Versicherer setzt höheren Auto-Restwert nach Totalschaden an

26.3.2020 – Hat ein Fahrzeug bei einem Unfall einen Totalschaden erlitten, so darf der Geschädigte sein Fahrzeug in der Regel zeitnah zu dem in einem Gutachten genannten Restwert veräußern. Es besteht keine Verpflichtung, zuvor ein Restwertangebot des Versicherers des Unfallverursachers abzuwarten. Die entschied das Landgericht Konstanz in einem Urteil vom 5. Februar 2019 (2 O 43/18).

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Nach einem Bericht des Deutschen Anwaltverein e.V. war der Kläger mit seinem Personenkraftwagen unverschuldet in einen Unfall verwickelt worden. Ein von ihm beauftragter öffentlich vereidigter Sachverständigen stellte fest, dass das Auto einen Totalschaden erlitten hatte. Der Geschädigte veräußerte es daher zu dem in dem Gutachten genannten Restwert von 4.750 Euro.

Höheres Restwertangebot bei Regulierung herangezogen

Kurze Zeit später übermittelte ihm der Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherer des Unfallverursachers ein Restwertangebot. Diesen zufolge wäre für das Fahrzeug außerhalb des regionalen Marktes 6.100 Euro zu erzielen gewesen. Diesen Betrag berücksichtige der Versicherer bei der Regulierung des Schadens.

Zu Unrecht, urteilte das daraufhin von dem Geschädigten angerufene Konstanzer Landgericht. Es gab seiner Klage gegen den Versicherer auf Zahlung des Differenzbetrages in vollem Umfang statt.

Restwertangaben eines anerkannten Sachverständigen

Nach Meinung des Gerichts darf der Versicherer das höhere Restwertangebot nicht auf den Schadenersatzanspruch des Klägers anrechnen. Denn der von ihm beauftragte Gutachter habe, um den Restwert zu ermitteln, wie üblich drei maßgebliche regionale Angebote eingeholt.

Zu dem so ermittelten Betrag habe der Kläger sein bei dem Unfall beschädigtes Fahrzeug verkaufen dürfen. Auf die Restwertangaben eines anerkannten Sachverständigen dürfe ein Geschädigter nämlich grundsätzlich vertrauen.

Verkaufsentscheidung obliegt dem Unfallgeschädigten

Es bestehe auch keine Verpflichtung, vor dem Veräußern eines beschädigten Fahrzeugs auf ein möglicherweise höheres Restwertangebot des gegnerischen Versicherers zu warten. Denn die Entscheidung, ob und zu welchem Zeitpunkt ein Unfallgeschädigter sein Auto verkaufe, obliege ausschließlich ihm.

Dieser Grundsatz werde gegebenenfalls nur dann nicht angewendet, wenn der Versicherer dem Geschädigten bereits vor dem Verkauf ein höheres Angebot gemacht habe. Das sei in der entschiedenen Sache jedoch nicht der Fall gewesen.

Vergleichbare Urteile

Das Kammergericht Berlin war im August 2015 in einem ähnlichen Fall zu einer vergleichbaren Einschätzung wie das Konstanzer Landgericht gelangt (VersicherungsJournal 31.8.2015).

Der Bundesgerichtshof hatte gut ein Jahr später ebenfalls einem Geschädigten Recht gegeben. Dieser hatte sein Fahrzeug, bevor ihm ein Restwertangebot des gegnerischen Versicherers vorlag, zu dem von dem ihm beauftragten Sachverständigen ermittelten Preis verkauft hatte (3.3.2017).

Schlagwörter zu diesem Artikel
Haftpflichtversicherung · Regulierung · Schadenersatz · Verkauf
 
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