Hoher Beratungsbedarf bei nachhaltigen Kapitalanlagen

10.7.2018 – Laut einer repräsentativen Umfrage ist es jedem dritten Privatanleger egal, wie lange er sein Geld anlegt und in welcher Form. Zwei Drittel der Befragten erwarten von ihrem Berater, dass er vor dem Hintergrund der Niedrigzinsphase Anlagealternativen vorschlägt. Die Berücksichtigung zusätzlicher Kriterien bei der Auswahl muss nicht zulasten der Rendite gehen. Mehr als die Hälfte der von Union Investment befragten institutionellen Investoren sind mit der Berücksichtigung von ESG-Kriterien im Anlageprozess sehr zufrieden.

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Statistiken, Studien und Umfragen belegen: Institutionelle Anleger setzen vermehrt auf alternative oder nachhaltige Investments. Das kann ökonomisch attraktiv sein, stellte erst kürzlich der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) fest (VersicherungsJournal 28.6.2018). Doch es gibt Vorbehalte und Informationsdefizite. Auch private Anleger hoffen auf bessere Beratung.

Frustrierte Sparer erwarten Vorschläge zu Anlagealternativen

Obwohl sie sich nur ungern mit Geldanlagen beschäftigen, gehen acht von zehn Sparern (79 Prozent) mit ihrem Vermögen sorgsam um. Immerhin 70 Prozent haben den Anspruch, auf dem neuesten Stand zu sein, was ihre finanzielle Lage angeht. Das ergab eine aktuelle repräsentative Umfrage unter deutschen Finanzentscheidern der Union Investment Privatfonds GmbH.

Der Frust unter den Finanzentscheidern nimmt allerdings zu: 40 Prozent haben inzwischen keine Lust, die Rendite von verschiedenen Geldanlagen miteinander zu vergleichen. Auch die Wissensdefizite sind enorm: Nur jeder Vierte (27 Prozent) behauptet von sich, dass er sich mit Geldanlagen gut auskennt. Nicht einmal jeder Zweite hält Aktien auf lange Sicht für ertragreicher als herkömmliche Anlagen.

Rund jeder dritte Privatanleger ist total frustriert: Bei dem niedrigen Zinsniveau ist es ihm egal, wie lange er sein Geld anlegt und in welcher Form. Das ist den Umfrageergebnissen zufolge die Zeit für Berater. Zwei Drittel (67 Prozent) der Befragten erwarten von ihnen, dass sie Anlagealternativen vorschlagen. Dabei zeigen sich Sparer durchaus aufgeschlossen für Aktien oder Investmentfonds.

Vorurteile gegen ESG-Kriterien

Auch der Vermögensstreuung stehen die privaten Anleger relativ offen gegenüber: Etwa die Hälfte (52 Prozent) gibt an, das eigene Geld auf unterschiedliche Anlageformen zu verteilen, um Risiken zu verringern.

Damit sind einer knappen Mehrheit die Grundlagen der Portfoliotheorie vertraut. Wie bei institutionellen Anlegern steht aber die Berücksichtigung von den neuen Kriterien ESG – Environmental (Umwelt), Social (Sozial) und Governance (gute Unternehmensführung) – unter dem Vorbehalt, dass dies zulasten erzielbarer Renditen geht.

Mit diesem Vorurteil räumt die vom GDV vorgenommene Auswertung diverser Studien auf. Fast drei Viertel der analysierten Untersuchungen kommen zu neutralen oder gemischten Ergebnissen, der Rest stellt sogar einen positiven Zusammenhang zwischen der Berücksichtigung von ESG-Kriterien und dem Ertrag fest.

Großanleger sind mit Nachhaltigkeit sehr zufrieden

Für die Untersuchung „Nachhaltiges Vermögensmanagement Institutioneller Anleger“ wurden von Union Investment 203 institutionelle Anleger aus den Bereichen Kreditinstitute, Versicherer, Großunternehmen, Altersversorger/Pensionskassen, Stiftungen/ Kirchen sowie Kapitalverwaltungs-Gesellschaften befragt. Gewählt wurde die telefonische Form, inklusive zwölf schriftlicher Befragungen. Umfragezeitraum war von Februar bis April 2018.

Beratunsbedarf (Bild: Union Investement)
(Bild: Union Investment, Nachhaltigkeitsstudie Deutschland 2018)

Bei den institutionellen Investoren von Union Investment, die auf Nachhaltigkeit setzen, ist nahezu die Hälfte ihrer Assets (49 Prozent) unter Berücksichtigung entsprechender Kriterien angelegt. Besonders hoch fällt die Nachhaltigkeitsquote mit 80 Prozent bei kirchlichen Anlegern und Stiftungen aus. Es folgen Altersversorger beziehungsweise Pensionskassen mit einem Anteil von 57 Prozent und Versicherer mit 49 Prozent.

Mit 56 Prozent ist mehr als die Hälfte dieser Investoren mit der Berücksichtigung von ESG-Kriterien im Anlageprozess sehr zufrieden oder außerordentlich zufrieden. Das ist eine Steigerung um zehn Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Einen Ausstieg aus der nachhaltigen Kapitalanlage können sich 85 Prozent nicht mehr vorstellen (Vorjahr 77 Prozent).

Für drei Viertel der im Frühjahr diesen Jahres Befragten stehen dabei ökonomische Kriterien im Vordergrund, ein Anstieg um elf Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Als weit weniger wichtig werden dagegen soziale und ethische Kriterien (je 64 Prozent) sowie Governance-Kriterien (63 Prozent) erachtet. Ökologische Kriterien bilden gar das Schlusslicht (58 Prozent).

Nachhaltigkeitswirkung (Bild: Union Investment)
(Bild: Union Investment, Nachhaltigkeitsstudie Deutschland 2018)

Versicherer wollen verstärkt in alternative Anlagen investieren

Mit den Zielen einer höheren risikoadjustierten Rendite sowie breiterer Diversifizierung setzen institutionelle Investoren in Großbritannien und Kontinentaleuropa vermehrt auf alternative Vermögenswerte. Das ist ein Ergebnis einer Studie von Aviva Investors, der global tätigen Asset-Management-Gesellschaft des britischen Versicherers Aviva plc.

Zu den Alternativen zählen unter anderem Investments in Infrastruktur-Anleihen und -Aktien, strukturierte und Immobilien-Finanzierungen.

Im Rahmen der Aviva-Studie wurden mehr als 250 Pensionskassen und Versicherer in Großbritannien und Europa befragt. Die erwartete, stärkere Gewichtung in alternative Anlagen wird von ihren positiven Eigenschaften getrieben: Kapitalschutz (34 Prozent), Diversifikations-Vorteile (33 Prozent) sowie Illiquiditätsprämien (30 Prozent).

Schlagwörter zu diesem Artikel
Darlehen · Immobilie · Investmentfonds · Marktforschung · Nachhaltigkeit · Pension · Pensionskasse
 
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