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Allianz lehnt Mehraufwand für Corona-Hygiene ab

18.5.2020 – Auch in Werkstätten und Autohäusern gelten neue Hygieneregeln. Sie sollen Kunden und Mitarbeiter vor eine Covid-19-Infektion schützen. Nun will bereits ein großer Autoversicherer den Mehraufwand für solche Maßnahmen nicht zahlen. Die Begründung überrascht.

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Werkstätten beschweren sich massiv über die Allianz Deutschland AG. Sie weigert sich grundsätzlich, nach Unfallreparaturen aufgrund eines Kfz-Haftpflichtschadens den Aufwand für zusätzliche Corona-Hygienemaßnahmen zu übernehmen. Ein entsprechendes Schreiben des Prüfdienstes Controlexpert GmbH liegt dem VersicherungsJournal vor.

Seit Anfang März ist die Allianz Mehrheitseigentümer bei Controlexpert. Laut dem Schreiben sind die Desinfektionsmaßnahmen keine erforderlichen Kosten im Sinne des § 249 BGB, die der Versicherer nach einem Kfz-Haftpflichtschaden ersetzen muss.

Die Begründung: „Eine Ansteckung durch Oberflächenkontakt halten Virologen für extrem unwahrscheinlich und empfehlen übervorsorglich das Waschen der Hände. Im Übrigen wären solche Aufwendungen bereits in den Gemeinkosten enthalten.“

Wissenschaftler sehen Gefahr

Zur Ansteckungsgefahr werden aber auch andere Meinungen vertreten. So schreibt das Robert-Koch-Institut (RKI) im aktuellen Steckbrief zur Coronavirus-Krankheit-2019: „Eine Übertragung durch kontaminierte Oberflächen ist insbesondere in der unmittelbaren Umgebung des Infizierten nicht auszuschließen, da vermehrungsfähige Sars-CoV-2-Viren unter bestimmten Umständen in der Umwelt nachgewiesen werden können.“

Auch der Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeughandwerks (ZDK) und die Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) haben an die Werkstätten eine Empfehlung herausgegeben. Sie sollen bei Inspektion oder Reparatur Schutzfolien für Lenkrad, Schalthebel und Sitze einsetzen und vor der Rückgabe „Kontaktflächen“ reinigen und das Fahrzeug gründlich durch Öffnen der Türen, des Kofferraums und falls möglich des Dachverdecks lüften.

Branche aufgebracht

Solche zeitaufwendigen Arbeiten, die dem Gesundheitsschutz dienen, sind nun zusätzlich entstanden. Die pauschale Weigerung der Allianz Versicherung hat daher die Werkstattbranche in heller Aufregung versetzt.

„Das ist schon frech und peinlich“, kommentiert Christian Simmert von Schaden.news, einem Onlinemagazin für den Karosserie- und Lackmarkt, das Verhalten des zweitgrößten Kfz-Versicherers.

„Uns liegen mittlerweile mehrere Prüfberichte vor, die Controlexpert für die Allianz Versicherung durchgeführt hat und in denen die Kosten für Corona-Hygienemaßnahmen komplett gestrichen wurden“, so Simmert. Juristen halten die Argumentation der Allianz nicht nur für falsch, sondern auch für „unverantwortlich.“ Eine Nachfrage bei der Allianz konnte bisher nicht beantwortet werden.

Kosten zu hoch?

Ob die Höhe der Kosten – im vorliegenden Fall wurden 70,50 Euro abgerechnet – angemessen sind, könnte hingegen umstritten sein.

So zahlt die SPN Service Partner Netzwerk GmbH lediglich eine Pauschale von 25 Euro. An diesem Netzwerk sind neben der Allianz die ADAC Autoversicherung AG, die Versicherungskammer Bayern VVaG, die SV Sparkassen Versicherung Holding AG, die Feuersozietät Versicherung AG und die Saarland Feuerversicherung AG beteiligt.

Repariert werden hier Kaskoschäden, für die der Autobesitzer mit seiner Versicherung eine Werkstattbindung vertraglich vereinbart hat. Ein ähnliches Partnerwerkstätten-Netzwerk führt die Huk-Coburg-Gruppe. Hier gibt es 45 Euro als Pauschale für Corona-Hygiene im Rahmen von Reparaturen.

Kfz-Versicherer sparen in der Coronakrise

Dem Netzwerk gehören neben den Huk-Coburg-Gesellschaften auch die VHV Versicherung AG, die Gothaer Versicherung AG, die Janitos Versicherung AG, die Debeka-Gruppe und die Concordia VVaG an.

Die Huk-Coburg unterstützt ihre Werkstattpartner seit Anfang März mit Reparaturvorschüssen und kostenfreien Mietwagen für die Kunden, falls die Reparatur aufgrund von Lieferschwierigkeiten länger dauert.

Das strenge Kostenmanagement der Allianz könnte auch angesichts der guten Lage der Autoversicherung insgesamt als problematisch angesehen werden. So ist die Branche derzeit der Gewinner der Coronakrise, denn das Verkehrsaufkommen ist teilweise um 30 Prozent gesunken. Damit geschehen auch deutlich weniger Unfälle.

Nach Schätzungen der DEVK Allgemeine Versicherungs-AG ist das Unfallvolumen während des Lockdowns teilweise um bis zu 50 Prozent gesunken. Selbst nach den Lockerungsmaßnahmen geht der Versicherer davon aus, dass es dauerhaft drei bis fünf Prozent weniger Schäden geben wird, weil das Mobilitätsverhalten sich langfristig verändert.

 
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