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Ideen für die Unfallversicherung gesucht

6.12.2018 – Die private Unfallversicherung gerät immer mehr unter Margendruck. Gleichzeitig wächst sie nur noch durch das Segment der Kraftfahrt-Unfallversicherung. Auf einer Fachkonferenz ging es um Lösungsansätze, die immerhin zweitprofitabelste Sparte der Schaden- und Unfallversicherung flott zu machen.

Die Unfallversicherer sollten sich nach Meinung von Dr. Nicola-Alexander Sittaro auf sportlich aktive Senioren konzentrieren. „Das sind gute Risiken. Sie verschieben ihr biologisches Alter in höhere Altersgruppen. Und: Ältere Menschen, die Sport treiben, sind im Regelfall einkommensstark oder vermögend.

Die können sich auch eine Unfallversicherung leisten!“ sagte der Geschäftsführer der VMS Hannover Institut für angewandte Versicherungsmedizin beim 12. MCC-Fachforum Unfallversicherung.

Gute Erfahrungen

Nicola-Alexander Sittara (Bild: Lier)
Nicola-Alexander Sittara (Bild: Lier)

Von den Über-80jährigen betrieben immer noch 15 bis 20 Prozent Sport. Sittaro verwies auf die guten Erfahrungen der Branche mit den vor rund 20 Jahren aufgekommenen Seniorentarifen. Zwar steige die Unfall-Wahrscheinlichkeit zwischen dem 60. und 90. Lebensjahr um das Drei- (bei Männern) beziehungsweise Vierfache (bei Frauen), doch sei dem mit entsprechenden Franchisen begegnet worden.

Um die Franchisen zu kompensieren, habe man diese Policen mit Assistance-Leistungen angereichert. Das maximal höchstmögliche Angebot sei von den Senioren in keinem Fall eingefordert worden, so Sittaro, der sich dabei auf Aussagen der Malteser Hilfsdienste beruft, die rund eine Million Verträge dieser Verträge betreuen.

Einziger Wermutstropfen: Die meisten die Policen seien durch Umwandlung bestehender Verträge zustande gekommen und kein echtes Neugeschäft gewesen.

Vorsicht: Dicke

Eine weitere Zielgruppe seien Radfahrer, allen vorweg solche, die mit E-Bikes oder Pedelecs unterwegs seien. Von den 79.826 Fahrradunfällen im letzten Jahr seien 15.600 Alleinunfälle gewesen. Es gebe inzwischen ein paar Lösungen, die speziell E-Bikes versicherten – „aber ohne Unfall“.

Zu besonderer Vorsicht rät er beim Vertragsschluss mit Menschen mit Adipositas. „Das wird eines der führenden Risiken bei den Unfallfolgen“, sagte er mit Verweis auf die schlechteren Heilungschancen bei Menschen mit einem BMI von 40 und mehr. Hier seien „entsprechende Maßnahmen bei der Annahmepolitik“ nötig.

Beitragsrückgewähr nur noch mit endfälliger Garantie

Ähnlich wie die Kapital-Lebensversicherung leidet auch die Unfallversicherung mit Betragsrückgewähr (UBR) unter den niedrigen Zinsen und den hohen Eigenkapital-Erfordernissen für Solvency ll.

Sandra Blome (Bild: Lier)
Sandra Blome (Bild: Lier)

Dr. Sandra Blome, Director & Partner des Ifa Instituts für Finanz- und Aktuarwissenschaften Ulm, empfahl, die UBR, ähnlich dem Vorgehen in der Lebensversicherung, nur noch mit endfälligen Garantien anzubieten.

Der Kunde fokussiere sich nicht auf den Garantiezins, sondern wünsche sich eine Risikoabsicherung gegen die Unfallleistungen und eine BR in Form einer garantierten Ablaufleistung, so Blome. Der Unterschied zwischen der klassischen UBR und dem neuen Produkt sollte dem Kunden aber transparent erläutert werden.

Seele bald inklusive

Ein posttraumatisches Belastungssyndrom oder Angststörungen in Folge eines Unfalls könnten nach Meinung von Sittaro und Blome bald in der privaten Unfallversicherung versichert sein. „Die Änderungen in der gesetzlichen Unfallversicherungen hinsichtlich psychischer Unfallfolgen könnten schon bald auf die private Unfall überschwappen“, sagte Blome.

Zwar beschäftigt sich der Markt in Ansätzen mit (trauma-) psychologische Unfallfolgen. So leistet beispielsweise die Reha Assist Deutschland GmbH in Rahmen der Gruppen-Unfallversicherung sowie bei einigen Gesellschaften traumapsychologische Unterstützung, doch in den AUB 2014 (5.2.6.) sind die unfallbedingten seelischen Leiden ausgeschlossen.

Sittaro erwartet für den Markt „massive Änderungen, weil psychische Folgen so dominieren, dass man sie aus der Unfallversicherung nicht herausnehmen kann“. Seiner Berechnung nach sind zehn Prozent aller psychischen Störungen unfallbedingt. Bei den Konferenzteilnehmern stieß der Vorschlag auf viel Unmut, werden doch Schwierigkeiten bei der Leistungsprüfung sowie der entstehenden Kosten gesehen.

Zehn Prozent mehr

Sittaro meinte dazu: „Der zusätzliche Schadenbedarf sollte bei entsprechenden Leistungsbedingungen zehn Prozent des bisherigen Schadenbedarfs nicht übersteigen.“ Die Leistungen sollten nur fest definierte Fälle betreffen, in denen dauerhaft die Lebensqualität eingeschränkt sei.

Rainer Will (Bild: Lier)
Rainer Will (Bild: Lier)

Vor dem Hintergrund, dass die nach wie vor gut profitable Unfallversicherung nur noch durch das Segment der Kraftfahrtunfall wächst, rät Dr. Reiner Will, Geschäftsführender Gesellschafter der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH, sich ernsthaft mit der Gestaltung auseinanderzusetzen. „Psychische Störungen als Unfallfolgen sind sicherlich ein Thema, aber für die Breite im Vertrieb gibt es nahe liegendere Anlässe etwa stärker auf das Segment der Rad fahrenden Älteren zu setzen.“

Mit einer Schaden- und Kostenquote von 83,4 Prozent im Durchschnitt der Jahre 1998 bis 2017 sei die Unfallversicherung nach Hausrat die zweitprofitabelste Sparte der Kompositversicherer. Allerdings sei bei Unfall seit 2006 ein Anstieg der Schaden- und Kostenquote zu beobachten, so Will. Zudem verkleinere sich der Abstand zum gesamten Kompositgeschäft.

„Hochattraktives“ Produkt

Das sei „kein Trauerspiel“, weil die Marktquote noch deutlich die 100 Prozent unterschreite, so Will. Die Unfallversicherung sei auch deshalb ein „hochattraktives“ Produkt, weil es weniger volatil als andere Sparten sei.

Gleichwohl: Nicht alle Unfallversicherer schreiben dicke Gewinne mit der Unfallsparte: Die Relation versicherungs-technisches Ergebnis vor Schwankungsrückstellung zu den direkten verdienten Bruttobeiträge macht bei den 20 größten Unfallversicherern im Durchschnitt 12,94 aus.

Allerdings ist die Spanne weit – von minus 5,11 Prozent (Continentale Sachversicherung AG) bis positive 32,09 Prozent bei der Landschaftlichen Brandkasse Hannover.

Kaufzurückhaltung und Margendruck

Ohne Kraftfahrt- und Luftfahrtunfall würde die Unfallsparte schrumpfen (VersicherungsJournal 26.11.2018). Will führt dies unter anderem auf die Kaufzurückhaltung der Bevölkerung zurück. Die steigende Komplexität der Produkte verunsicherten Vertrieb und Kunde. Denn der Leistungsumfang der Tarife werde stetig erweitert. Hinzu komme der Margendruck durch den wachsenden Wettbewerb durch die Internetvergleicher.

Während die Zahl der Unfälle über die Zeit vergleichsweise konstant bei etwa 800.000 im Jahr stagniert, steigen die durchschnittlichen Kosten je Unfall und damit die gesamten Leistungsausgaben. Eine marktweite Beitragsanpassungs-Welle beobachtet Assekurata aber nicht. Vielmehr sei der Durchschnittsbeitrag seit einigen Jahren wegen des wachsenden Wettbewerbs rückläufig.

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