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Portalkunden bringen den Autoversicherern Verluste

13.2.2020 – Das Jahreswechselgeschäft 2019 war erstmals seit Jahren rückläufig. Der Preiskrieg ist weitgehend ausgeblieben, doch Grund zur Entwarnung gibt es nicht. Die Prämienzuwächse sind kleiner als die Zunahmen bei den Schäden. General Reinsurance und E+S Rückversicherung legten auf einer Fachkonferenz ihre Analysen und Prognosen vor. Zudem wurde das Thema Telematik-Tarife kräftig diskutiert.

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Autofahrer, die sich über Vergleichsportale in der Kraftfahrt-Haftpflicht versichern, sind für die Versicherer in Summe ein Verlustgeschäft.

Der Grund: „Es fehlt deutlich an Prämie, was in der Natur der Sache liegt“, sagte Marco Morawitz, der das Consulting des Rückversicherers General Reinsurance AG leitet, auf der 17. BF21-Jahrestagung Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus 2020“ in Köln. Die Ertragskraft sei um vier bis fünf Prozentpunkte schlechter – vor einigen Jahren betrug der Abstand noch acht Punkte.

Womit im Geschäft über Vermittlungsportale verdient und verloren wird

Marco Morawetz (Bild: Lier)
Marco Morawetz (Bild: Lier)

Das Storno im Portalgeschäft liegt nach Berechnungen der Gen Re im ersten Jahr doppelt so hoch wie im Nichtdirekten-Geschäft. Elemente, die die Prämie senken, kämen im Portalgeschäft öfter vor als im übrigen Bestand.

So machten der Analyse zufolge Werkstattbindung 49 Prozent im Portalgeschäft, aber nur 14 Prozent im Übrigen aus. Weitere signifikante Unterschiede gab es bei Neukunden 31 Prozent zu neun Prozent, aktueller Tarif 35 Prozent zu 16 Prozent oder auch vereinbarte Lastschrift 96 Prozent zu 79 Prozent.

Der Ergebnisanalyse des Rückversicherers zufolge machen die Versicherer im Portalgeschäft mit diesen Merkmalen Gewinne: „Tarife älter als fünf Jahre“, „Fahrzeug-Alter zwischen 20 und 30 Jahren“, „Kunde seit fünf Jahren“, der Typklasse zwölf, Zweitfahrzeugen, „zwei Sitzplätze“, monatliche Zahlungsweise sowie bis zur Schadenfreiheitsklasse SF 4.

Verlustbringer in diesem Geschäft sind Neuwagen, Beamte, als Neuwagen gekaufte Fahrzeuge, Fahrzeuge mit einem Geoscore unter 511 Punkten, die SF-Klassen 30 bis 40, Fahrer zwischen 23 und 24 Jahren, Neukunden, Versicherungsnehmer ohne Lastschrift-Zahlung sowie Fahrzeuge, bei denen der älteste Nutzer über 75 Jahre ist.

Weniger Autofahrer wechseln die Kfz-Versicherung

Morawetz berichtete, dass das Jahreswechselgeschäft mit 2,0 (2,3) Millionen Kraftfahrtzeug-Wechsel erstmals seit Jahren wieder ruhiger verlaufen sei. Der in den Schlagzeilen angekündigte „Heiße Herbst“ sei für die Branche „ganz gut ausgegangen“.

Das zeigt auch eine Umfrage der Yougov Deutschland GmbH (VersicherungsJournal 13.2.2020).

Der Rückgang lag nach der Meinung des Managers auch daran, dass bei der neu gestarteten „Allianz Direct Versicherungs-AG nicht alles so gelaufen ist, wie man sich das gedacht hat.“ So hatten sich zahlreiche Kunden über den Service beschwert (VersicherungsJournal Medienspiegel 21.1.2020, Medienspiegel 20.1.2020).

Gewinne der Autoversicherer sinken

Jonas Krotzek (Bild: Lier)
Jonas Krotzek (Bild: Lier)

Für die Branche gibt er aber keine Entwarnung, denn die Erträge sinken.

Er rechnet für 2020 beim versicherungs-technischen Gewinn nur noch mit einer „schwarzen Null“.

Zwar ließen die Umfragen zur Betragsanpassung 2020 sowie der Rückgang des Jahreswechselvolumens auf einen kleinen Anstieg der Durchschnittsbeiträge hoffen, doch dürften die Schadenbedarfe in der KH und Vollkasko weiter um jeweils zwei Prozent steigen, so Morawetz.

Leicht positiver ist Jonas Krotzek, Leiter des Zentralbereiches Deutschland bei der E+S Rückversicherung AG.

Er geht von einem Rückgang auf 0,2 (0,7) Milliarden Euro Kalenderjahresergebnis aus.

Huk-Coburg: „Telematik wirkt. Es ist ein Thema der Zukunft“

Der Marktanteil der Telematik-Tarife hat sich binnen Jahresfrist nach Zahlen der E+S auf ein Prozent der Pkw Ende 2019 verdoppelt. Mit diesen Tarifen wird seit rund zehn Jahren in verschiedensten Formen experimentiert, doch nun könnten sie endlich den Kinderschuhen entwachsen.

Jörg Rheinländer (Bild: Lier)
Jörg Rheinländer (Bild: Lier)

„Telematik wirkt. Es ist ein Thema der Zukunft. Und wenn wir es jetzt nicht machen, dann werden wir als Branche abgehängt“, sagte Dr. Jörg Rheinländer, Vorstand der Huk-Coburg-Gruppe.

Er berichtete, dass die Schadenhäufigkeit im Testbetrieb um 20 Prozent gesunken sei. Dafür hatte man zunächst 100 Kunden über 350.000 gefahrene Kilometer beobachtet. Das Fahrverhalten habe sich unter der Kontrolle geändert. „Telematik sei besser geeignet, Unfälle zu reduzieren, als das Tarifierungsmerkmal Garage.“

Ihren im letzten Frühjahr an den Markt gebrachten Telematik-Tarif (5.11.2019) hat die Huk-Coburg inzwischen 225.000 Mal verkauft. Die Lösung bedürfe allerdings der Mitarbeit des Kunden, betonte Rheinländer verschiedene Male. So komme es beispielsweise vor, dass die Technik vom Kunden geordert, aber letztlich nicht angewandt wird. Auch spielten die Kunden nicht immer alle Updates auf ihre Smartphones.

Wie mit dem Fahrverhalten gerechnet wird

Einwände, dass sich die Rabattierungen auf diesen Tarif nicht rechnen könnten, widersprach er mit: „Wir haben viel windfall profits. Denn so kommen wir nun täglich mit den Kunden in Kontakt. Diesen Kundenkontakt müssen wir auch noch lernen, aber das ist investiertes Geld in die Versicherung zum Anfassen.“

Die E+S hat einen eigenen Telematikansatz erstellt, der weniger auf das Fahrverhalten als vielmehr auf Faktoren wie Tageszeit, Verkehrsaufkommen, Gelände, Ausstattung des Fahrzeugs sowie die Nutzung eines Handies abstellt. „Eine Reihe von Gesellschaften testen dies mit uns und einige Zedenten planen den Produktlaunch für 2020“, sagte Krotzek.

Morawetz meint, dass sich Rabatte von bis zu 50 Prozent, wie sie aktuell von der Bayerische Beamten Versicherung AG (die Bayerische) angeboten würden (29.1.2020), nicht rechnen. Zudem würden Korrelationen zwischen den ermittelten Scores und dem Schadengeschehen zu hoch eingeschätzt, weil die bestehenden Merkmale außen vorgelassen würden.

So rechtfertigten analytisch ermittelte Differenzierungen des Scores allenfalls Rabattierungen eines Einheitstarifs, nicht aber Rabattierungen eines komplexen multivarianten Tarifmodells. „Telematik für Alle“ wird seiner Meinung nach speziell im schadenarmen Kundensegment zum Problemfall.

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Haftpflichtversicherung · Kfz-Versicherung · Marktanteil · Marktforschung · Pkw · Rückversicherung · Storno · Technik · Telematik · Verkauf
 
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