WERBUNG

Zielke rechnet mit Stornowelle in der Lebensversicherung

10.9.2020 – Die makroökonomischen Folgen der Corona-Pandemie sind noch nicht überstanden. „Das Schlimmste liegt noch vor uns“, behauptet Analyst Dr. Carsten Zielke im Vorwort seiner Versicherungsstudie 2020. Mehr Anlagen in Aktien und solchen, die Nachhaltigkeits-Kriterien berücksichtigen, sind seiner Analyse zufolge eine Lösung.

Kaum Neugeschäft und eine Kündigungswelle als Folge der Corona-Pandemie könnten zusammen mit den Problemen, die Zinszusatzreserve zu finanzieren, ab 2024 zu einer angespannten Liquiditätslage führen. Das prognostiziert Dr. Carsten Zielke, Chef der Zielke Research Consult GmbH.

Aktiv für die Beleihung der Lebensversicherung werben

„Bei vielen Gesellschaften kamen die Vertragsabteilungen mit den Anträgen auf Beitragsfreistellung oder Stundung nicht mehr hinterher“, schreibt er in seiner „Versicherungsstudie 2020 – Vor oder nach dem Tsunami?“.

Diese beinhaltet auch die Ergebnisse der schon vorgestellten Analysen der Corporate Social Responsibility- (CSR-) Berichte von 41 Erst- und Rückversichern sowie der Solvenzberichte der Lebensversicherer (VersicherungsJournal 24.3.2020, 9.7.2020).

Den Versicherern rät er, die Möglichkeiten der Beleihung als Alternative zur Kündigung aktiv zu bewerben. Angesichts der niedrigen Zinsen könnten sich die Versicherten so zumindest ohne große Abschläge die Schlussüberschuss-Gewinnanteile sichern.

Die Versicherer sollten ihrer Klientel zeigen, dass es sich lohne, die Versicherung zu halten. Dazu zählten auch die Nachhaltigkeits- (ESG- Environmental Social Governance)-Kriterien. „Um den Kunden zu halten, muss man ihm ein gutes Gewissen geben“, so Zielke.

Nur eine höhere Aktienquote kann den Lebensversicherern aus der Misere helfen.

Dr. Carsten Zielke

Stärkere Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage gefordert

Die Ausrichtung auf Nachhaltigkeit müsse sich immer stärker auch in der Kapitalanlagestrategie widerspiegeln. Er erinnert daran, dass die Kunden ab März 2021 in der Beratung ihre Präferenzen hinsichtlich Nachhaltigkeit abgeben müssen.

„Wer da nicht lieferfähig ist, wird im Abseits landen“, warnt er. Die weitere Diversifikation hätte vor allem das Dilemma um die Zinszusatzreserve vermieden, behauptet er. „Nur eine höhere Aktienquote kann den Lebensversicherern aus der Misere helfen“, so die Studie. In Österreich betrage der Anteil der Aktien am Anlagekapital 15 Prozent.

„Hätten die deutschen Versicherer ähnlich wie die Österreicher gehandelt, hätten sie heute keine Probleme, ihre Garantieversprechen einzuhalten“, meint Zielke. „Negativzinsen sind das neue Normalmaß.“

Die Lebensversicherer könnten ihr Garantiegeschäft daher nur meistern, wenn sie die Zinsabhängigkeit reduzierten – also weniger in festverzinsliche Anlagen investieren. Nur mit Aktien ließe sich derzeit auch eine laufende Verzinsung erzielen, die über dem Garantiezins liegt.

Zielke warnt vor Liquiditätsproblemen

Der Analyst verweist auf Zahlen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) von 2018: Danach betrugen die Rückkäufe in der kapitalbildenden Lebensversicherung gut sieben Milliarden Euro (Versicherungssumme) bei 25,3 Milliarden Euro regulärer Abläufe. Bei Renten waren es 9,6 Milliarden Euro Storno und nur 6,3 Milliarden Euro natürliche Abläufe.

Würden sich die Rückkäufe nun durch die Pandemie und die abzusehende Wirtschaftsflaute verdoppeln, müsste die Branche kurzfristig etwa 16 Milliarden Euro an Liquidität schaffen. Trotz Beitragseinnahmen von 90 Milliarden Euro jährlich wären bereits fünf Milliarden Euro kurzfristiger Mittel eine Herausforderung, so Zielke.

Die Lebensversicherer müssen seiner Berechnung nach 2020 über 15 Milliarden Euro der Zinszusatzreserve (ZZR) zuführen. Weitere Erleichterungen durch den Gesetzgeber seien hier nicht zu erwarten. Spätestens ab 2024 hätten die Lebensversicherer bei der Zinsentwicklung keine stillen Reserven mehr, um die Erträge für die ZZR zu finanzieren.

Zusammen mit dem Einbruch des Neugeschäftes durch die Coronakrise und die Stornowelle könne dies zu der angespannten Liquiditätslage führen.

Leserbriefe zum Artikel:

Peter Schramm - Jedes vorzeitige Storno hilft dem Versicherer. mehr ...

 
WERBUNG
WERBUNG
Inserieren im Anzeigenmarkt

Das VersicherungsJournal ist eines der meistgelesenen Medien in der Branche, siehe Abrufzahlen.

So finden Sie zielsicher Ihre neuen Mitarbeiter, Arbeitgeber oder Geschäftspartner. Nutzen Sie die schnelle und direkte Zielgruppenansprache zu günstigen Konditionen. Gesuche werden kostenlos veröffentlicht.

Erteilen Sie hier Ihren Anzeigenauftrag für Angebote und Verschiedenes oder Gesuche, oder lassen sich persönlich beraten!

Beachten Sie auch die Seite Aktuelles für Stellenanbieter.

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
WERBUNG
Wie gehen Sie mit dem zunehmenden Effizienzdruck um?

Die neue BVK-Studie deckt die Erfolgsfaktoren des Versicherungsvertriebs auf und zeigt Ihnen, wie auch Sie Ihren Betrieb effizienter gestalten und sich für die Zukunft wappnen können.

Mehr Informationen erhalten Sie unter diesem Link...

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Einmaleins des Wettbewerbsrechts

WettbewerbsrechtEs gibt viele rechtliche Fallstricke, über die ein Vermittler bei seinen Werbeaktionen stolpern kann. Ein Praktikerhandbuch zeigt, wie sie zu vermeiden sind.

Interessiert? Dann klicken Sie hier!

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
4.3.2020 – Der Marktführer in der Krankenversicherung hat 2019 wieder die meisten Vollversicherten gewonnen. Nachhaltigkeit soll künftig eine stärkere Rolle spielen. Die Krise der Pensionskassen trifft auch den Versicherungskonzern. (Bild: Schmidt-Kasparek) mehr ...
 
17.8.2020 – Trotz der Warnung der Aktuare und erheblicher Bedenken der Versicherungsaufsicht bleibt den Lebensversicherern der bisherige Kalkulations-Spielraum voraussichtlich auch 2021 erhalten. Das gilt zumindest theoretisch, aber nicht unbedingt praktisch. Warum das so ist. (Bild: Meyer) mehr ...
 
5.5.2020 – Die Coronakrise trifft die Assekuranz vor allem über den Kapitalmarkt, sprich die Zinsen. Die Versicherungsrisiken durch die Pandemie seien nicht existenzbedrohend, erklärte die DAV. Aber mit vollständigem Beitragserhalt wird Riester nicht mehr funktionieren. (Bild: Lier) mehr ...
 
7.4.2020 – Mit viel Einmalbeitrags-Geschäft hat der Lebensversicherer 2019 das Neugeschäft erheblich gesteigert. Wo Corona den Versicherer empfindlich treffen kann, steht im SFCR-Bericht. Für den Sommer wird eine neue Rentenversicherungs-Linie angekündigt. (Bild: Pixabay, CC0) mehr ...
 
17.1.2020 – Verbraucherschützer haben massive Bedenken wegen des Zustands der Anbieter in Deutschland, sie fürchten das baldige Scheitern einiger Marktteilnehmer. „Das Stehaufmännchen ist am Boden“, hieß es gestern im Rahmen eines Fachseminars. (Bild: Achenbach) mehr ...
 
30.10.2019 – Das Rating von Softfair wurde mit dem Scoring von Ascore zusammengelegt. Bewertet wurden „Erfahrung“, „Sicherheit, „Erfolg“ und „Bestand“ von 68 Unternehmen. Neben drei schwächelnden Anbietern zeigt sich eine größer gewordene Spitzengruppe. (Bild: Wichert) mehr ...
WERBUNG