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Keine Entschädigung für Schock durch Familientragödie?

2.2.2021 – Der Anspruch auf Zahlung einer Opferrente wegen eines Schockschadens besteht auch Jahre nach einem Verbrechen fort. Das hat das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen mit einem gestern veröffentlichten Urteil vom 17. Dezember 2020 entschieden (L 10 VE 79/17).

Im Jahr 2004 hatte die Klägerin die Weihnachtstage auf Lanzarote verbracht. Am Heiligabend wurde sie telefonisch darüber informiert, dass ihr psychisch kranker Bruder ihren Vater kurz zuvor mit einer Axt erschlagen hatte.

Die Frau behauptete, durch den Anruf einen schweren Schock, verbunden mit einem Blackout, erlitten zu haben. Sie begab sich jedoch weder auf der Insel noch nach ihrer Rückkehr in ärztliche Behandlung.

Das begründete sie damit, dass sie sich mit dem Ereignis aus Scham nicht habe auseinandersetzen wollen. Sie habe vielmehr versucht, das Trauma zu verbergen, indem sie sich aus Angst und Minderwertigkeits-Empfinden aus ihrem sozialen Umfeld zurückgezogen habe.

Auf Aktivitäten wie zum Beispiel Tanzen und Kegeln habe sie nach dem gewaltsamen Tod ihres Vaters verzichtet. Sie habe auch den Kontakt zu ihren Freunden eingestellt. Aus Furcht vor einem ähnlichen Ereignis habe sie nach dem Vorfall außerdem ihre Wohnung in eine regelrechte Festung verwandelt.

Keine Opferrente ohne ärztliche Behandlung?

Erst sechs Jahre später wagte sie sich aus ihrer Deckung, indem sie beim Versorgungsamt die Zahlung einer Opferrente beantragte.

Das lehnte den Antrag mit der Begründung ab, dass es keine Dokumentation einer psychischen Störung mit Bezug zu dem Vatermord gebe. Denn es sei keine adäquate ärztliche und psychotherapeutische Behandlung erfolgt.

Auch für ihre Behauptung, dass durch den seinerzeitigen Anruf ein Schock ausgelöst worden sei, gebe es keine Belege. Die Antragstellerin sei daher den Nachweis für eine posttraumatische Belastungsstörung, der zwingend notwendig für einen Anspruch auf eine Rentenzahlung sei, schuldig geblieben.

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Ausdruck der Störung

Dieser Argumentation schloss sich das Landessozialgericht nicht an. Es gab der Klage der Betroffenen auf Zahlung einer Opferrente statt.

Nach Überzeugung der Richter sind auch Sekundäropfer in den Schutzbereich des Opferentschädigungs-Gesetzes einbezogen, wenn die psychischen Auswirkungen so eng mit einer Gewalttat verbunden sind, dass sie eine Einheit bilden. Davon müsse im Fall der Klägerin ausgegangen werden.

Ein vom Gericht eingeholtes umfassendes medizinisches Gutachten habe ergeben, dass die Tochter auf die Nachricht vom gewaltsamen Tod ihres Vaters mit Angst, Hilflosigkeit und Entsetzen reagiert habe. Sie erlebe das Ereignis auch Jahre nach der Tat immer wieder und zeige Anzeichen eines typischen Vermeidungsverhaltens und zwar auch beim längeren Ignorieren der Symptomatik.

Die Betroffene habe sich zwar über Jahre hinweg nicht behandeln lassen und ihre Ansprüche gegenüber des Versorgungsamtes erst sechs Jahre nach der Tat geltend gemacht. Dies spräche jedoch entgegen der Ansicht des Amtes nicht gegen, sondern für eine posttraumatische Belastungsstörung. Denn dieses Verhalten sei Ausdruck der Störung.

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