Neue Regeln für Eltern bei Kinderkrankentagen und -krankengeld

4.5.2021 – Aktuell besteht nicht nur die Gefahr, dass ein Kind erkrankt und zu Hause betreut werden muss. Es droht auch, dass es wegen coronabedingter behördlicher Anordnungen den Kindergarten oder die Schule nicht besuchen darf. Viele Berufstätige stellt das vor neu zu lösende Aufgaben. Was ihnen als Elternteil in diesem Fall gesetzlich zusteht, hat sich in Pandemiezeiten zum Teil geändert.

Wird ein Kind krank oder muss es wegen einer angeordneten Kindergarten- oder Schulschließung zu Hause bleiben, bringt dies Alltag von Familien und berufstätigen Eltern kräftig durcheinander. Gerade in der Corona-Pandemie ist es oft schwierig, kurzfristig eine andere Vertrauensperson für die Kinderbetreuung zu finden.

Unter welchen Voraussetzungen kann man als berufstätige Eltern der Arbeit fernbleiben, um beim Kind zu Hause zu sein? Und zwar, ohne massive Einkommenseinbußen zu haben oder den Job zu verlieren.

Anspruch auf Kinderkrankentage und Kinderkrankengeld

Bereits bislang galt gemäß Paragraf 45 SGB V, dass ein gesetzlich krankenversicherter Arbeitnehmer einen Anspruch darauf hat, von der Arbeit freigestellt zu werden, um sein krankes Kind zu betreuen. Dieser Anspruch auf die Kinderkrankentage besteht jedoch nur, wenn zum einen der Nachwuchs gesetzlich krankenversichert und jünger als zwölf Jahre ist. Zum anderen darf keine andere Person im Haushalt leben, die sich um das Kind kümmern könnte.

Hat ein Arbeitnehmer im eigenen Leidensfall einen Krankengeldanspruch gegenüber seiner Kasse, hat er auch für die Anzahl der anfallenden Kinderkrankentage einen Anspruch auf ein sogenanntes Kinderkrankengeld. Die Höhe dieser Leistung entspricht der Höhe des normalen Krankengeldes, das der Elternteil erhalten würde, wenn er in dieser Zeit selbst unpässlich gewesen wäre.

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Aktuelle Regelung für berufstätige Eltern

Seit 5. Januar 2021 bis zum 1. Januar 2022 besteht eine gesetzlich festgelegte befristete Ausweitung des Anspruchs auf Kinderkrankentage und -krankengeld. Ein berufstätiger Elternteil kann unter den oben genannten sonstigen Voraussetzungen nicht nur zu Hause bleiben, wenn der Sohn oder die Tochter krank sind. Es ist auch möglich, wenn aufgrund einer Pandemie wie in der aktuellen der Kindergarten oder die Schule nicht besucht werden kann.

Im Detail trifft das zu, wenn die Einrichtung zur Kinderbetreuung oder die Schule pandemiebedingt behördlich geschlossen sind, der Zugang zur Einrichtung eingeschränkt ist oder die Präsenzpflicht im Unterricht ausgesetzt wurde. Das Gleiche gilt auch, wie das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) verdeutlicht, wenn das Kind eine Einrichtung auf Empfehlung von behördlicher Seite nicht besuchen soll.

Gesetzlich krankenversicherte Elternteile können aktuell bis Ende 2021 je Kind maximal 30 Arbeitstage freinehmen und ein entsprechendes Kinderkrankengeld beanspruchen. Bei Familien mit zwei oder mehr Kindern unter zwölf Jahren sind es je Elternteil nicht 30, sondern für alle Kinder zusammen maximal 65 Kinderkrankentage.

Analog gilt für Alleinerziehende: Ist der Sohn oder die Tochter unter zwölf Jahre alt, können in diesem Jahr krankheits- oder pandemiebedingt höchstens 60 Arbeitstage freigenommen werden. Bei mehreren Kindern im genannten Alter sind es bei allen zusammen maximal 130 Kinderkrankentage.

Ausnahmeregelung für schwerste Krankheitsfälle

Bei besonders schweren Fällen ist aktuell und auch ab 2022 weiterhin eine zeitlich unbegrenzte Freistellung des Elternteils möglich. Leidet ein Kind an einer schweren Krankheit und hat es voraussichtlich nur noch wenige Wochen oder Monate zu leben, stehen dem betreuenden Elternteil ein zeitlich unbefristeter Anspruch auf Freistellung sowie ein entsprechendes Kinderkrankengeld zu.

Dies gilt auch, wenn das Kind stationär in einem Kinderhospiz, ambulant durch einen Hospizdienst versorgt oder palliativmedizinisch im Krankenhaus behandelt wird.

Für alle anderen Fälle gelten ab 2022 wieder die Vorgaben, wie sie vor der Corona-Pandemie waren. Dann stehen dem Vater oder der Mutter bis zu zehn Kinderkrankentage pro Kalenderjahr und je Kind zu; sofern ein Arzt bestätigt, dass das Kind in dieser Zeit krankheits- oder unfallbedingt eine Beaufsichtigung, Betreuung oder Pflege benötigt.

Wer mehr Söhne oder Töchter unter zwölf Jahren hat, kann ab 2022 insgesamt maximal 25 Kinderkrankentage pro Kalenderjahr in Anspruch nehmen. Bei Alleinerziehenden beträgt der gesetzliche Anspruch ab 2022 höchstens 20 Kinderkrankentage für ein Kind. Bei mehreren Nachkommen unter zwölf sind es insgesamt maximal 50 Kinderkrankentage pro Kalenderjahr.

Den Arbeitgeber frühzeitig informieren

Detaillierte Informationen zu den aktuell geltenden Regelungen hinsichtlich Kinderkrankentagen und Kinderkrankengeld enthalten folgende Webauftritte: Die Webportale des BMG und des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie der Webauftritt www.kindergesundheit-info.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Grundsätzlich gilt beim Krankheitsfall des Kindes: Dem Arbeitgeber sollte man so früh wie möglich, also am besten noch am ersten Kinderkrankentag, eine entsprechende Bescheinigung vom Arzt, vom Kindergarten oder von der Schule vorlegen, in der die Notwendigkeit einer häuslichen Betreuung des Kindes bestätigt wird.

Wer aus den genannten Gründen der Arbeit fernbleibt und dies unverzüglich dem Arbeitgeber mitteilt, dem kann in der Regel deswegen nicht gekündigt werden, wie diverse Gerichtsurteile belegen.

Um ein Kinderkrankengeld zu beanspruchen, muss sich der Elternteil normalerweise an seine Krankenkasse wenden und dort eine vom Arzt ausgestellte Bescheinigung über die Krankheitsdauer des Kindes einreichen. Für pandemiebedingte Kinderkrankentage benötigt die Krankenkasse in der Regel eine Bescheinigung des Kindergartens oder der Schule beispielsweise über das Präsenzverbot.

Was für privat Krankenversicherte gilt

Übrigens, bei pandemiebedingten Kinderkrankentagen besteht für privat Krankenversicherte wie für alle betreuungspflichtigen Eltern die Möglichkeit einer Entschädigung für den Verdienstausfall nach Paragraf 56 IfSG, so das BMG.

Das BMG erklärt: „Für Eltern, die wegen der pandemiebedingten behördlichen Schließung von Kitas und Schulen ihr Kind selbst betreuen müssen und deswegen nicht arbeiten können, gibt es unter bestimmten Voraussetzungen seit Ende März 2020 eine Verdienstausfall-Entschädigung vom Staat.“

Dies gilt konkret für erwerbstätige Eltern von Kindergarten- oder Schulkindern bis zwölf Jahren oder älteren Kindern mit Behinderung und Hilfebedürftigkeit. „Die Entschädigung beträgt 67 Prozent des Nettoeinkommens (maximal 2.016 Euro pro Monat) und gilt für insgesamt zehn Wochen je Elternteil, bei Alleinerziehenden 20 Wochen – dieser Zeitraum kann tageweise aufgeteilt werden“, so das BMG.

Weitere Details zur Verdienstentschädigung nach dem IfSG enthält das Webportal www.ifsg-online.de. Eine Beantragung ist in der Regel über die zuständige Behörde des jeweiligen Bundeslandes möglich.

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Coronavirus · Gesetzliche Krankenversicherung · Gesundheitsreform · Senioren
 
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