Geht der Riester-Vorsorge endgültig die Puste aus?

3.7.2018 – Der Bestand an Riester-Verträgen ist zwischen Januar und März nach aktuellen Zahlen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) netto um 9.000 auf nur noch gut 16,58 Millionen gesunken. Positiv entwickelten sich vor allem die Riester-Fondssparpläne. Auch die Wohn-Riester-Variante konnte einen Zuwachs verzeichnen, wenn auch nur einen vergleichsweise sehr geringen. Die Banken mit ihren Sparplänen und die Versicherer mussten erneut kräftig Federn lassen.

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Die Zahl der Riester-Verträge ist im Auftaktquartal netto – also unter Einberechnung der Kündigungen und Vertragsabgänge – um 9.000 auf 16,584 Millionen gesunken. Das zeigt die am Montagnachmittag vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) veröffentlichte amtliche Riester-Statistik (Stand: 2. Juli 2018). Ruhend gestellte Kontrakte werden vom Ministerium nicht zahlenmäßig ausgewiesen, sondern unverändert auf einen Anteil von „gut einem Fünftel“ geschätzt.

Damit hat sich der negative Trend aus den beiden Vorjahren fortgesetzt. Seinerzeit gab es erst zum ersten beziehungsweise zweiten Mal überhaupt in der gut 15-jährigen Geschichte dieser staatlich geförderten Altersvorsorge über alle Riester-Varianten hinweg einen negativen Saldo (VersicherungsJournal 7.6.2016, 8.6.2917).

Auch wenn die Monate Januar bis März traditionell nicht zu den stärksten beim Riester-Absatz gehören, so war der Saldo in den Jahren davor dennoch immer positiv – wenn zum Teil auch nur minimal (VersicherungsJournal 19.6.2014, 16.6.2015).

Riester-Zuwachs bis Q1/2018 (Bild: Wichert)

Fondssparpläne mit riesigem Zuwachs

Für die versicherungsförmige Riester-Variante schlug zwischen Januar und März ein Minus von 24.000 Policen zu Buche. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass dies den zweitniedrigsten Rückgang innerhalb der letzten fünf Startquartale darstellt. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres war die Bestandsverminderung noch fast doppelt so hoch ausgefallen.

Bei den Banksparplänen war das vierte Minus in Folge zu verzeichnen. Zwar wurde nicht ganz das Niveau des Vorjahreszeitraums erreicht. Im Vergleich zu den ersten drei Monaten 2015 hat sich der Rückgang allerdings mehr als verzehnfacht.

Überraschend niedrig fiel das Plus bei den Wohn-Riester-Verträgen aus. Hier errechnet sich für die Monate Januar bis März nur ein Zuwachs von 7.000 Kontrakten, womit sich die Steigerung zum zweiten Mal in Folge halbiert hat.

Besonders hoch fiel der Neuzugang im Auftaktquartal bei den Riester-Fondssparplänen aus. Mit 19.000 Kontrakten war das Plus mehr als doppelt so groß wie im Vorjahreszeitraum.

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Wohn-Riester gewinnt weiter an Marktanteil hinzu

Durch die unterschiedliche Entwicklung beim Nettoneuzugang haben sich die Anteile der einzelnen Riester-Varianten im Gesamtbestand weiter verschoben. Die Wohn-Riester-Verträge konnten ihren Anteil von 10,7 Prozent im Vergleich zum Jahresende 2017 nur minimal (im Bereich der zweiten Nachkommstelle) weiter ausbauen.

Auch die Riester-Fondssparpläne legten leicht von 19,5 auf 19,6 zu und kommen nun auf 19,3 Prozent Marktanteil. Der Anteil der Riester-Banksparpläne gab hingegen von 4,4 auf 4,3 Prozent nach, was den niedrigsten Anteil seit 2008 darstellt.

Der Anteil der versicherungsförmigen Variante beträgt aktuell nur noch 65,4 Prozent nach 65,5 Prozent zum Jahresende. Zum Vergleich: Ende 2006 waren es noch über 80 Prozent, Ende 2011 noch über 70 Prozent – und Ende 2015 letztmals über zwei Drittel.

Unerfüllte Hoffnungen

Damit haben sich die Hoffnungen auf einen neuen Schub für die Riester-Vorsorge nicht erfüllt. Teile der Branche hatten diese angesichts der im Rahmen des BRSG vorgenommen Verbesserungen (VersicherungsJournal 2.6.2017, 23.8.2017) geäußert.

Allerdings haben verschiedene Institutionen und Branchenverbände wie die Institut für Vorsorge und Finanzplanung GmbH (VersicherungsJournal 24.4.2018) oder der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) (VersicherungsJournal 10.4.2018) diverse weitere Vereinfachungen beziehungsweise Verbesserungen geordert.

Der Versichererverband konzipiert zudem derzeit in einer Arbeitsgruppe eine neue Riester-Police. Hintergrund sind die im Koalitionsvertrag (PDF, 8,5 MB) der Großen Koalition festgeschriebenen Pläne der Bundesregierung zu einem „attraktiven standardisierten Riester-Produkt".

Leserbriefe zum Artikel:

Nils Fischer - Alle Riester-Produkte sind „Wohn-Riester”-fähig. mehr ...

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Altersvorsorge · Berufsverband · BRSG · Geschäftsbericht · Marktanteil · Rente · Riester
 
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