Wohngebäudeversicherung wieder in die Verlustzone abgerutscht

30.1.2019 – Die Beitragseinnahmen in der Kompositversicherung sind 2018 um über drei Prozent auf fast 71 Milliarden gestiegen. Dies gab der GDV am Dienstag auf Basis vorläufiger Zahlen bekannt. Der Bereich Schaden/Unfall blieb mit einer Combined Ratio von voraussichtlich 96 Prozent in der Versicherungs-technischen Gewinnzone. Die Wohngebäudeversicherung rutschte wieder in die Verlustzone ab. Dort befinden sich weiterhin auch die Flottenversicherung sowie der Bereich „Sach Industrie/ Gewerbe/ Landwirtschaft“. In Rechtsschutz setzte sich der Aufwärtstrend fort.

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Die im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) zusammengeschlossen Kompositversicherer haben 2018 die Beitragseinnahmen um voraussichtlich über drei Prozent auf etwa 70,6 Milliarden Euro ausgebaut.

Die Steigerungsrate entspricht damit in etwa der sechs vorangegangenen Jahre (VersicherungsJournal 31.1.2018, 18.9.2017). Dies teilte der GDV am Dienstag im Rahmen der Jahrespressekonferenz der deutschen Versicherer mit.

Vorläufige Zahlen

Bei den Zahlen für 2018 handelt es sich um Hochrechnungen auf Basis des dritten Quartals (Stand 23. November 2018). Das heißt, dass noch Abweichungen nach oben oder auch nach unten möglich sind. Dies hatte sich vor allem vor zwei Jahren gezeigt:

Ende Januar hatte der GDV in Wohngebäude zunächst von einer Combined Ratio (nach Abwicklung, in Relation zu den verdienten Bruttobeiträgen im inländischen Direktgeschäft) von voraussichtlich 101 Prozent berichtet (VersicherungsJournal 27.1.2017).

Mitte März hatte der Versichererverband den Wert auf etwa 97 Prozent nach unten korrigiert (VersicherungsJournal 15.3.2017). Im Herbst wurde dann eine endgültige kombinierte Schaden-Kosten-Quote von nur 96,0 Prozent vermeldet (VersicherungsJournal 6.11.2017).

Schaden-/Unfallversicherung bleibt in Gewinnzone

Die Versicherungsleistungen (Aufwand für Geschäftsjahresschäden inklusive Schadenregulierungs-Kosten und Rückstellungen) erhöhten sich im vergangenen Jahr um voraussichtlich 6,8 Prozent auf rund 53,5 Milliarden Euro.

Da die Aufwendungen in etwa doppelt so stark gestiegen sind wie die Beiträge, rechnet der GDV für 2018 mit einem von 3,4 auf 2,6 Milliarden Euro reduzierten Gewinn in dem Versicherungszweig. In der Folge dürfte sich auch die Combined Ratio um etwa drei Prozentpunkte auf 96 Prozent verschlechtern, erwartet der Versichererverband.

Für den GDV-Präsidenten Dr. Wolfgang Weiler war 2018 damit „ein gerade noch zufriedenstellendes Jahr für die Schaden- und Unfallversicherer“, sagte er im Rahmen der Jahrespressekonferenz (VersicherungsJournal 29.1.2019).

Wohngebäude rutscht wieder tief in die roten Zahlen

Ein Blick auf die einzelnen Komposit-Versicherungssparten zeigt wenig überraschend eine große Spannbreite bei den versicherungs-technischen Ergebnissen. „Sorgenkind“ bleibt insbesondere der Zweig „Sach Industrie/ Gewerbe/ Landwirtschaft“.

Hier trieben mehrere Feuergroßschäden mit Aufwendungen im jeweils dreistelligen Millionenbereich sowie Sturmereignisse die Aufwendungen um fast ein Drittel auf 6,6 Milliarden Euro. In der Folge stieg die kombinierte Schaden-Kosten-Quote um etwa 20 Prozentpunkte auf 117 Prozent.

Aufgrund der schweren Sturmereignisse (VersicherungsJournal 7.1.2019) rutschte auch die Wohngebäudeversicherung wieder tief ins Minus. Die Versicherungsleistungen nahmen um ein Fünftel auf 6,3 Milliarden Euro zu. Die Beitragseinnahmen erhöhten sich „nur“ um 6,5 Prozent auf 7,7 Milliarden Euro.

Deshalb erwartet der Versichererverband für 2018 eine Combined Ratio von 108 Prozent, das sind rund zehn Prozentpunkte mehr als in den beiden Jahren zuvor (VersicherungsJournal 30.10.2018). Allerdings lag die kombinierte Schaden-Kosten-Quote in diesem Jahrtausend schon einige Male auf deutlich höherem Niveau. 2007 und 2013 waren es jeweils mehr als 130 Prozent – und 2002 sogar über 140 Prozent.

Combined Ratio Wohngebäudeversicherung (Bild: Wichert)

Flottengeschäft bleibt in der Verlustzone

Kleine Fortschritte haben die Versicherer in der Kraftfahrt-Flottenversicherung gemacht. In diesem Bereich erhöhte sich das Prämienvolumen mit 4,5 Prozent (auf 3,8 Milliarden Euro) etwas stärker als die Leistungen (plus vier Prozent auf 3,5 Milliarden Euro).

In der Folge rechnet der GDV mit Verlusten von vier (Vorjahr fünf) Cent pro Beitragseuro für das vergangenen Jahr. Für das Flottensegment wird schon seit mehr als einer Dekade durchgängig eine Combined Ratio von zum Teil deutlich über 100 Prozent ausgewiesen. 2010 waren es sogar über 117 Prozent. Zuletzt ist allerdings eine leichte Verbesserung zu beobachten.

Combined Ratio Kfz-Flotten 2018 (Bild: Wichert)

Für die Kraftfahrtversicherung rechnet der GDV mit etwa 700 (2017: 500) Millionen Euro versicherungs-technischem Gewinn und einer Combined Ratio von unverändert etwa 98 Prozent. Für den Bereich Vollkasko wird ein minimal höherer Wert erwartet, für die Teilkasko eine Quote von deutlich unter 90 Prozent.

Steigende Gewinne in Rechtsschutz

In der Rechtsschutz-Versicherung setzte sich der Aufwärtstrend der Prognose des Versichererverbandes zufolge fort. Hier stiegen die Prämien mit voraussichtlich vier Prozent (auf 4,1 Milliarden Euro) doppelt so stark wie die Leistungen (plus zwei Prozent auf 2,8 Milliarden). Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote vermindert sich um weitere zwei Prozentpunkte auf rund 96 Prozent.

Combined Ratio Schaden-/Unfallversicherung 2018 (Bild: Wichert)

Zu den profitabelsten Kompositsparten gehören neben der Kredit-, Kautions- und Vertrauensschaden-Versicherung weiterhin die Hausrat- sowie die private Unfallversicherung. Der Versichererverband geht hier von Gewinnen von zwischen 35 und 20 Cent pro Beitragseuro aus. In der technischen beziehungsweise der allgemeinen Haftpflichtversicherung erwartet der GDV kombinierte Schaden-Kosten-Quoten zwischen 85 und 92 Prozent.

 
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