Gebäudeversicherung: Zur Beweislage bei einem Sturmschaden

23.3.2020 – Behauptet ein Versicherter, dass sein Gebäude durch Sturm von mindestens Windstärke 8 beschädigt wurde, so ist es ausschließlich seine Sache, das seinem Versicherer gegenüber zu beweisen. Das geht aus einem Beschluss des Oberlandesgerichts München vom 9. September 2019 hervor (25 U 3910/19).

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Ein Gebäudebesitzer hatte behauptet, dass sein Haus Ende Mai 2016 bei einem Sturm der Windstärke 8 so stark beschädigt worden war, dass Regenwasser in eine Wand eingedrungen war und diese schließlich zum Einsturz gebracht hatte. Das Gebäude war bei dem beklagten Versicherer versichert.

Die Versicherungs-Gesellschaft bestritt, dass es sich um ein versichertes Sturmschadenereignis gehandelt hatte. Sie weigerte sich daher, für den Schaden aufzukommen.

Gutachten des Deutschen Wetterdienstes zur Windstärke

Weil man sich nicht einigen konnte, landete der Fall vor Gericht. Dort erlitt der Versicherte eine Niederlage.

Ausschlaggebend war ein von den Richtern in Auftrag gegebenes amtliches Gutachten des Deutschen Wetterdienstes. Diese erbrachte zwar zweifelsfrei den Beweis dafür, dass an dem von dem Kläger behaupteten Tag heftiger Wind der Stärke 7 geherrscht hatte. Windspitzen der Stärke 8, folglich Sturm im Sinne der Versicherungs-Bedingungen, sei jedoch allenfalls wahrscheinlich, nicht jedoch erwiesener Maßen aufgetreten.

Sache des Versicherten, den Beweis zu erbringen

Das reiche aber nicht aus, um von einem versicherten Schadenereignis auszugehen. Diese Überzeugung vertrat sowohl das in erster Instanz mit dem Fall befasste Landgericht Ingolstadt, als auch das von dem Versicherten in Berufung angerufene Münchener Oberlandesgericht.

Es sei nämlich grundsätzlich Sache eines Versicherten, den Vollbeweis dafür zu erbringen, dass ein Schaden auf die unmittelbare Einwirkung durch Sturm zurückzuführen ist. Eine bloße Wahrscheinlichkeit reiche dazu nicht aus.

Keine unmittelbare Einwirkung durch Windlast

Doch selbst wenn man davon ausgehen würde, dass an dem Tag Windstärke 8 geherrscht habe, würde kein Versicherungsschutz bestehen. Entscheidend sei nämlich, dass ein Schaden auf die unmittelbare Einwirkung eines Sturms, das heißt auf dessen sogenannte Windlast zurückzuführen sein müsse, um versichert zu sein.

Ein mit dem Fall befasster Bausachverständiger hatte aber festgestellt, dass es durch am Sturmtag herrschenden heftigen Regen zu einer Vernässung der Wand gekommen war. Diese brachte die Wand sechs Tage später zum Einsturz. Die stürmischen Winde hätten den Einsturz lediglich beschleunigt.

Nach Ansicht des Münchener Oberlandesgerichts hat der Kläger daher auch aus diesem Grund keinen Anspruch gegenüber seinem Versicherer.

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AVB · Elementarschaden
 
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