So viele Lebensversicherer rechnen mit einem Stellenabbau

23.2.2026 – Die Zahl der deutschen Versicherungsunternehmen, die ihre Belegschaft aufstocken wollen, ist laut DIHK-Konjunkturumfrage gegenüber dem Vorjahr deutlich zurückgegangen. Besonders auffällig ist die Situation in der Lebensversicherung: Ein Drittel der Unternehmen gibt an, dass die Zahl der Stellen innerhalb der nächsten zwölf Monate abnehmen werde.

Die Beschäftigungsabsichten in der Versicherungswirtschaft haben sich deutlich eingetrübt, wie die Konjunkturumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) zum Jahresbeginn 2026 zeigt. Demnach hat sich der Saldo der Branche innerhalb eines Jahres von 34 auf 5 deutlich abgeschwächt.

Trotz des Rückgangs überwiegt nach wie vor der Anteil der befragten Entscheider, die mit einer steigenden Zahl an Mitarbeitern in ihrem Unternehmen rechnen:

  • 18 Prozent gehen davon aus, dass ihre Belegschaft in den kommenden zwölf Monaten zunehmen wird,
  • 13 Prozent rechnen mit einem Rückgang von Stellen und
  • 69 Prozent erwarten keine Veränderungen.

Jeder dritte Lebensversicherer tendiert zu Stellenabbau

Bei den Lebensversicherern zeichnet sich ein klarer Rückgang der Beschäftigungsabsichten ab. Laut Umfrage gehen 30 Prozent der Unternehmen davon aus, dass sich die Zahl der Stellen binnen Jahresfrist reduziert. 14 Prozent erwarten Neueinstellungen und 56 Prozent eine konstante Mitarbeiterzahl.

Der Saldo in der Lebensversicherung brach ein: von 48 Punkten im ersten Quartal 2025 auf nun -16 Punkte. Das ist der schlechteste Wert seit dem Herbst 2018.

Konjunkturumfrage DIHK (Bild: Meyer)

Anders gestaltet sich die Situation in der Schaden- und Unfallversicherung. Hier planen 23 Prozent der Unternehmen, die Mitarbeiterzahl zu erhöhen, während nur acht Prozent Stellen reduzieren wollen. Der Saldo stieg leicht binnen Jahresfrist von 14 auf 15 Punkte.

Phase der Konsolidierung in der Versicherungswirtschaft

Sebastian Hopfner (Bild: AGV)
Sebastian Hopfner (Bild: AGV)

Dr. Sebastian Hopfner, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands der Versicherungsunternehmen in Deutschland e.V. (AGV), sieht jedoch keine Anzeichen dafür, dass die Versicherer großflächig Stellen abbauen könnten.

„Die Beschäftigungssituation in der Branche ist nach Jahren des kräftigen Anbaus von Personal nunmehr in eine Phase der Konsolidierung gewechselt. Es gibt Veränderungen in einzelnen Unternehmen, die moderat Personal abbauen. Es gibt jedoch derzeit keinen allgemeingültigen branchenübergreifenden Trend“, sagt Hopfner dem VersicherungsJournal.

Der Bedarf an Fachkräften sei weiterhin hoch, insbesondere im IT-Bereich, so der Manager. Zwar sei die Zahl der Bewerbungen auf einzelne Stellen in den vergangenen Monaten leicht gestiegen, dennoch blieben viele Positionen derzeit weiterhin unbesetzt.

Lebensversicherung in Phase des Umbruchs

Auf den starken Einbruch in der Lebensversicherung angesprochen, erklärt Hopfner, dass spartenbezogene Unterschiede in der Beschäftigung nichts Ungewöhnliches seien. Zum einen seien Branche und Sparten konjunkturabhängig. Zum anderen lasse sich die Digitalisierung in manchen Bereichen leichter umsetzen als in anderen. Der Verbandsfunktionär erklärt:

„Das Lebensversicherungsgeschäft befindet sich aktuell in einer Phase des Umbruchs aufgrund geänderter Rahmenbedingungen und auch eines geänderten Kundenverhaltens. Es gibt aber auch Lebensversicherer mit sehr positiven Zahlen. Wir sehen das Geschäftsmodell weiterhin als zukunftsfähig an, zumal die Branche immer wieder bewiesen hat, innovationsfähig zu sein.“

Die Lebensversicherung gerät unter anderem durch die demografische Entwicklung und regulatorische Anforderungen unter Druck. Die Gesellschaft altert, wodurch auch die potenzielle Zielgruppe schrumpft. So sank die Zahl der Leben-Verträge im Jahr 2025 nach vorläufigen Zahlen um 1,7 Prozent auf 78,9 Millionen, nachdem sie bereits in den Jahren zuvor rückläufig gewesen war (VersicherungsJournal 4.2.2026).

Schlagwörter zu diesem Artikel
Demografie · Diebstahl · Digitalisierung · Lebensversicherung · Marktforschung · Personal · Stellenabbau · Zielgruppe
 
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