abgesehen. Diese sei nur auf den ersten Blick ein günstiger und vorteilhafter Weg, das Ausstellungsrisiko für den öffentlichen Leihnehmer abzusichern.

Stephan Zilkens (Bild: Screenshot Lier)
Stephan Zilkens (Bild: Screenshot Lier)

„Warum soll man die nationalen Haushalte mit einem Risiko von 200 Millionen Euro belasten, wenn man für dieses Risiko für eine Versicherungsprämie für 100.000 Euro kaufen kann?“, sagte der Geschäftsführer der Zilkens GmbH Versicherungsmakler. Er plädiert dafür, in diesem Segment mehr die Erfahrung der privaten Kunstversicherer zu nutzen. Zudem kann er sich auch eine gemeinschaftliche Lösung von Staat und Privaten à la „Extremus“ für Kunstausstellungen vorstellen.

Kunst-Markt unter Druck

Durch die pandemiebedingten Ausfälle von Ausstellungen sinkt das Beitragsvolumen der Kunstversicherer laut Zilkens 2020 in Deutschland um zehn bis 15 Prozent. Im Vorjahr lag das Volumen bei rund 140 Millionen Euro. Weltweit erreichte es 1,2 Milliarden Euro und stammte zu 78 Prozent aus der Absicherung von Privatsammlungen.

Mit den Anbietern HDI und Generali habe der Markt zudem zwei neue Teilnehmer erhalten (VersicherungsJournal 20.10.2020, 18.10.2019). Zilkens berichtete darüber hinaus von steigenden Preisen für Kunst. Im Hinblick auf die Beiträge sprach er von einem „Gap“.

Die Rückversicherungskosten für die Kunstversicherung nähmen zu. Für große internationale Ausstellungen machten die Versicherungskosten seit einigen Jahren nur noch auf ein bis vier Prozent der gesamten Ausstellungskosten aus.

Haftung der öffentlichen Hand vage und vielfältig geregelt

Zilkens zeigt, dass die Haftung der öffentlichen Hand für Leihgaben in öffentlichen Ausstellungen und Museen in Deutschland sehr unterschiedlich geregelt ist. Es gibt Bundesländer wie Bayern oder Thüringen, die keine Haftung übernehmen, und solche, die bis zu einer bestimmten Summe haften würden.

Nordrhein-Westfalen beschränkt die Haftung auf die Leihgaben Dritter auf zwei bestimmte Ausstellungen. Baden-Württemberg knüpft die Haftung an die Bedingungen grob fahrlässig und Vorsatz. Die Definition der Deckung ist oft sehr vage, kritisiert der Makler. Bei Wanderausstellungen verursachten die verschiedenen Haftungen Probleme.

Im Schadenfall habe es der geschädigte Leihgeber oft nicht mehr mit dem Museum, sondern mit den Entscheidungsträgern der darüber liegenden öffentlichen Verwaltung zu tun.

Prämienvolumen nicht wirklich groß

Würde die komplette Haftung der Länder von 6,861 Milliarden Euro zu einem Durchschnitts-Beitragssatz pro Ausstellung von 0,05 Prozent versichert, ergäbe dies 3,43 Millionen Euro Versicherungsprämie, rechnet Zilkens vor. Sofern die Garantien ganzjährig für Dauerleihgaben zu Verfügung gestellt würden, verdopple sich der Betrag, mache dann aber immer noch weniger als fünf Prozent des Umsatzes der Kunstversicherer in Deutschland aus.

Im Bundeshalt seien für die Staatshaftung für Kunst insgesamt 800 Millionen Euro unter der Ziffer „3208“ eingestellt. Es handele sich dabei aber um eine Position für Eventual-Verbindlichkeiten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zu einer Inanspruchnahme des Bundes führen. In dieser Ziffer stecken auch die Garantien nach dem Atomgesetz oder der Kreditabsicherung der Europäischen Investitionsbank.

Dietmar Telschow (Bild: Screenshot Lier)
Dietmar Telschow (Bild: Screenshot Lier)

Einen großen Nachteil der Haftung der öffentlichen Hand sieht Zilkens im Risikomanagement und in der Schadenbearbeitung. Das Risikomanagement in Museen sei noch entwicklungsfähig – beispielsweise im Bereich Verpackung, Versand und Transport.

Schadenverhütung ist Schlüssel bei Versicherern

Ähnlich äußerte sich Dietmar Telschow, Underwriting Manager der Axa XL: „Private Versicherer haben mehr Schadenerfahrung und können aus ihren Netzwerken auch zur Schadenminderung beitragen. Die Schadenexpertise ist ein Schlüsselargument, das zu beachten ist.“ Schadenverhütung sei der „Key“ bei Versicherern. Dazu habe man beispielsweise eine Vielzahl von Risiko-Ingenieuren.

Kunstversicherungs-Experte Dr. Bodo Sartorius, zuletzt Chief Operating Officer der Aris Title Insurance Corp., wies unter anderem daraufhin, dass das Risikomanagement im Grünen Gewölbe in Dresden besser gewesen wäre, wenn dies private Versicherer durchgeführt hätten.

Er schloss aber nicht aus, dass es dennoch zum Kunstraub gekommen wäre. Telschow sagte, dass die Branche mit Publikationen wie den Richtlinien des VdS Schadenverhütung GmbH oder einem Überblick des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. für Museen sowie dem Silk – Sicherheitsleitfaden Kultur einen Einstieg in das Risk-Consulting biete.

Auch Kritik an Versicherungsbranche

Die Sammlerin Carolin Scharpff-Striebich kritisierte, dass Versicherer die Standards erhöhten. Als Beispiel nannte sie Werke, die sie nicht unnötig oft aufspannen will, um deren Zustand für den Versicherer zu dokumentieren. Für eine Versicherung sei dies vor und nach dem Transport aber notwendig.

Zur besseren Risikohandhabung durch Private sagte sie, dass die vier Museen, mit denen sie zusammenarbeite, professionellen Transport für Kunst bewerkstelligten. Sie sei sich bewusst, dass sie mit den Leihgaben Risiken eingehe, aber das geschehe im Sinne der Künstler, die ihre Werke ja zeigen wollten.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Darlehen · Rückversicherung · Versicherungsaufsichtsgesetz · Versicherungsmakler
 
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