24.6.2015 (€) – Nach den vorläufigen Finanzergebnissen weisen die gesetzlichen Krankenkassen rund 170 Millionen Euro Defizit aus. Überschüsse erzielten nach aktuellen Daten aus dem Gesundheitsministerium nur die AOKen und die Knappschaft. Die BKKen, die IKKen und vor allem die Ersatzkassen waren tief ins Minus. Am kräftigsten stiegen die Ausgaben je Versicherten für Schutzimpfungen sowie häusliche Kranken- und Behandlungspflege. Sorge bereitet vor allem der stetig hohe Ausgabenzuwachs beim Krankengeld.
Nach den vorläufigen Finanzergebnissen des ersten Quartals haben die gesetzlichen Krankenkassen mit 53,08 Milliarden Euro rund 170 Millionen Euro weniger eingenommen als ausgegeben (53,25 Milliarden Euro), wie das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) gestern mitteilte.
Damit fällt das Minus um etwa 100 Millionen Euro geringer aus als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (VersicherungsJournal 20.6.2014). Als Grund für das Minus nannte das Ministerium wieder Sonderfaktoren.
Ohne die daraus resultierenden Mindereinnahmen, „dass die Krankenkassen ihre Versicherten durch einen niedrigeren durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 0,83 Prozent (statt dem bisherigen Sonderbeitrag von 0,9 Prozent) an ihren hohen Finanz-Reserven beteiligt haben“, hätten die Kassen laut BMG mit einem Überschuss abgeschlossen.
Ersatzkassen, BKKen und IKKen im Minus
Insgesamt erzielte nach Ministeriumsangaben mehr als jede zweite der 124 Krankenkassen einen Überschuss. Bei den einzelnen Kassenarten gab es allerdings höchst unterschiedliche Entwicklungen. So hatten die Ersatzkassen ein dreistelliges Millionendefizit zu verzeichnen.
Auch bei den Betriebskrankenkassen (BKKen) und den Innungskrankenkassen (IKKen) fiel ein Minus jeweils im mittleren zweistelligen Millionenbereich an. Dafür stand für die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOKen) und die Knappschaft-Bahn-See ein Überschuss von knapp 40 beziehungsweise knapp 20 Millionen Euro zu Buche.
Das Finanzpolster der Kassen zum 31. März bezifferte das Ministerium auf im Vergleich zum Jahresende (VersicherungsJournal 5.3.2015) unverändert rund 15,5 Milliarden Euro. Zusammen mit der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds von 9,8 Milliarden – dies ist laut BMG mehr als doppelt so hoch wie die gesetzlich vorgesehene Mindestreserve – addieren sich die Finanz-Reserven der gesetzlichen Krankenversicherung auf 25,3 Milliarden Euro.
Vier Prozent Ausgabensteigerung pro Versicherten
Die Ausgaben je Versicherten erhöhten sich im Berichtszeitraum um gut vier Prozent, was unter der Zuwachsrate des Startquartals sowie des gesamten Vorjahres von 5,3 beziehungsweise 5,0 Prozent lag. Erhöhungen im zweistelligen Prozentbereich gab es bei den Schutzimpfungen sowie bei der häuslichen Kranken- und Behandlungspflege, während die Kassen für Zahnersatz weniger als ein Prozent mehr ausgaben als im Vorjahreszeitraum.
Die Ausgaben für Zahnersatz machten mit 780 Millionen Euro allerdings nur einen sehr kleinen Anteil von nicht einmal 1,5 Prozent an den Gesamtausgaben aus. Gleiches gilt auch für die oben angeführten Pflege- (2,3 Prozent Anteil) sowie die Ausgaben für Schutzimpfungen (0,5 Prozent Anteil).
Größter Kostenblock waren erneut die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen mit über 18 Milliarden Euro. Dahinter folgen mit jeweils in etwa halb so großen Anteilen die der vertragsärztlichen Versorgung zugutekommenden Ausgaben sowie diejenigen für Arzneimittel aus Apotheken.
Weiter teilte das BMG mit, dass sich die dynamische Ausgabensteigerung für Krankengeld mit einem Plus von aktuell über acht Prozent „auf dem hohem Niveau der Vorjahre weiter fortgesetzt“ habe. Da sich die Ausgaben hier in den letzten zehn Jahren auf rund 10,6 Milliarden Euro verdoppelt haben, hat das BMG den Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen mit der Erstellung eines Sondergutachtens beauftragt, damit Steuerungsmöglichkeiten aufgezeigt werden.





