Die Wiederentdeckung von Riester

5.6.2019 – Der HDI hat seine Tarife „Trust Selekt“ und „Two Trust Kompakt“ so erweitert, dass die mit dem BRSG geänderte Entgeltumwandlung mit Riester-Förderung nun einfacher berücksichtigt werden kann. Für Riester in der betrieblichen Altersversorgung plädiert auch Judith Kerschbaumer von Verdi, die allerdings lieber von „Zulagenrente“ spricht.

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Mit dem Betriebsrenten-Stärkungsgesetz ist die Entgeltumwandlung mit Riester-Förderung zu einem „echten“ Haftungsthema geworden, weil sie in vielen Konstellationen besser ist als die steuerfreie Variante nach § 3 Nummer 63 EStG, sagte Fabian von Löbbecke, Vorstandschef der HDI Pensionsmanagement AG und im Vorstand der HDI Lebensversicherung AG für betriebliche Altersversorgung (bAV) zuständig.

Fabian von Löbbecke (Bild: Lier)

„Mit der früheren Doppelverbeitragung in der Riester-bAV hat das BRSG endlich Schluss gemacht.“

Ausgefallene Förderung und Störfälle

Laut von Löbbecke kann sich die ausgefallene Förderung für einen Berufsanfänger „konservativ geschätzt“ bis zum Rentenalter auf über 17.000 Euro summieren. Anders als andere bAV-Produkte seien mit Riester nicht nur alle sozialversicherungs-pflichtig Beschäftigten förderbar, sondern auch „Störfälle“ – womit man das „Storno besser in den Griff“ bekomme.

Das alte bAV-Problem, dass Bezieher von Arbeitslosengeld l, Langzeitkranke, Personen in Elternzeit und teilweise auch Jobwechsler ihre Verträge nur noch beitragsfrei stellen könnten, entfalle mit Riester.

Seit Jahresbeginn bietet der HDI die verbesserten Tarife „Two Trust Selekt“ und „Two Trust Kompakt“, bei denen die Entgeltumwandlung sowohl nach § 10 a EStG als auch nach § 3 Nummer 63 EStG in einem Vertrag förderfähig ist.

Deutlicher Zuwachs

„Wir haben das so gebaut, dass dies in einem Vertrag parallel abgebildet wird. Der Kunde kann je nach Lebenssituation hin und her hoppen, ohne dass das Versorgungsverhältnis oder der Vertrag geändert werden muss. Dafür haben wir einen siebenstelligen Betrag investiert. Wir sind die einzigen am Markt, die so etwas anbieten können“, so von Löbbecke.

Dass das bAV-Geschäft in den ersten fünf Monaten 2019 bereits um 50 Prozent über der Vorjahreszeit liegt, schreibt er teils diesem Produkt zu. Positiv für die Arbeitgeber: Es entsteht ihnen kaum Verwaltungsaufwand, weil der HDI den Kontakt mit der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) hält.

Welcher Fördertopf für den Kunden lohnender ist, hängt beispielsweise von der Einkommenshöhe und der Kinderzahl ab. Bei den verbesserten Direktversicherungen „Two Trust Selekt“ und „Two Trust Kompakt“ kann der Kunde – je nach Lebensphase und finanzieller Situation – zwischen beiden Förderwegen flexibel hin- und herschalten. Er kann sogar die laufende Prämie aufsplitten und beide Fördertöpfe gleichzeitig in Anspruch zu nehmen.

Vorteile für viele Arbeitnehmergruppen

Judith Kerschbaumer (Bild: Lier)

Auch die Gewerkschaft Vereinte Dienstleistungs-Gewerkschaft (Verdi) hat Riester entdeckt. Das sei vor allem für die oftmals nur gering verdienenden Frauen ein gutes System, sagte Dr. Judith Kerschbaumer, die Leiterin Sozialpolitik in der Bundesverwaltung der Gewerkschaft. Erkläre sie die Zulagensystematik, stoße sie auf großes Interesse – solange sie nicht von „Riester“ spreche.

Denn dieser Begriff habe ein schlechtes Image. Deshalb nenne sie das Modell „Zulagenrenten“. Und diese wolle sie „wieder en vogue bringen“. Zur einfachen Erklärung auf Betriebsversammlungen und Ähnlichem hat Verdi einen ansprechenden Erklärfilm gedreht.

Wenig Neues berichtet Kerschbaumer vom Sozialpartnermodell (SPM): Vor den Bundeskongressen von IG Metall und Verdi im Herbst werde es sicherlich keine Einigung der Sozialpartner geben. „Das will keiner auf dem Kongress als Thema haben“, sagte sie.

Fördergelder abgreifen

Zurzeit verhandele Verdi mit sieben Anbietern. Dabei gehe es oftmals auch um Auslegungsfragen, die man mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) klären müsse. Für die Gewerkschaften bedeute das SPM eine große Herausforderung an die Kommunikation und für die eigene Reputation.

„Wir haben keine Freischüsse. Das erste Modell muss passen. Wenn das erste in die Hose geht, dann schließt sich diese Tür für längere Zeit.“ Kerschbaumer kritisiert, dass es vielen Arbeitgebern nur darum ginge, alte, nachteilige bAV-Systeme abzulösen. Es dürfe auch nicht sein, dass dem Arbeitnehmer alle Risiken aufgebürdet würden und die bAV den Arbeitgeber nichts koste.

Christine Harder-Buschner (Bild: Lier)

Kerschbaumer, aber auch Christine Harder-Buschner, Regierungsdirektorin im Bundesministerium der Finanzen, beobachten „missbräuchliche“ Mitnahmeeffekte in der bAV. Die bAV von Geringverdienern mit einem Monatseinkommen bis maximal 2.200 Euro können Arbeitgeber seit 2018 mit 240 bis 480 Euro jährlich bezuschussen.

Service für die gesetzliche Rente

Dafür können sie 30 Prozent beziehungsweise maximal 144 Euro bei der nächsten Lohnsteueranmeldung verrechnen. Es gibt aber offensichtlich Chefs, die Zahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgelder oder vermögenswirksame Leistungen nun als bAV-Zuschuss umwidmen, „nur um die Fördergelder abgreifen zu wollen. So etwas muss unterbunden werden, das nützt niemanden“, so Kerschbaumer.

Harder-Buschner stellt klar, dass die 144 Euro dem Arbeitgebern zustehen, sofern sie 480 Euro für die bAV des Mitarbeiters echt leisten und nicht andere Leistungen umwidmen.

Von Löbbecke kündigt zudem an, dass sich der HDI künftig auch mit der gesetzlichen Rente auseinandersetzen will. Vier Mitarbeiter hätten sich zu Rentenberatern ausbilden lassen. „Es gibt viele Entgeltpunkte, die nicht abgerufen werden, weil die Menschen nicht wissen, wie man es macht“, so von Löbbecke, der über einen neuen Service nachdenkt.

 
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