Assekurata schätzt die langfristigen Perspektiven für Leben wieder besser ein

24.2.2023 (€) – Statt der Renaissance zu klassischen Tarifen erwartet das Analysehaus eine Entwicklung zu weiteren Produkten mit weniger Bruttobeitragsgarantie. Die traditionelle Marktstudie zeigt, dass die Auflösung der Zinszusatzreserve über die nächsten Jahre die Ertragslage stabilisiert und langfristig die Perspektiven für das „Lebensversicherungs-Sparen“ verbessert.

Über die Höhe der Deklarationen 2023 ist schon viel berichtet worden VersicherungsJournal 23.12.2022). Üblicherweise trennen die Lebensversicherer in ihren Pressemitteilungen jedoch nicht nach Produktarten und Tarifgenerationen.

„Häufig ist nicht klar, über welche Produkte berichtet wird. Denn die Produktwelt hat sich massiv verschoben“, so Dr. Reiner Will, Geschäftsführer der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH, am Donnerstag bei der Vorstellung der „Marktstudie zur Überschussbeteiligungen und Garantien 2023“.

Unübersichtlicher Markt der Lebensversicherung

Reiner Will (Bild: Guido Schiefer)
Reiner Will (Bild: Guido Schiefer)

Die klassische Lebensversicherung mit einer hundertprozentigen Bruttobeitragsgarantie und einem Höchstrechnungszins von maximal 0,25 Prozent wird im Neugeschäft als Kapitalleben nur noch von 14 Gesellschaften angeboten.

Bei der Privatrente sind es 13, bei der Riesterrente vier und bei der Basisrente fünf Anbieter. Bei den Tarifen der Neuen Klassik gewährt nur noch die Europa Lebensversicherung AG eine vollständige Bruttobeitragsgarantie

Die Kölner Rater haben wieder untersucht, wie Altersvorsorgeverträge aus den Bereichen Klassik, Neue Klassik und Indexpolicen aktuell verzinst werden und welche Renditen die Kunden erwarten können. Erstmals wurden auch Fondspolicen mit Garantien analysiert.

An der 21. Auflage dieser Untersuchung haben sich 43 (46) Anbieter mit einem Marktanteil von 70 (73) Prozent beteiligt. „Eigentlich hatten wir erwartet, dass die Teilnahmebereitschaft wieder zunimmt, wenn die Zinsen steigen, weil die Informationen dann per se positiver sein könnten. Das hat sich aber in diesem Jahr leider nicht so eingestellt“, so Will.

Wieder steigende Überschuss-Deklarationen

Erstmals seit 2008 wurden die Deklarationen im Neugeschäft wieder nennenswert angehoben. Die steigenden Marktzinsen würden sich in den Überschussbeteiligungen aber erst allmählich in den nächsten ein bis zwei Jahren widerspiegeln.

Von den Studienteilnehmern haben für 2023 zumindest 13 die laufende Verzinsung in der privaten Rente angehoben und keiner abgesenkt. Im Neugeschäft Private Rente beträgt sie durchschnittlich 2,26 (2,15) Prozent. Über alle klassischen Produktarten und Tarifgenerationen sind es 2,62 (2,55) Prozent.

Marktstudie zur Überschussbeteiligungen und Garantien 2023 (Bild: Assekurata)
Marktstudie zur Überschussbeteiligungen und Garantien 2023 (Bild: Assekurata). Zum Vergrößern Bild klicken.

Am stärksten hob die Öffentliche Lebensversicherung Braunschweig mit einem Plus von 0,5 Prozentpunkten auf 2,5 Prozent an. Die höchste Überschussbeteiligung zahlt unverändert die Ideal Lebensversicherung a.G., die niedrigste der Debeka Lebensversicherungs-Verein a.G.

Höchststand der Zinszusatzreserve erreicht

Lars Heermann (Bild: Guido Schiefer)
Lars Heermann (Bild: Guido Schiefer)

Die deklarierte Gesamtverzinsung des von Assekurata zugrunde gelegten Mustervertrags einer privaten Rente kommt auf 2,81 (2,68) Prozent.

Anders als in den Vorjahren unterbleibe bei den meisten Anbietern zum Vertragsende die weitere Beteiligung an den Bewertungsreserven, so Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata. Hier wirkten sich die stillen Lasten der festverzinslichen Wertpapiere aus.

Aus Sicht des Assekurata-Geschäftsführers ist es daher nicht verwunderlich, dass viele Lebensversicherer in ihrer Überschusspolitik noch zurückhaltend sind, wenngleich sich die langfristige Ertragsperspektive mit dem Zinsaufschwung verbessert habe.

Nach Einschätzung der Analysten ist mit dem Zinsanstieg nun auch die große Belastung durch den Aufbau der Zinszusatzreserve seit 2011 auf 92 (96) Milliarden Euro weggefallen. Das entspricht knapp 9,5 (zehn) Prozent der Branchen-Deckungsrückstellung. Auch bei erneut sinkenden Zinsen werde das Maximum der ZZR von 96 Milliarden nicht wieder erreicht, so die Studie.

Erste Rückzahlungen

Vier Gesellschaften hätten einen Teil der branchenweit vier Milliarden Euro betragenden Netto-Rückflüsse zur Anhebung der Deklaration verwendet.

Da die ZZR in der Vergangenheit aber vor allem durch die Auflösung von Bewertungsreserven finanziert wurde, hält Will es jetzt für „verursachungsgerecht“, wenn auch die Auflösung der Finanzierung der Abschreibungen der stillen Lasten dient. Der Berechnung von Assekurata zufolge wird sich die ZZR-Auflösung ohnehin sukzessive bis 2035 (im Szenario eines konstanten Zinsniveaus) hinziehen.

„Die Abbauphase dauert länger als der Aufbau “, so Heermann. Durch die ZZR sind die Garantiezins-Anforderungen im Bestand auf 1,40 (2,46) Prozent gesunken. Der Puffer ZZR helfe nun aber die Ertragslage zu stabilisieren, so Will. Laut Assekurata ist zudem der Sicherungsbedarf weggefallen, so dass die Gesellschaften an ihre Eigentümer auch wieder Ausschüttungen vornehmen können.

Wer keine Daten geliefert hat

Nicht teilgenommen an der Untersuchung haben laut Assekurata diese Anbieter:

Die „Marktstudie zu Überschussbeteiligungen und Garantien 2023: Die Renaissance des Zinses. Was macht sie mit der Lebensversicherung?“ umfasst mehr als 150 Seiten und kostet ab 1.807 Euro einschließlich Mehrwertsteuer. Sie kann unter diesem Link bestellt werden.

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