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Autoversicherer starten Telematik der nächsten Generation

12.10.2018 – Seit Jahren werden Telematik-Tarife auf Fachkonferenzen diskutiert und vereinzelt in den deutschen Markt gebracht, der große Durchbruch steht aber noch aus. Dabei bringen so gewonnene Daten über das Fahrverhalten zusätzliche Erkenntnisse für die Tarifierung, wie Dr. Daniel John auf einer Fachkonferenz zeigt. Dort stellte die Gothaer ihren neuen Telematik-Tarif vor und Friday ein neues Alleinstellungsmerkmal.

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„Telematik-Tarife in der Kfz-Versicherung bleiben in Deutschland ein Nischenthema“, urteilte unlängst die Finanztip Verbraucherinformation gemeinnützige GmbH (VersicherungsJournal 11.10.2018).

Doch das könnte sich bald ändern – denn die mittels Telematik gewonnenen Daten zum Fahrverhalten liefern zusätzliche Erkenntnisse für die Tarifierung. Bislang war oft argumentiert worden, dass die bereits verwendeten über 60 verschiedenen Risikomerkmale ausreichend Grundlage für die Kalkulation bilden.

Mit den über 6.000 Schäden aus diesem Tarif lässt sich auch echte Statistik machen.

Dr. Daniel John, Huk-Coburg, über die Auswertung von Telematik-Daten

20 Prozent der Fahrer bauen 40 Prozent der Unfälle

Daniel John (Bild: Lier)
Daniel John (Bild: Lier)

Während klassische Risikomerkmale wie Typklasse und Schadenfreiheitsrabatt eine Spreizung zwischen guten und schlechten Risiken vom Faktor sieben zeigten, kommt die Huk Coburg-Gruppe bei der Auswertung ihrer Telematik-Daten auf einen Faktor elf.

Konkret heißt dies: Fahrer mit einem schlechten Score-Wert verursachen elfmal so viele Unfälle wie solche mit guten Werten. Oder: 20 Prozent der Fahrer sind für 40 Prozent der Unfälle verantwortlich. „Das zeigt, dass in diesen Daten echt Potenzial steckt“, sagte Dr. Daniel John, Leiter Aktuariat Komposit bei der Huk-Coburg am Donnerstag auf der Businessforum21-Jahrestagung in Köln.

Seinen Angaben zufolge sind in dem Tarif „Smart Driver“ mehr als 70.000 Verträge, die 63 Millionen Fahrerdaten beziehungsweise 133 Terrabyte Datenvolumen geliefert haben. „Mit den über 6.000 Schäden aus diesem Tarif lässt sich auch echte Statistik machen“, so John.

Fahrertypen und weitere Risiko-Merkmale

In den Scorewert der Huk fließen Daten zu Ort, Zeit, Geschwindigkeit, Beschleunigung, Bremsen und Lenken ein. Die Huk-Coburg kann inzwischen das Fahrverhalten bestimmten Fahrertypen zuordnen und damit Aussagen zum Risikoverlauf machen.

„Hartes Kurvenverhalten“, scharfes Bremsen und viele Autobahn-Kilometer sind einige der Merkmale des „sportlichen“ Fahrertyps, so John. Dieser weist eine „sehr hohe“ Unfall-Wahrscheinlichkeit auf. Der professionelle Autofahrer unterscheide sich von diesem Fahrer unter anderem durch geringere Geschwindigkeits-Übertretungen – und einer deutlich geringeren Unfallwahrscheinlichkeit.

Der Pendler fahre viel zu Zeiten des Berufsverkehrs, kaum nachts und selten am Wochenende und hat der Huk-Klassifizierung eine sehr günstige Unfallwahrscheinlichkeit.

Aus diesen Klassifizierungen lasse sich bereits viel erkennen, doch die Huk will diese Daten noch „stärker in den Kontext“ bringen – wie wirken Faktoren wie Straßentyp, Wetter oder Jahreszeit im Zusammenhang mit dem Fahrverhalten.

Im Hintergrund behalten wir natürlich die GDV-Schadenfreiheitsstaffel bei.

Frank Edelmeier, Gothaer Allgemeine Versicherung AG, über das Telematik-Bonussystem

Erkenntnisse werden eingearbeitet

Auch die Fahrmanöver will man stärker analysieren, denn nicht jedes Bremsen ist ein Zeichen für besonders leichtsinniges oder vorsichtiges Verhalten.

Aktuell bearbeitet die Huk ihren Telematik-Tarif. Der „Score 2019“, der allerdings erst im Verlauf des nächsten Jahres angeboten wird, soll die statistischen Erkenntnisse beinhalten. Bisher sind die Scorewerte manuell auf Basis von Testfahrten kalibriert. Beim neuen Tarif werden die Daten durch Sensoren erfasst und nicht mehr durch die vergleichsweise teure Telematik-Box.

In Kürze bringt auch die Gothaer Allgemeine Versicherung AG zusammen mit dem Startup Emil Deutschland AG einen „Pay-as-you-drive“-Tarif auf den Markt, der Telematikdaten über einen OBDll-Stecker erfasst. Neu dabei ist das Bonus-System, bei dem der Kunde alle 2.500 Kilometer, die unfallfrei blieben, in eine günstigere, interne Schadenfreiheitsklasse eingruppiert wird.

„Im Hintergrund behalten wir natürlich die GDV-Schadenfreiheitsstaffel bei“, sagte Frank Edelmeier, der bei der Gothaer den Bereich Kraftfahrt leitet. Zielgruppe für diesen Tarif seien Personen, die pro Woche weniger als 200 Kilometer fahren. Die Gothaer ist bei diesem Tarif Risikoträger und wird sich unter anderem um die Schadenabwicklung kümmern.

Sind wir das nicht alle und kaufen nicht doch viele von uns im Bio-Laden?

Dr. Christoph Samwer, Friday, über preissensible Kunden

Mit Öko-Komponente

Christoph Samwer (Bild: Lier)
Christoph Samwer (Bild: Lier)

Das Startup Friday Deutsche Niederlassung der Friday Insurance S.A. bietet seit 2017 einen Telematik-Tarif. Der kann nun auf Kundenwunsch mit einer freiwilligen CO2-Kompensation bei der Klimaschutzorganisation Myclimate Deutschland GmbH verbunden werden.

Der neue Tarif „FRIDAY +ECO“ verteuert sich damit gegenüber dem Ursprungstarif um fünf bis zehn Prozent beziehungsweise rund 40 Euro, so Hauptbevollmächtiger Dr. Christoph Samwer. Damit dürfte die Tochter der Bâloise-Gruppe ein Alleinstellungsmerkmal haben. „Beim Preisvergleicher Verivox werden wir als Ökotip herausgestellt“, so Samwer. Die besondere Positionierung bei dem Versicherungsmakler koste natürlich.

Eigenen Erhebungen zufolge würden 34 Prozent der Kunden für einen klimaneutralen Kfz-Tarif mehr zahlen. Kunden von Preisvergleichern seien zwar preissensibel, „aber sind wir das nicht alle und kaufen nicht doch viele von uns im Bio-Laden?“, so Samwer.

Die Spende an Myclimate wird so durchgeleitet und basiert auf durchschnittlichen Abgas- und Kilometerwerten, wird also nicht pro Kunden-Fahrzeug erhoben.

 
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