13.9.2024 (€) – Der Versicherer hat sich in einem neuen Strategiepapier zum Ziel gesetzt, über die gesamte Gruppe hinweg Kosten einzusparen und überdurchschnittliches Wachstum zu generieren. Dazu soll im Rahmen von kontinuierlichen Portfolioanalysen überprüft werden, welche Maßnahmen notwendig sind. Das Deutschlandgeschäft, das Anleger nach Medienberichten nicht zufriedenstellt, soll fortgeführt werden – in welchem Umfang, bleibt allerdings offen.
Die Baloise Holding AG hat am Donnerstag eine „Refokussierungsstrategie“ vorgelegt. Diese habe den Zweck, auf den bestehenden Stärken des Unternehmens weiter aufzubauen und die Profitabilität zu erhöhen, heißt es in der Schweiz.
Attraktive Aktionärspolitik der Baloise soll weitergeführt werden
Die geplanten Maßnahmen sollen aber vor allem den Aktionären künftig mehr Geld in die Kassen spülen. So wurde unter anderem als Ziel ausgegeben, in den Jahren 2024 bis 2027 Barmittel in Höhe von rund 2,124 Milliarden Euro zu generieren und die Barmittel-Ausschüttungsquote auf 80 Prozent oder mehr zu erhöhen.
Hierzu setze man auf Effizienzsteigerungs- und Kostenmaßnahmen, kontinuierliche Portfolio-Optimierungen und gezieltes Wachstum, wird berichtet. Dies sei die Grundlage für die Weiterführung der attraktiven Aktionärspolitik von Baloise.
Hinzu kommen voraussichtlich Aktienrückkäufe. „Wir prüfen im nächsten Frühling, ein erstes Aktienrückkaufprogramm zu starten“, erklärt das Unternehmen in seinem Strategiepapier.
Anleger unzufrieden mit hiesigem Geschäft
Anfang der Woche war bekannt geworden, dass die Cevian Capital AB mit einer Beteiligung von nunmehr rund 9,4 Prozent zum größten Baloise-Aktionär aufgestiegen ist. Die Schweden haben offensichtlich in diesem Zuge versucht, Einfluss auf die Geschäftsführung zu nehmen.
Laut der „Financial Times“ habe die Investmentgesellschaft gefordert, dass sich die Baloise künftig auf die Länder konzentriere, in denen das Unternehmen am stärksten sei und einen hohen Marktanteil habe, berichtete das Handelsblatt.
Andere Anleger hätten die unterdurchschnittliche Kursentwicklung in den vergangenen Jahren sowie den unbefriedigenden Geschäftsgang in Auslandsmärkten wie etwa Deutschland kritisiert.
Wir setzen uns die Ambition, unsere Kosteffizienz zu verbessern, indem wir unsere Kostenquote im Nichtlebengeschäft senken.
Refokussierungsstrategie der Baloise
Stellenabbau in der gesamten Gruppe
In der Pressemitteilung zum Investoren-Update am Donnerstag heißt es nun: „Baloise will in der Schweiz, Belgien, Deutschland und Luxemburg zu den führenden Versicherungen in ihren attraktiven Zielsegmenten gehören. Hierfür müssen wir unsere Kostendisziplin erhöhen und nachhaltig ertragreiches Wachstum in den Zielsegmenten über dem jeweiligen Marktwachstum erreichen.
Wir setzen uns deshalb die Ambition, unsere Kosteffizienz weiter zu verbessern, indem wir unsere Kostenquote im Nichtlebengeschäft zwischen zwei und drei Prozentpunkten senken. Die entsprechenden Maßnahmen umfassen den über die Gruppe verteilten Abbau von 250 Stellen, Sachkostenoptimierungen sowie Verbesserungen durch die Nutzung neuer Technologien.
Letztere verhelfen auch zur Steigerung der technischen Profitabilität, zum Beispiel in dynamischen Preisgestaltungsmaßnahmen (Dynamic Pricing) oder durch Erkennen von Versicherungsbetrug. Zudem setzen wir künstliche Intelligenz ein, um Wachstum in unseren Märkten zu beschleunigen und für unsere Kunden ein noch besseres Beratungserlebnis zu ermöglichen.“
Das Unternehmen wird sich vorbehalten, Portfolios zu akquirieren, zu sanieren oder sich davon zu trennen.
Refokussierungsstrategie der Baloise
Trennung von unprofitablen Portfolios möglich

- Michael Müller (Bild: Dominik Plüss)
Mit Blick auf die Investoren wurde in dem neuen Strategiepapier außerdem eine Eigenkapitalrendite von zwölf Prozent bis 15 Prozent als Ziel ausgegeben. Alle Geschäftseinheiten sollen dazu beitragen, dies zu erreichen, heißt es. Man werde im Rahmen von kontinuierlichen Portfolioanalysen überprüfen, welche Maßnahmen notwendig seien.
„Wie in der Vergangenheit auch, wird sich das Unternehmen vorbehalten, Portfolios zu akquirieren, zu sanieren oder sich davon zu trennen, sollten diese die neue Vorgabe nicht erfüllen“, schreiben die Schweizer.
Auf dem Investorentag habe sich CEO Michael Müller klar zu den Aktivitäten hierzulande bekannt – allerdings nicht so klar zur Digitaltochter Friday Insurance S.A., berichtete am Donnerstagnachmittag der Versicherungsmonitor. Ob dies ausreichen wird, die Irritationen der vergangenen Tage über die künftigen Ambitionen der Schweizer auf dem deutschen Markt auszuräumen, wird sich zeigen.




