Studie: „Die Riester-Rente liefert gute Renditen“

4.7.2019 – Die Riester-Rente erfüllt ihren politischen Auftrag: Sie spricht die richtige Klientel an und bringt trotz niedriger Zinsen Rendite. Dies ist der Tenor einer Auswertung des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung. Dennoch mahnen die Wissenschaftler Reformen wie Beitrags-Flexibilisierung und die Abschaffung der Zwei-Klassen-Förderung an. Die Forderungen sind nicht neu, unterstreichen aber die gewünschte Richtung.

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Hinsichtlich der Rentabilität, der Marktdurchdringung, der Kundengruppen, die sie erreichen sollte, sowie ihrer Verbreitung sei die Riester-Rente ein Erfolg. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie, die die Fondsgesellschaft DWS-Group gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Altersvorsorge GmbH (DIA) in Auftrag gegeben hat.

Die Studie trägt den Titel „Die Riester-Rente: ‚Abwracken‘ oder ‚Aufrüsten‘? – Evolution der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge – Möglichkeiten und Chancen“ und steht zum Download zur Verfügung (PDF, 1,4 MB).

Wissenschaftler des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung GmbH (IVFP) haben hier Reformvorschläge zur Verbesserung der Riester-Rente untersucht. Zusätzlich legten sie empirische Ergebnisse zur Verbreitung und Rentabilität von Riester-Verträgen vor.

Riester-Bestand schrumpft

Aktuell existierten mehr als 16,5 Millionen Riester-Verträge, was die Bedeutung dieser Form der Altersvorsorge hervorhebe. „Nachweislich hat die Riester-Rente das Bewusstsein in der Bevölkerung gestärkt, dass eine zusätzliche private Vorsorge unabdingbar ist“, schreiben die Autoren in den Studienunterlagen.

Die Zahlen zeigten jedoch auch, dass der Bestand an Riester-Verträgen im vergangenen Jahr erstmals rückläufig war. Die Policenzahl schrumpfte um 10.000 auf 16,597 Millionen (VersicherungsJournal 23.4.2019). In den Vorjahren waren die Bestände auf Zwölfmonatssicht noch gewachsen, jedoch von Jahr zu Jahr weniger (VersicherungsJournal 10.4.2018, 3.4.2017, 12.4.2016).

In der aktuellen Produkthitparade des unabhängigen Vertriebs ging es für die Riester-Vorsorge von Platz 26 auf Rang 28 abwärts (VersicherungsJournal 6.6.2019).

Entwicklung der Riester-Rente (Bild: IVFP)
Entwicklung der Riester-Rente, Stand: März 2019; Quelle: BMAS 2019, Berechnungen des IVFP. Zum Vergrößern Bild klicken (Bild: IVFP)

Produkt liefert gute Renditen

Die Wissenschaftler kommen dennoch zu dem Ergebnis, dass die Riester-Rente alle Bevölkerungsgruppen, insbesondere niedrige und mittlere Einkommensgruppen, erreicht. Frauen würden sogar überproportional angesprochen.

„Die Riester-Rente liefert gute Renditen und ist weiter verbreitet als andere Vorsorgeformen“, sagte Professor Michael Hauer, Geschäftsführer des IVFP, bei der Präsentation der Studie am Mittwoch in Berlin.

Aus der anonymisierten Auswertung von rund 23.500 Verträgen errechnet das IVFP jährlich den Riester-Rendite-Index. Dieser ergibt für das Jahr 2018 eine Rendite von 3,4 Prozent nach Kosten und Steuern.

Sinnvolle Reformen stehen an

Außerdem errechneten die Forscher, dass die Netto-Rentenleistung nach Steuern die Netto-Einzahlungen im Alter von 78 Jahren übersteigt. Im Kollektiv der untersuchten Verträge erreichen die Riester-Rentenempfänger nach etwa 14 Jahren die Gewinnzone. Aufgrund einer unterstellten Lebenserwartung von 86 Jahren folgen nach Angaben des IVFP dann durchschnittlich acht weitere Jahre Rentenbezug.

„Statt mit neuen Instrumenten, die die Altersvorsorge-Landschaft in Deutschland noch komplexer machen, gilt es jetzt die Riester-Rente sinnvoll zu reformieren“, erklärte Hauer weiter.

Förderung der Zwei-Klassen abschaffen

Kern des Reformvorschlags der aktuellen IVFP-Studie ist die Abschaffung von unmittelbarer und mittelbarer Förderung. „Darüber hinaus wäre die Riester-Rente für über vier Millionen Selbstständige eine sinnvolle Ergänzung zu bereits bestehender Altersversorgung“, heißt es in der Studie.

„Wer in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig oder sozialversichert ist, soll förderberechtigt sein und neben den Grund- und Kinderzulagen eine Förderung von mindestens 50 Prozent auf jeden Euro Eigenleistung erhalten“, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Auswertung.

Diese würde die bisherige Steuerförderung ersetzen und fließe dann in die Verträge, statt auf das Girokonto.

Beitragsgarantie flexibilisieren

Die Studie unterstreicht damit Forderungen des DIA im Mai, die auf einer Reihe von Experteninterviews basierten. „Die Einteilung in unmittelbar, mittelbar und nicht förderfähig etwa sei für die Menschen nicht nachvollziehbar und gehöre abgeschafft“, war da ein wesentlicher Verbesserungsvorschlag (VersicherungsJournal 10.5.2019).

Des Weiteren fordern die IVFP-Wissenschaftler, dass die obligatorische Beitragsgarantie flexibilisiert wird. Die Kunden sollten die Wahlmöglichkeit haben, in chancenreichere Produkte zu investieren. Nach wie vor gäbe es aufgrund der verpflichtenden Beitragsgarantie eine viel zu geringe Tarifauswahl und -vielfalt in der Riester-Rente.

Leserbriefe zum Artikel:

Peter Schramm - Führt Neu-Interessenten an der Riester-Rente in die Irre. mehr ...

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Altersversorgung · Altersvorsorge · Lebenserwartung · Rente · Riester · Steuern
 
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