Pro und Kontra betriebliche Berufsunfähigkeits-Versicherung

22.7.2019 – Der Kommentar „BU-Versicherung: Betrieblich oft besser als privat“ hat etliche zustimmende und kritische Leserreaktionen ausgelöst. Als Knackpunkte wurden unter anderem die Portabilität beim Arbeitgeberwechsel, die Haftung des Vermittlers sowie die Auswirkungen auf die Steuerpflicht und die Altersrenten genannt.

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Franz Erich Kollroß (Bild: Foto Weber)
Franz Erich Kollroß
(Bild: Foto Weber)

Die Berufsunfähigkeits-Versicherung könne in vielen Fällen günstiger im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung (bAV) abgeschlossen werden, als eine private Absicherung.

Das hatte Franz Erich Kollroß, Altersvorsorge-Spezialist der BVUK GmbH, in einem Gastkommentar dargelegt (VersicherungsJournal 19.7.2019).

Dieser Beitrag hat ein lebhaftes Leserecho ausgelöst.

Arbeitgeberwechsel kann nachteilig sein

Versicherungsmakler Oliver Henkel findet die Argumente grundsätzlich nachvollziehbar. Er gibt in seinem Leserbrief aber zu bedenken, dass auch ein möglicher Arbeitgeberwechsel bedacht werden sollte. Die Probleme, die daraus resultieren könnten, sollten bei der Beratung dokumentiert werden.

Dr. Michael B. Merz hat solche Schwierigkeiten bereits in der Praxis erlebt. In seiner Zuschrift weist er auf ein weiteres Hindernis hin: Bei Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses könne nämlich in vielen Fällen die Berufsunfähigkeits-(BU-)Versicherung nicht privat und unabhängig von dem Sparvertrag fortgeführt werden. Auch Merz warnt vor Haftungsrisiken.

Der Versicherungs-Mathematiker und Gutachter Peter Schramm greift in seinem Kommentar zum dem Artikel ebenfalls die Unwägbarkeiten beim Ende des Arbeitsverhältnisses und die Haftungsproblematik auf. Er weist darauf hin, dass bei der bAV nicht der Versicherte, sondern der Arbeitgeber der Versicherungsnehmer ist. Deshalb komme es für den Vermittler darauf an, in dessen Interesse zu beraten. Fehlende Portabilität sei aus Arbeitgebersicht positiv, weil sie die Bindungswirkung erhöhe.

Steuerliche Auswirkungen genauer betrachten

Dietmar Neuhäuser schreibt in seinem Leserbrief, die steuerlichen Auswirkungen der privaten und der betriebliche BU-Police sollten genauer verglichen werden: „Dieser Unterschied kann je nach Laufzeit der Berufsunfähigkeits- (BU-) Rente im Leistungsfall sehr erheblich sein.“

Wenn man den Zuschuss des Arbeitgebers als günstiges Finanzierungsmittel heranziehe, müsse auch erwähnt werden, dass dieser nur einmal gezahlt werde. Fließe er in die betriebliche BU-Absicherung, fehle er beim Aufbau der Altersrente. Neuhäuser fragt sich, ob die betriebliche BU-Versicherung ein Marketinginstrument des Vertriebs ist, um die BU-Versicherungssummen aufzublähen.

Beachten müsse man auch die schwierige Situation des Arbeitnehmers während der der BU vorausgehenden Arbeitsunfähigkeit. Es stelle sich immer die Frage, ob man den Arbeitgeber mit den noch zum Teil ungeklärten Fragen im Zusammenhang mit der Umsetzung der Leistungsansprüche belasten wolle.

Ein sehr guter und interessanter Artikel.

Jens Kamphues

Sensible Gesundheitsdaten in Arbeitgeberhand

Versicherungsmaklerin Nicola Kerler gibt in ihrer Zuschrift zu bedenken, dass bei der betriebliche BU der Arbeitgeber bei Antragstellung oder im Leistungsfall äußerst sensible Gesundheitsdaten erhalte. Doch diese gingen ihn nichts an. Im Leistungsfall bei entsprechender Negativprognose könne dieses Wissen zu einer vorzeitigen krankheitsbedingten Kündigung führen.

Jens Kamphues lobt in seinem Kommentar: „Ein sehr guter und interessanter Artikel.“ Er stört sich jedoch an der Formulierung, dass „in der GKV freiwillig Versicherte mangels Arbeitgeber oder EM-Rente zudem auch seine Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung aus seinen privaten Einnahmen weiter zahlen muss.”

Das interpretiert er so, dass eine Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) unterstellt werde. Die sei aber aus den §§ 1-4 SGB VI nicht zu entnehmen. Stattdessen könnten Betroffene ohne Arbeitsvertrag oder gesetzlicher Erwerbsminderungsrente freiwillig (nach § 7 SGB VI) in die GRV einzahlen.

 
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