Flottenversicherung: Intelligente Kamera hilft Berufsfahrern – und Kosten sparen

15.1.2026 – Mit einer intelligenten Dashcam in gewerblichen Flotten sollen viele Unfälle vermeidbar sein. Berufsfahrer werden vor gefährlichen Situationen gewarnt. Servicedienstleister, Berater und Versicherer haben jetzt eine mittelgroße Flotte mit dem neuen System ausgestattet. Es soll sich aufgrund einer geringen Schadenquote nach wenigen Monaten lohnen. Trifft das zu, dürften viele Flottenvertreiber und Versicherer auf den Zug aufspringen.

Mit künstlicher Intelligenz (KI) kann man bei Autoflotten einen Großteil schwerer Unfälle vermeiden. „Wir können im Schnitt die Unfallquote um 50 Prozent verringern“, sagte Dr. Stefan Heck von der Nauto Inc. auf der K-Tagung 2024 von Meyerthole Siems Kohlruss (MSK).

Dashcam (Bild: AFC)
Dashcam (Bild: AFC)

Nun ist eine Kfz-Flotte in Deutschland mit der KI-Dashcam von Nauto gestartet. Eingesetzt wird das System bei der Flotte der Nobleglass GmbH & CO. KG. Das Unternehmen bietet deutschlandweit einen mobilen Autoglas-Service an und hat derzeit 107 Fahrzeuge in der Flotte.

Das System wurde gemeinsam mit dem Flottendienstleister Auto Fleet Control GmbH (AFC), dem Beratungsunternehmen Riskguard Wirtschafts- und Beratungsgesellschaft mbH des ehemaligen Allianz-Managers Ralph Feldbauer und der Zürich Beteiligungs-Aktiengesellschaft (Deutschland) eingeführt.

KI verhindert sekundenschnell Unfälle

Bei dem Telematik-System wird eine Box im Fahrzeug installiert. Per Kamera werden der Fahrer und die Straße beobachtet. Ist der Fahrer abgelenkt, erhält er eine leichte Warnung. Sie wird intensiviert, wenn die Ablenkung in einer Gefahrensituation passiert, etwa wenn er kurz vor einer Kreuzung ist, ein Auffahrunfall droht oder Passanten gefährdet werden könnten.

„Der Fahrer, der in ein Handy tippt, hat in der Regel nur drei bis vier Sekunden, um auszuweichen. Daher muss die KI die Warnung vier bis fünf Sekunden vorher geben“, erläuterte Heck. Vor allem Fahrer, die viele Unfälle verursachten, könnten durch die KI massiv positiv im Verhalten beeinflusst werden.

Das KI-System sei in den USA mit über fünf Milliarden Kilometern trainiert worden. Heute würden die KI-Telematik-Systeme von Nauto, die auch in Japan im Einsatz sind, 30.000 Unfälle pro Jahr verhindern. „Nach zwei Tagen im Einsatz sind 80 Prozent der Ablenkungen der Fahrer weg“, erläuterte Heck.

Nach zwei Wochen habe der Fahrer zudem vergessen, dass es das System überhaupt gibt. Heck verwies zudem darauf, dass die Fahrer nicht zu viele Warnsignale erhalten dürfen, damit das System weiterhin akzeptiert wird. Je nach Wunsch des Flottenkunden und des Fahrers werden die Aufnahmen nicht aufgezeichnet.

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Versicherer hat keinen Zugriff auf Daten

Bei Nobleglass haben nur die Risikomanager von AFC einen Zugriff auf die Daten, wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung erläutert. Die Datenverarbeitung erfolge streng anlassbezogen und DSGVO-konform.

Lediglich fallbezogene Aufnahmen würden gespeichert – nicht relevante Daten würden nach 30 Tagen gelöscht, Unfallaufzeichnungen spätestens nach zwei Jahren. Personenbezogene Daten wie Kennzeichen oder Gesichter würden automatisch anonymisiert.

Die Fahrzeuge von Nobelglass sollen durch gut sichtbare Sticker auf der Windschutzscheibe Verkehrsteilnehmer darüber informieren, dass eine Dashcam an Bord mitgeführt wird. „Darüber hinaus liegt allen Fahrern Begleitmaterial in Form eines Flyers vor, der bei Interesse herausgegeben werden kann“, teilt AFC auf Anfrage mit. Er soll die Rechtssicherheit der Kamera dokumentieren.

Sticker (Bild: AFC)
Sticker (Bild: AFC)

Keine privaten Fahrten

Laut AFC gibt es bei Nobleglass keinen Betriebsrat. Daher sei eine Betriebsvereinbarung für die Mitarbeiter bei der Einführung des Systems nicht notwendig gewesen. Die Monteure wären frühzeitig umfassend informiert worden und hätten jegliche Fragen zur Funktion der Dashcam stellen können.

„Die Kommunikation mit dem zuständigen Risikomanagement-Team ist zudem immer offen“, so AFC. Da die Fahrzeuge lediglich im Rahmen der beruflichen Ausübung zu nutzen sind, gibt es bei Nobleglass bei den Monteuren keine privaten Fahrten. Daher ist ein Abschalten der Kamera nicht notwendig.

KI-Telematik lohnt nach wenigen Monaten

Laut Nauto belaufen sich die Kosten für Kamerabox und KI-Software pro Fahrzeug auf umgerechnet rund 450 Euro. „In Deutschland lohnt sich das System für Flottenbesitzer nach acht bis neun Monaten“, schätzt Manager Heck. Dabei werden Schaden-, Risiko- und Versicherungsmanagement kombiniert und aufeinander abgestimmt. Fuhrparkbetreiber könnten von signifikanten Kosteneinsparungen und einem deutlichen Plus an Sicherheit für alle Beteiligten profitieren.

Der Markt für Kfz-Flotten erlebt seit Jahren eine Preisexplosion. Die Prämien- und Kostenspirale durch Schäden lässt sich nur dann wirksam durchbrechen, wenn Risiken frühzeitig erkannt und Fahrer konsequent in die Schadenprävention eingebunden werden.

Risiken frühzeitig erkennen

Für Fuhrparks bedeutet das Nauto-System eine aktive Fahrerunterstützung, mehr Fahrersicherheit, weniger Unfälle und geringere Kosten. Christoph Krüll, Leiter Underwriting Kfz-Flotten bei der Zurich Versicherung: „Das Projekt KI-Dashcam mit AFC und Nauto ist ein wichtiger Schritt, um Fahrverhalten transparent zu machen sowie Risiken frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Wir sehen darin einen echten Mehrwert für Prävention.“

Laut Zurich sind die KI-Dashcams bisher „eine“ Maßnahme im Risk Management. Einen Vorab-Versicherungs-Bonus gebe es aktuell nicht.

Die Einführung von Nauto könnte in der Flottenversicherung trotzdem zu einer nachhaltigen Veränderung führen, wenn die Schäden tatsächlich so stark sinken, wie prognostiziert. Denn dann dürften weitere Unternehmen mit Flotten und Versicherer das System einführen.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Berufsunfähigkeit · Datenschutz · Kfz-Flotten · Mitarbeiter · Technik · Telematik
 
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