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Krankenversicherer beharrt auf Standardtherapie

23.5.2019 – Schwer Erkrankte haben nur dann einen Anspruch auf die Versorgung mit medizinischem Cannabis durch ihren gesetzlichen Krankenversicherer, wenn keine Alternativtherapie zur Verfügung steht. So entschied das Sozialgericht Osnabrück in einem gestern veröffentlichten Urteil vom 15. April 2019 (46 KR 455/18).

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Geklagt hatte ein 41-jähriger Mann, der seit dem Jahr 2006 unter einer chronischen, schubweise verlaufenden Multiplen Sklerose leidet. Zur Behandlung der Krankheit verschrieb ihm sein behandelnder Neurologe medizinischen Cannabis in Form getrockneter Blüten. Die dadurch entstehenden Kosten sollte der gesetzliche Krankenversicherer des Klägers übernehmen.

Nachdem er eine Stellungnahme durch die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) eingeholt hatte, lehnte es der Versicherer jedoch ab, den Mann mit Cannabis zu versorgen. Denn für seine Erkrankung würden alternative Arzneimittel zur Verfügung stehen.

Bestehende Alternativen

Im Widerspruchsverfahren erhob der Kläger daraufhin den Einwand, dass Cannabisblüten eine bessere Wirksamkeit zur Behandlung seiner Erkrankung hätten als ein von seiner Krankenkasse vorgeschlagenes Arzneimittel.

Dies ließ der Versicherer nicht gelten. Denn nach einem Gutachten des MDK sei von keiner besonderen Schwere der Krankheit auszugehen. Es sei daher nicht nachvollziehbar, dass eine allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Therapieform im Falle des Klägers nicht angewendet werden könnte.

Nicht rechtskräftig

Dieser Argumentation schloss sich das von dem Versicherten angerufene Osnabrücker Sozialgericht an. Es wies seine Klage als unbegründet zurück.

Das Gericht stellte zwar nicht in Abrede, dass der Kläger unter einer schwerwiegenden Erkrankung leidet. Ein gerichtlich bestellter Sachverständiger habe jedoch für seine unterschiedlichen Beschwerden gleich mehrere anerkannte medikamentöse Therapien benennen können, die der Patient nach eigenen Angaben noch nicht ausprobiert hat.

Ihm stehe daher zumindest vorerst keine Versorgung mit medizinischem Cannabis durch seinen Krankenversicherer zu. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Vergleichbare Einschätzung

Das Hessische Landessozialgericht hatte sich im Herbst letzten Jahres ebenfalls mit dem Anspruch von Mitgliedern der gesetzlichen Krankenversicherung auf die Versorgung mit medizinischem Cannabis befasst.

Das Gericht war dabei zu einer vergleichbaren Einschätzung gelangt, wie jetzt das Osnabrücker Sozialgericht (VersicherungsJournal 17.1.2018).

Schlagwörter zu diesem Artikel
Beschwerde · Gesetzliche Krankenversicherung
 
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