Gender Pension Gap – unbekannt und unterschätzt

16.4.2021 – Eine Umfrage der Allianz Leben zeigt, dass vier von fünf Frauen den Altersvorsorge-Unterschied zwischen den Geschlechtern nicht kennen. Vorständin Laura Gersch fordert dazu auf, den zukünftigen Rentnerinnen eine verlässliche Informationsbasis zu geben. Denn mit Vorsorgeplan verfügen sie doppelt so oft über eine private Absicherung als die Gruppe ohne Informationsbasis. Die Managerin hält zudem einen stärkeren gesellschaftlichen Dialog für erforderlich.

80 Prozent der Frauen in Deutschland, die zwischen 20 und 60 Jahre alt sind, kennen den Gender Pension Gap nicht, den geschlechtsspezifischen Unterschied zwischen Männern und Frauen in der Altersvorsorge. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Q | Agentur für Forschung GmbH im Auftrag der Allianz Lebensversicherungs-AG. Befragt wurden 1.000 weibliche Personen.

Diese schätzen zudem den Vorsorgeunterschied mit 25 Prozent deutlich zu niedrig ein, schreiben die Studienautoren. Tatsächlich liege er laut dem Statistischen Amt der Europäischen Union (Eurostat) bei 36 Prozent beziehungsweise laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sogar bei 46 Prozent.

Corona verstärkt das gesellschaftliche Problem

Laura Gersch (Bild: Allianz)
Laura Gersch (Bild: Allianz)

„Gerade in Zeiten von Corona stellen Frauen die eigenen Bedürfnisse wieder stärker hinter die der Familie zurück“, warnt Laura Gersch, Firmenkunden- und Personalvorständin bei der Allianz Leben.

„Damit verstärkt sich eine Entwicklung, die schon vor Corona ein drastisches Ungleichgewicht in der Vorsorge fürs Alter zur Folge hatte.“

59 Prozent der Befragten haben laut der Umfrage weder Kenntnis von der Höhe ihrer späteren Rentenzahlung noch haben sie einen Überblick über weitere mögliche Einkommen im Alter.

Damit allerdings würden sie sich kaum von den Männern unterscheiden. Nur seien die Auswirkungen dieser Unkenntnis für sie deutlich gravierender.

Worin Frauen die Ursachen für den Gender Pension Gap sehen

Nach den Ursachen für den geschlechtsspezifischen Unterschied zwischen Männern und Frauen in der Altersvorsorge befragt, glauben 70 Prozent der Studienteilnehmerinnen, dass eine schlechtere Bezahlung der Grund ist. 64 Prozent halten kürzere Beschäftigungszeiten für verantwortlich und 62 Prozent die Arbeit in Mini-Jobs.

Für 59 Prozent führt eine zu geringe Anrechnung von Kindererziehungszeiten auf die Rentenansprüche zum Gender Pension Gap. 57 Prozent geben Probleme beim beruflichen Wiedereinstieg zum Beispiel nach Elternzeit an.

Umfrage Allianz Leben (Bild: Allianz)
Umfrage Allianz Leben (Bild: Allianz)

Die von den Studienteilnehmerinnen genannten Argumente, warum sie nicht aktiv werden, wie „kein Geld“ oder „keine Zeit“, seien keineswegs neu, meint Gersch. „Sie werden jedoch allzu oft als Schutzbehauptungen von Kunden abgetan, denen damit irreführenderweise unterstellt wird, dass sie gar nicht für ihr Alter vorsorgen möchten. Das löst das Problem der Betroffenen nicht“, kritisiert sie.

Wer seinen Vorsorgebedarf richtig einschätzen kann, entscheidet auf einer ganz anderen Faktengrundlage.

Laura Gersch, Allianz Leben

Erst eine verlässliche Informationsbasis, dann individuellen Lösungen

Zunächst sei es wichtig, den zukünftigen Rentnerinnen eine verlässliche Informationsbasis zu geben. Es gehe darum transparent aufzuzeigen, welches Einkommen im Alter verfügbar sein werde und welchen Einfluss beispielsweise Faktoren wie Inflation und Langlebigkeit haben können. Dann könne über individuelle Lösungen wie beispielsweise Produkte mit flexiblen Zahlungsmöglichkeiten gesprochen werden.

„Wer seinen Vorsorgebedarf richtig einschätzen kann, entscheidet auf einer ganz anderen Faktengrundlage“, sagt Gersch. Deshalb begrüße ihr Unternehmen ausdrücklich die staatliche Initiative für eine digitale Rentenübersicht (VersicherungsJournal 27.8.2020).

Die Erfahrungen mit dem eigenen „Allianz Rentenkompass“, ebenfalls eine digitales Tool (10.7.2020), habe gezeigt, dass der Bedarf groß sei. Er sei nicht einmal ein Jahr online und werde bereits von mehr als 200.000 Menschen genutzt.

Mehr Aufmerksamkeit für das Thema Gender Pension Gap

Ähnlich wie bei der Initiative #Equalpay müsste auch zum Thema Altersvorsorge ein gesellschaftlicher Dialog angestoßen werden, um aufzuzeigen, welche Möglichkeiten es für Menschen in den unterschiedlichsten Lebenssituationen gebe. Unter #Equalpension seien bereits erste Ansätze zu finden.

„Unsere Studie hat nämlich auch gezeigt, dass Frauen, die sich des Gender Pension Gaps im Allgemeinen und ihrer finanziellen Situation im Besonderen bewusst sind, ihre Vorsorge auch in die eigene Hand nehmen. Von den befragten Frauen, die einen Vorsorgeplan haben, hatten mehr als doppelt so viele eine private Altersvorsorge als in der Gruppe ohne Vorsorgeplan“, sagt Gersch.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Altersvorsorge · Coronavirus · Lebensversicherung · Marktforschung · Pension · Rente · Rentenübersicht · Senioren · Sterbetafel
 
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