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Das sind die größten Lobbyisten der Finanz- und Versicherungsbranche

6.1.2026 – Der GDV bleibt der finanzstärkste Lobbyist unter den Wirtschaftsverbänden. 15,29 Millionen Euro gab er 2024 für Lobbyarbeit aus, wie eine Auswertung der Bürgerbewegung Finanzwende zeigt. Unter den Versicherern weisen der Allianz-Konzern mit 3,32 Millionen Euro und die R+V mit 1,61 Millionen Euro die höchsten Lobbyausgaben auf – diese flossen jedoch zu großen Teilen an Verbände.

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Der Verein Bürgerbewegung Finanzwende e.V. hat erneut das Lobbyregister des Bundestags ausgewertet und untersucht, welche Branchen, Unternehmen und Verbände in Deutschland besonders intensiv Lobbyarbeit betreiben.

Die Ergebnisse fasst der 36-seitige Bericht „Dauerbeschallung in Überzahl – Finanzlobby-Analyse 2026“ zusammen, der auf der Website des Vereins als PDF (1,9 MB) abrufbar ist.

Mehr als 6.200 Unternehmen registriert

Im Lobbyregister des Bundestages haben sich aktuell mehr als 6.200 Unternehmen, Verbände und Nichtregierungsorganisationen verpflichtend eingetragen, die gegenüber dem Bundestag und der Bundesregierung Lobbyarbeit betreiben. Über eine Stichwortsuche ermöglicht das Register unter anderem Einblicke darin,

  • wie viel Geld die Organisationen pro Geschäftsjahr für Lobbyarbeit ausgeben,
  • wie viele Interessenvertreter beziehungsweise Lobbyisten sie beschäftigen,
  • zu welchen Gesetzesvorhaben sie Stellung genommen haben,
  • in welchen Themenfeldern sie politisch Einfluss nehmen.
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Verein beklagt Ungleichgewicht zugunsten der Finanzlobby

Die Bürgerbewegung beklagt in ihrem Bericht ein „krasses Missverhältnis“ zwischen der Finanzlobby und der Zivilgesellschaft. Demnach machten die „massiven finanziellen und personellen Ressourcen“ der Finanzlobby sie zu einem mächtigen Akteur gegenüber der Politik.

Als Beleg für diese Einschätzung führt der Verein unter anderem an, dass der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) seit der Einführung des Lobbyregisters vor vier Jahren jedes Jahr unangefochten an der Spitze der Akteure mit den höchsten Lobbyausgaben steht. Jedes Jahr gebe er mehr als 15 Millionen Euro für Lobbyarbeit aus.

Nachdem er […] die Arbeit des GDV kennenlernte, weiß er, dass die Waffenlobby doch noch so einiges zu lernen hat.

Axel Kleinlein

GDV hat 2024 rund 15,29 Millionen Euro für Lobbyarbeit aufgewendet

Axel Kleinlein (Bild: Mathconcepts Kleinlein)
Axel Kleinlein (Bild: Mathconcepts Kleinlein)

So hat der GDV im aktuellen Geschäftsjahr 15,29 Millionen Euro für Lobbyarbeit ausgegeben – laut Lobbyregister bezieht sich diese Zahl auf das Geschäftsjahr 2024. Zum Vergleich: Das Lobbybudget des Verbands der Automobilindustrie e.V. (VDA) lag bei 9,9 Millionen Euro und damit 35 Prozent niedriger. Der Versichererverband beschäftigt zudem rund 25 Lobbyisten (Vollzeitäquivalent).

Die Bürgerbewegung zitiert hierzu Aktuar Axel Kleinlein, den früheren Vorstandssprecher beim Bund der Versicherten e.V. (BdV) und Gründungsmitglied der Bürgerbewegung.

„Ein Bundestagsabgeordneter erklärte mir einmal, dass er früher bei seiner Arbeit im Verteidigungsausschuss von der Lobby der Rüstungsindustrie beeindruckt war. Nachdem er aber die Arbeit des GDV kennenlernte, weiß er, dass die Waffenlobby doch noch so einiges zu lernen hat“, so Kleinlein.

Auch Verbraucherzentrale Bundesverband mit Millionenausgaben

Eine Suche im Lobbyregister unter dem Stichwort „Versicherung“ zeigt jedoch, dass auch Verbraucherschützer mit hohen Summen Lobbyarbeit betreiben.

So findet sich der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (VZBV) auf Rang zwei der Akteure mit den höchsten finanziellen Aufwendungen – nur knapp hinter dem GDV. Der Verband ist gesetzlich und satzungsgemäß mit der Interessenvertretung von Verbrauchern gegenüber Politik und Verwaltung betraut.

12,73 Millionen Euro weist der VZBV im Jahr 2024 dafür im Lobbyregister aus. Als „Vollzeitäquivalent der im Bereich der Interessenvertretung beschäftigten Personen“ werden knapp 82 Personen gezählt.

Neben den Lobbyisten aus der Finanzbranche finden sich im Lobbyregister auch zahlreiche branchenfremde Akteure, die vereinzelt zum Thema Versicherung Lobbyarbeit leisten. Dazu zählen zum Beispiel:

  • der Verband der Automobilindustrie,
  • der Verband der Chemischen Industrie e.V. (Gesamtausgaben 2024: 9,15 Millionen Euro),
  • der Wirtschaftsrat der CDU e.V. (5,32 Millionen Euro) und
  • der Deutsche Bauernverband e.V. (4,93 Millionen Euro).

Die finanzstärksten Lobbyisten der Finanzbranche

In ihrer Studie nennt die Bürgerbewegung die Top Ten der Finanzbranche nach Lobbyausgaben für 2024. Nach dem GDV folgt der Bundesverband deutscher Banken e.V. auf Rang zwei mit einem Budget von 5,06 Millionen Euro. Auf dem dritten Platz liegt der Deutsche Sparkassen- und Giroverband e.V. mit 3,07 Millionen Euro.

Auf Rang vier folgt der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V. (BVR) mit 2,84 Millionen Euro Lobbyausgaben. Dahinter platzieren sich der Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands e.V. (VÖB) mit 2,56 Millionen Euro und der Bundesverband Investment und Asset Management e.V. auf Rang sechs mit 2,54 Millionen Euro.

Top Ten der Finnazlobby (Bild: Finanzwende)
Top Ten der Finnazlobby (Bild: Finanzwende)

Versicherer splitten Lobbyausgaben über Mutter- und Tochterunternehmen

Der Verein Finanzwende weist darauf hin, dass nicht immer transparent nachvollziehbar sei, wie viel Geld einzelne Versicherer für Lobbyarbeit ausgeben. Denn die Konzerne weisen Mutter- und Tochtergesellschaften im Lobbyregister getrennt aus – regelkonform, aber für Außenstehende schwer nachvollziehbar.

Der Bericht des Vereins nennt die Allianz als Beispiel: Im Lobbyregister sind für das Unternehmen insgesamt neun Einträge verzeichnet. Addiert man die Aufwendungen der einzelnen Gesellschaften, errechnet der Verein Lobbyausgaben von 3,32 Millionen Euro – damit würde der Allianz-Konzern nach dieser Berechnung auf Rang drei der finanziell stärksten Lobbyakteure kommen:

Verbände der Krankenkassen ebenfalls mit Millionenausgaben

Auf Ebene der einzelnen Gesellschaften ist die R+V Versicherung AG mit 1,61 Millionen Euro Lobbyausgaben der stärkste Akteur. Weitere Unternehmen des R+V-Konzerns tauchen im Lobbyregister nicht auf.

Die Interessenverbände der Krankenkassen geben ebenfalls Millionenbeträge für Lobbyarbeit aus. Spitzenreiter ist hier der AOK-Bundesverband GbR mit Aufwendungen von 4,39 Millionen Euro, gefolgt vom BKK Dachverband e.V. mit 1,84 Millionen Euro und dem Verband der Ersatzkassen e.V. (VDEK) mit 1,18 Millionen Euro.

Der überwältigende Teil unserer Kosten für Lobbyarbeit sind Beiträge für Verbände.

R+V Versicherung AG

Lobbyausgaben der Versicherer fließen oft den Verbänden zu

Auf Anfrage weist eine Sprecherin der R+V darauf hin, dass es bei der Betrachtung der Gesamtaufwendungen der Finanz- und Versicherungsbranche zu Ungenauigkeiten kommen kann. Die Lobbyausgaben von Versicherern und Verbänden dürften nicht einfach zusammengerechnet werden.

„Die meldepflichtigen Aufwendungen der Verbände generieren sich aus den Mitgliedsbeiträgen der Unternehmen, die in nicht unerheblichem Maße bereits Bestandteil der Einträge der Unternehmen sind. Eine bloße Addition der im Lobbyregister angegebenen Beträge führt also zu deutlich höheren Summen“, erklärt die Sprecherin.

„Der überwältigende Teil unserer Kosten für Lobbyarbeit sind Beiträge für Verbände wie den GDV, BVR, den PKV-Verband et cetera. Diese machen rund 80 Prozent der Summe aus. Der Rest fließt zum Großteil in Infrastruktur wie Büromiete und Personalausgaben“, so die Sprecherin.

Der Versicherer betont, dass er auch über die Verbandsarbeit hinaus Einfluss nehmen will. „Als zweitgrößter Versicherer auf dem deutschen Markt ist es uns wichtig, neben der Vertretung über die Verbände unsere Positionen auch selbst darlegen zu können. Dafür haben wir eine kleine Public-Affairs-Einheit mit zwei Mitarbeitenden in Berlin“, so die Sprecherin.

Interessenvertretung ist legal und legitim, aber sie muss transparent sein.

Jörg Asmussen, GDV

GDV betont Legitimität von Lobbyarbeit

Jörg Asmussen (Bild: GDV)
Jörg Asmussen (Bild: GDV)

Auch der GDV verwehrt sich auf Anfrage dagegen, Lobbyarbeit per se als negativ zu bewerten. Man vertrete die Interessen von rund 460 in Deutschland tätigen Versicherungsunternehmen mit jährlich knapp 240 Milliarden Euro Beitragseinnahmen und 480.000 Mitarbeitern. Dass der Verband 15,29 Millionen Euro dafür im Jahr 2024 ausgegeben hat, bestätigte ein Sprecher.

„Interessenvertretung ist legal und legitim, aber sie muss transparent sein. Dafür sorgt das Lobbyregister, dessen Einführung wir von Anfang an unterstützt haben. Der GDV bündelt die politischen Interessen der in Deutschland tätigen Versicherungen“, so hatte sich bereits GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen positioniert.

Wer sich im Lobbyregister einträgt, muss zudem konkret angeben, welche Gesetze, Verordnungen oder politische Prozesse er beeinflussen will. Das Register verlangt außerdem, dass Stellungnahmen an Politik und Verwaltung hochgeladen werden.

Wer sich am häufigsten bei Gesetzesvorhaben einbrachte

Unter „konkrete Regelungsvorhaben“ versteht man dabei alle politischen Vorhaben, zu denen die Organisation offiziell Position bezieht. Das kann zum Beispiel sein: ein neues Versicherungs- oder Finanzgesetz, eine Reform der Altersvorsorge oder Änderungen bei Verbraucherschutzregelungen.

Am aktivsten aus Sicht der Versicherungsbranche war bei der Mitwirkung an Gesetzen und Verordnungen die Aba Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung e.V. Im Jahr 2024 meldete sie 107 konkrete Regelungsvorhaben und brachte 13 Stellungnahmen beziehungsweise Gutachten ein.

Dahinter folgt der GDV, der 97 Regelungsvorgaben meldete und 136 Stellungnahmen und Gutachten einreichte. Der Verband der Privaten Krankenversicherung e.V. folgt mit 43 Regelungsvorhaben und 35 Stellungnahmen beziehungsweise Gutachten. Doch auch der Verbraucherzentrale Bundesverband war mit 110 Vorgaben und 139 Stellungnahmen/Gutachten stark vertreten.

 
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