Unzureichend gewarnt vor bissigem Hund?

24.5.2019 – Eine Frau war auf dem Gelände einer Tierfarm von einem Schäferhund angegriffen und verletzt worden. Der Hundehalter behauptete, auf die Gefahr hingewiesen zu haben, und hielt sich nicht für den Zwischenfall verantwortlich. (Bild: Pixabay CC0)

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Die Klägerin befand sich auf dem Gelände einer Tierfarm, als sie auf einem Feldweg zwischen den eingezäunten Tiergehegen unvermittelt von einem Schäferhund der Betreiberin der Farm attackiert wurde.

Bei ihrem Versuch, das Tier abzuwehren, erlitt die Frau erhebliche Verletzungen an ihrem rechten Arm sowie an ihrem Oberkörper. Sie hatte mit erheblichen Wundschmerzen zu kämpfen und trug dauerhafte Narben im Brustbereich davon. Darüber hinaus litt sie auch psychisch an den traumatischen Folgen des Angriffs.

Klage gegen Hundehalter

Die Klägerin verlangte daher vom Hundehalter, Schadenersatz zu leisten sowie ihr ein angemessenes Schmerzensgeld zu zahlen. Dieser hielt die Forderung für unbegründet. Denn er sei mit einem Schild, auf dem „Wertvoller Tierbestand. Betreten für Unbefugte verboten“ stand, sowie einer weiteren Tafel, auf der vor einem bissigen Hund gewarnt wurde, in ausreichender Weise seiner Verkehrssicherungs-Pflicht nachgekommen.

Auf dem Gelände habe außerdem ein Schild mit dem Hinweis „Durchgang verboten“ gestanden. Das habe die Klägerin ignoriert.

Kein ausreichender Hinweis

Das Augsburger Amtsgericht hielt diese Maßnahmen für unzureichend. Es verurteilte den Hundehalter daher dazu, die materiellen Schäden der Klägerin zu ersetzen und ihr ein Schmerzensgeld in Höhe von 1.800 Euro zu zahlen.

Nach Ansicht des Gerichts ist ein Schild mit dem Hinweis „Durchgang verboten“ kein ausreichender Hinweis, um vor einem aggressiven Hund zu warnen. Wer ein solche Tafel passiert, muss nämlich nicht mit einer Attacke rechnen.

Rechtskräftig

Die Platte mit der Aufschrift „Vorsicht bissiger Hund“ war nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme teilweise von einem Gebüsch verdeckt. Um zu dem Schild zu gelangen, habe man außerdem den überwiegenden Teil eines Weges zu einem Haus zurücklegen müssen. Diese Anbringung habe daher ebenfalls nicht ausgereicht, um eine Verkehrssicherungs-Pflicht zu erfüllen.

Der Hundehalter hat seine gegen das Urteil eingelegte Berufung zurückgenommen. Die Entscheidung ist daher rechtskräftig.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Schadenersatz · Schmerzensgeld · Verkehrssicherungspflicht
 
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