Folgenreicher Niesanfall

8.8.2019 – Bei einem Wegeunfall können nur dann Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung beansprucht werden, wenn das Handeln, das den Unfall ausgelöst hat, zur Fortbewegung auf dem Weg zur oder von der versicherten Tätigkeit gehört. Das geht aus einem erst kürzlich veröffentlichten Gerichtsbescheid des Sozialgerichts Stuttgart vom 30. Juli 2018 hervor (S 12 U 327/18).

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Der Kläger ist als selbstständiger Landschaftsgärtner Kraft Gesetz in der gesetzlichen Unfallversicherung versichert. Er war mit einem Lastkraftwagen von seinem Gartenlager zu seiner Wohnung unterwegs, als er einen Niesanfall erlitt.

Der Mann griff zu seinem Taschentuch, das sich im Bereich des Armaturenbretts des Lkw neben dem Radio befand. Dabei verlor er die Kontrolle über sein Fahrzeug und kam von der Fahrbahn ab.

Wegeunfall?

Der Landschaftsgärtner erlitt eine Rippenfraktur und wollte deswegen Leistungen der Berufsgenossenschaft in Anspruch nehmen. Die hielt den Vorfall jedoch für ein nicht versichertes Ereignis und lehnte den Antrag ab.

Zu Recht, urteilte das Stuttgarter Sozialgericht. Es wies die Klage des Mannes, den Unfall als Wegeunfall anzuerkennen, als unbegründet zurück.

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Eine Frage des konkreten Handelns

Die Richter stellten zwar nicht in Abrede, dass der Kläger während der Fahrt zu seiner Wohnung einer Tätigkeit nachgegangen ist, die unter dem Versicherungsschutz stand. Ein Arbeitsunfall liege aber nur dann vor, „wenn das konkrete Handeln des Versicherten zur Fortbewegung auf dem Weg zur oder von der versicherten Tätigkeit gehört“.

Davon könne in dem entschiedenen Fall nicht ausgegangen werden. Denn weder ein Niesanfall, noch ein Griff nach einem Taschentuch stelle eine auf das Zurücklegen des versicherten Weges gerichtete Verrichtung dar.

Keine Folgeerscheinung

Nach Ansicht des Gerichts hätte der Vorfall allenfalls dann als versicherter Wegeunfall anerkannt werden können, wenn der Niesanfall des Klägers die Folge einer Tätigkeit gewesen wäre, die der Mann vor Fahrtantritt in seinem Gartenlager verrichtet hatte.

Das habe aber mangels medizinischer Befunde nicht festgestellt werden können.

Lesetipp „Die Grenzen der gesetzlichen Unfallversicherung“
Cover Dossier (Bild: VersicherungsJournal)

Oft entscheiden wenige Zentimeter, ob die gesetzliche Unfallversicherung bei einem Arbeitsunfall leistet. Der Gesundheitsschaden wird dann schnell zu einem Fall für die Gerichte.

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Leserbriefe zum Artikel:

Andreas Reissaus - Bei einem privaten Versicherer wäre die Kritik groß gewesen. mehr ...

Gero Sifferath - Ende der Leistungspflicht bei einem Wegeunfall. mehr ...

Schlagwörter zu diesem Artikel
Gesetzliche Unfallversicherung · Gesundheitsreform · Gewerbeordnung
 
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