Aufklärungsbedarf: Was kostet die Pflege-Zusatzversicherung?

14.6.2019 – Der Verband der privaten Krankenversicherung warnte am Donnerstag auf seiner Jahrestagung vor weiteren Leistungsausweitungen der sozialen Pflegeversicherung (SPV). Wirkliche Absicherung gäbe es nur durch die private, kapitalgedeckte Zusatzversicherung. Über deren Kosten bestehen offenbar große Wissenslücken. Weniger als jeder 20. ist bereits versichert. Die Zahl der Pflegebedürftigen werde rapide steigen, so der Verband. Gezeigt wurde ein Pflege-Roboter.

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Bei der Jahrestagung des Verbandes der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband) am Donnerstag war das Risiko der Pflegbedürftigkeit ein Themenschwerpunkt.

Der scheidende Verbandsvorsitzende Uwe Laue (VersicherungsJournal 13.6.2019) sagte, die schon bald überforderte Umlagefinanzierung der sozialen Pflegeversicherung (SPV) dürfe nicht noch mehr ausgeweitet werden, sondern müsse sinnvoll ergänzt werden.

Für ihn gibt es nur einen Weg, um das Risiko auch wirklich abzusichern: die private, kapitalgedeckte Pflege-Zusatzversicherung. Sie biete sich gerade für Jüngere an, die die Möglichkeit zur Vorsorge hätten, sagte Laue. „Denn mit privaten Pflege-Zusatzversicherungen können die Menschen ihr komplettes Pflegerisiko mit relativ kleinen Beiträgen absichern.“

Große Wissenslücken

Renate Köcher (Bild: Brüss)
Renate Köcher (Bild: Brüss)

Aber was kostet eigentlich eine Zusatzversicherung? Hier bestehen große Wissenslücken, berichtete Professorin Dr. Renate Köcher unter Berufung auf jüngste Umfrageergebnisse. Es wäre Aufgabe des Verbands oder der PKV-Unternehmen, für Aufklärung zu sorgen. Und klar ist, wer in jungen Jahren schon mit der Risikoabsicherung beginnt, kommt mit kleinen Beiträgen zurecht.

Die Menschen hätten nur sehr schwammige Vorstellungen von einer ergänzenden Police. Viele glaubten auch, ihre Pflege-Pflichtversicherung wäre schon die Zusatzversicherung. Und bei den Kosten reichen die Vorstellungen bis zu 161 Euro im Monat, was sich viele gar nicht leisten können. Von daher besteht hier großer Aufklärungsbedarf seitens der Anbieter oder des Verbandes.

Nach dem gestern auch vorgelegten Tätigkeitsbericht des PKV-Verbandes hatten die Mitgliedsunternehmen Ende 2018 rund 3,66 (2016: 3,45) Millionen Pflege-Zusatzversicherungen im Bestand. Darunter waren knapp 880.000 Verträge mit staatlicher Förderung, dem sogenannten Pflege-Bahr.

Das sind gerade einmal 4,5 Prozent der rund 82 Millionen Pflege-Pflichtversicherten – nicht einmal jeder 20. hat eine Ergänzungspolice.

Technische Optionen für eine menschenwürdige Pflege

Pflegeroboter Pepper (Bild: Brüss)
Pflegeroboter Pepper (Bild: Brüss)

Über den aktuellen Stand zur Entwicklung technischer Optionen für eine menschenwürdige Pflege berichtete auf dem PKV-Verbandstag Dr. Nils Lahmann, stellvertretender Leiter der Forschungsgruppe Geriatrie an der Charité-Universitätsmedizin.

Viele erfolgversprechende Projekte scheitern oft am Geldmangel. Vorgestellt wurde Pepper – ein Roboter in der Pflege. Der spielt und singt mit Patienten.

Pflege-Zahlen werden steigen

Die Demografie-Dividende, die Deutschland derzeit noch dank der geburtenstarken Jahrgänge der noch voll im Erwerbsleben stehenden Babyboomer in Anspruch nehmen kann, wird bald aufgebraucht sein. Das machte Manuel Slupina vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung auf der Jahrestagung deutlich.

Bis 2025 könne man diese Dividende noch nutzen. Dies gelte etwa für die Haltelinien beim Rentenniveau und Rentenbeitrag, sagte Slupina. Diese sollten auch leicht eingehalten werden können.

Aber wenn die ersten Babyboomer in die Rente drängen, dann werde sich das Bild schnell ändern. Und die Zahl der Pflegebedürftigen werde rapide ansteigen, wenn die Babyboomer erst einmal über 80 Jahre alt sein würden.

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