WERBUNG

Wer hat eigentlich eine Riester-Rente abgeschlossen?

18.11.2020 – Fast elf Millionen Personen gehörten im Beitragsjahr 2017 zu den staatlich geförderten Riester-Sparern. Dies entspricht einem Anteil von knapp zwei Dritteln an den Individuen mit einem Riester-Vertrag zum Jahresende 2017. Ziemlich genau jeder dritte Zulageempfänger verdiente brutto weniger als 20.000 Euro. Dies geht aus jüngst vom Bundesfinanzministerium veröffentlichten Zahlen hervor.

Im Beitragsjahr 2017 erhielten 10.958.751 (2016: 11.043.250) Riester-Sparer eine staatliche Förderung. Dies geht aus am Dienstag vom Bundesministerium der Finanzen (BMF) vorgelegten Zahlen zur Riester-Zulagenförderungen hervor (Stand: Zahltag 15. Mai 2020).

Etwa jedes 85. (2016: 100.) geförderte Individuum bekam ausschließlich eine Steuerentlastung. Die absolute Mehrheit von 56,7 (58,0) Prozent erhielt nur Zulagen von der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA). 40,5 (40,9) Prozent bekamen Zulagen und Steuerentlastung.

Methodische Hinweise

Aktuellere Zahlen liegen zwar vor, sind aber unter anderem wegen des zweijährigen Zeitraums, in dem eine Zulagenförderung beantragt werden kann, mit großen statistischen Unsicherheiten behaftet. So rechnet das Ministerium bei den Daten zu den Zulagen für die Beitragsjahre 2018 und 2019 mit noch „maßgeblichen“ Veränderungen des bis jetzt vorliegenden Datenmaterials.

„Schwerpunkt der Statistik zum Auswertungsstichtag 15. Mai 2020 ist das Beitragsjahr 2017. Die Ergebnisse zu den Zulagen sind hierfür nahezu vollständig (Ende der Antragsfrist: 31. Dezember 2019) und die Standard-Überprüfungsverfahren für dieses Berichtsjahr abgeschlossen“, heißt es auf der Internetseite des Ministeriums.

„Die Ergebnisse zur über Zulageanspruch hinausgehende Steuerentlastung durch Sonderausgabenabzug [sind] wegen des Zeitraumes der Festsetzungsverjährung von vier Jahren teilweise noch vorläufig“, erläutert das BMF weiter.

Zudem musste das Bundesfinanzministerium die für das Beitragsjahr 2016 gemeldeten Ergebnisse (VersicherungsJournal 25.11.2019) teilweise korrigieren. Dies wird damit begründet, dass Überprüfungsverfahren zwischen dem 15. Mai 2019 und dem 15. Mai 2020 bezüglich der Zulageberechtigung (insbesondere der Kinderzulage) teilweise dazu geführt hätten, dass sich die Ergebnisse auch für frühere Beitragsjahre noch verändert hätten.

Mehr als jeder Dritte erhielt 2017 keine Zulage

Setzt man die Zahl der geförderten Personen in Relation zur der vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) veröffentlichten Zahl der insgesamt abgeschlossenen Riester-Verträge von 16,607 Millionen (Stichtag: 31. Dezember 2017), so ergibt sich eine Quote von hauchdünn unter 66 Prozent. Zum Vergleich: 2011 waren es noch über 70 Prozent, 2008 sogar noch über 75 Prozent.

Anteile Sparer mit Zulage (Bild: Wichert)

Dies bedeutet andersherum betrachtet aber auch, dass 2017 mehr als jeder dritte Riester-Sparer keine staatliche Förderung erhielt. Eine Verteilung auf die einzelnen Riester-Varianten bietet die BMF-Statistik nicht. Auch zu den Ursachen finden sich in dem Zahlenmaterial keine Angaben.

So bleibt offen, ob der vergleichsweise hohe Anteil der Riester-Sparer ohne staatliche Förderung auf eine Ruhendstellung zurückzuführen ist (also ohne Beitragsleistung in der Ansparphase – das BMAS schätzte den Anteil seit Jahren auf ein gutes Fünftel). Mögliche Gründe sind unter anderen auch nicht gestellte (Dauer-) Zulageanträge oder keine Zulageberechtigung.

Deutliche Abnahme im Osten

Dafür zeigen die Zahlen aus dem Finanzministerium, dass im Berichtsjahr mit 57,0 (2016: 56,8) Prozent weit mehr als die Hälfte der Zulagenempfänger Frauen waren. Mit 18,7 (18,9) Prozent stammte nicht gut jede sechste geförderte Person aus den neuen Bundesländern (inklusive Berlin).

Während bei der Geschlechterverteilung trotz der aktuellen Verschiebung im Vergleich zu 2010 keine größeren Veränderungen zu beobachten sind, hat der Anteil der geförderten Personen aus dem Osten deutlich abgenommen. Seinerzeit stammte noch fast jeder Vierte aus den neuen Ländern.

Ein Drittel verdient brutto weniger als 20.000 Euro

Das BMF-Datenmaterial gibt auch über die Einkommenshöhe der Geförderten Aufschluss. In diesem Zusammenhang wurde von Verbraucherschützern und in den Medien häufig behauptet, dass insbesondere Geringverdiener nicht die Riester-Rente abschließen würden (Medienspiegel 11.4.2017, Medienspiegel 30.11.2016, 11.4.2016).

Dem Zahlenwerk des Finanzministeriums zufolge erzielte 2017 jede dritte geförderte Person „maßgebliche Jahreseinnahmen“ (§ 86 EStG) von unter 20.000 Euro (ohne mittelbar Berechtigte und Individuen, die nur den Sonderausgabenabzug geltend gemacht haben oder bei denen die Zulagenberechtigung ungeklärt ist).

Allerdings ist hier im Zeitverlauf eine deutlich rückläufige Entwicklung zu beobachten. So lag der Anteil sieben Jahre zuvor noch bei fast der Hälfte. 2008 traf dies sogar noch auf mehr als jeden Zweiten zu.

Dies ist vor allem auf einen rückläufigen Anteil der Gruppe mit unter 10.000 Euro Jahreseinkommen zurückzuführen. Dieser hat von 31,3 Prozent (2008) über 26,2 Prozent (2010) und 18,6 Prozent (2015) auf zuletzt nur noch 16,4 Prozent abgenommen. Mit lediglich etwa 1,7 (2016: 1,8) Millionen Personen gehört diese Einkommensgruppe nur noch gerade eben zu den am stärksten besetzten. Sie besteht aber weiterhin überwiegend aus Frauen (vier Fünftel Anteil).

Deutlich mehr Männer als Frauen in den höheren Einkommensklassen

Wenig überraschend – aufgrund der Erwerbsbiographien der Geschlechter – kehrt sich die Verteilung mit zunehmendem Einkommen um. In der Einkommensklasse zwischen 30.000 und unter 40.000 Euro sind erstmals mehr Männer als Frauen vertreten.

In der Gruppe ab 50.000 bis unter 60.000 Euro ist der Anteil der Männer sogar in etwa zwei Mal so groß wie derjenige der Frauen. In der nach oben offenen Einkommensklasse ab 70.000 Euro fällt er dann gar rund fünfeinhalb Mal so groß aus.

Steigender Anteil der Gruppe ab 40.000 Euro Jahreseinkommen

Auf lange Sicht zwar steigend, ist der Anteil der Zulageempfänger mit Jahreseinkommen zwischen 20.000 und unter 40.000 Euro zuletzt leicht auf 35,4 Prozent gesunken. Deutlich zugenommen hat der Anteil der Zulagenempfänger mit über 40.000 Euro Jahreseinkommen: 2008 war es etwa jeder Sechste, 2010 bereits fast jeder Fünfte und 2015 bereits weit mehr als jeder Vierte. Mittlerweile beträgt der Anteil fast ein Drittel.

Einkommensklassen (Bild: Wichert)

Ein Grund für diese Entwicklung dürfte die allgemeine Lohnentwicklung sein. Zwischen 2008 und 2017 gab es beim Durchschnittsentgelt in den alten Bundesländern ein Plus von insgesamt über einem Fünftel. In den neuen Ländern ging es sogar um über ein Viertel aufwärts.

In konkreten Zahlen: Arbeitnehmer im Westen mit einem Arbeitsentgelt im Jahr 2008 von 16.600 Euro hatten im Jahr 2017 statistisch gesehen die Marke von 20.000 Euro durchstoßen. Wer 2008 im Osten einen Bruttolohn von 31.700 Euro erzielte, der lag 2017 rein rechnerisch über der Schwelle von 40.000 Euro.

Riester-Reform ante portas?

Die zunächst sehr dynamische Entwicklung bei den Riester-Verträgen hat sich im Laufe der Jahre immer weiter abgeschwächt. 2018 und 2019 ist der Bestand sogar geschrumpft (15.4.2020).

Die Gründe hierfür sind genauso vielfältig, wie die Bestrebungen für eine Reform der staatlich geförderten Vorsorge (19.6.2020, 21.7.2020). Diskussionen darüber werden derzeit auf höchster politischer Ebene geführt (Medienspiegel 24.9.2020, Medienspiegel 30.9.2020, 11.11.2020).

Leserbriefe zum Artikel:

Nils Fischer - Jährlich prüfen und nachberaten . mehr ...

Jürgen Roth - Gut gemeint und am Ende dann doch schlecht gemacht. mehr ...

Schlagwörter zu diesem Artikel
Beitragsrückerstattung · Einkommensteuer · Rente · Riester · Verbraucherschutz
 
WERBUNG
WERBUNG
Kfz-Wechselsaison unter neuen Vorzeichen

Zum Jahreswechsel 2020/21 wird es in der Kraftfahrt-Sparte turbulent zugehen.
Der Wettbewerb hat sich verschärft, zugleich jedoch tun sich neue Abschlusschancen auf. Über die Marktlage berichtet ein neues Dossier.

WERBUNG
VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
WERBUNG
Inserieren im Anzeigenmarkt

Das VersicherungsJournal ist eines der meistgelesenen Medien in der Branche, siehe Abrufzahlen.

So finden Sie zielsicher Ihre neuen Mitarbeiter, Arbeitgeber oder Geschäftspartner. Nutzen Sie die schnelle und direkte Zielgruppenansprache zu günstigen Konditionen. Gesuche werden kostenlos veröffentlicht.

Erteilen Sie hier Ihren Anzeigenauftrag für Angebote und Verschiedenes oder Gesuche, oder lassen sich persönlich beraten!

Beachten Sie auch die Seite Aktuelles für Stellenanbieter.

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Werbung im Vermittlerbüro

WettbewerbsrechtMan muss mehrere Gesetzesbücher wälzen, um etwas über das Wettbewerbsrecht zu erfahren. Einfacher macht es ein Praktikerhandbuch des VersicherungsJournals.

Interessiert? Dann klicken Sie hier!

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
18.10.2016 – Das für Versicherungen zuständige Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale Hamburg berichtet von Hinweisen, dass Lebensversicherer teure Altverträge loswerden wollen. Konkreter Aufhänger ist ein Kundenschreiben der Neuen Leben. Der Versicherer weist die Vorwürfe zurück. mehr ...
 
4.3.2020 – Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) plädiert schon seit längerem anstelle der staatlich geförderten Riester-Rente für eine staatlich organisierten Extrarente. Die Forderung wird jetzt mit einem Gutachten untermauert. (Bild: Gert Baumbach) mehr ...
 
25.11.2019 – Eine aktuelle Statistik aus dem Finanzministerium räumt mit dem immer noch weit verbreiteten Vorurteil auf, die Riester-Rente werde nicht von Geringverdienern abgeschlossen. Die Zahlen geben auch Aufschluss darüber, wie viele Personen staatlich gefördert werden. (Bild: Wichert) mehr ...
 
25.11.2019 – Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert eine grundlegende Reform der Altersvorsorge und den Wechsel zur „Extrarente“. Eine beim ZEW in Auftrag gegebene Studie soll die Tragfähigkeit einer Aktienanlage belegen. (Bild: VZBV) mehr ...
 
27.2.2019 – Sieben Mal Neues in der Lebensversicherung: die Bayerische, die Signal Iduna, die Stuttgarter, die VKB, die Württembergische und die Zurich bringen neue Tarife oder Erweiterungen. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
15.11.2018 – BDVM-Vorstand Oliver Fellmann sieht die Sparte Leben am Scheideweg. Wo die Gesellschaften ihre Strategie korrigieren müssen und welche Faktoren ein gutes Kundengespräch heute ausmachen, erklärt der Makler im Interview des VersicherungsJournal-Extrablatts. (Bild: Schmidt-Kasparek) mehr ...
 
26.10.2018 – Die Zukunft der betrieblichen Altersversorge stand auf einer Fachtagung zur Diskussion. Die Einschätzungen sind sehr gegensätzlich, vor allem wenn es um die alte und die neue Welt geht. (Bild: Schmidt-Kasparek) mehr ...
 
16.10.2018 – Der Absatz der staatlich geförderten Vorsorge ist kräftig ins Stocken geraten. Bei den Versicherern ist der Bestand sogar schon länger rückläufig – nur die Eigenheimrenten wachsen nennenswert. Dies hat in der Leserschaft sehr unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. (Bild: Brüss) mehr ...
WERBUNG