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Tierarzt muss 250.000 Euro Schadenersatz leisten

14.1.2020 – Hat ein Tierarzt einen Tierhalter vor einem Eingriff nicht in der gebotenen Ausführlichkeit über mögliche Risiken aufgeklärt, kann er auch dann zum Schadenersatz verpflichtet sein, wenn ihm bei dem Eingriff kein Kunstfehler unterlaufen ist. Das geht aus einem Urteil des Oberlandesgerichts München vom 9. Januar 2020 hervor (1 U 3011/19).

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Geklagt hat die Halterin eines wertvollen Dressurpferdes, das unter Husten litt. Sie hatte daher den Tierarzt, der seit Längerem mit der Untersuchung und Behandlung ihrer Pferde betraut gewesen war, gebeten, nach dem Tier zu schauen.

Der Mann hatte das Pferd mit einem Stethoskop abgehört und dabei ein leichtes Geräusch der Lunge gehört. In Folge diagnostizierte der Tiermediziner eine leichte Kehlkopfentzündung.

Er riet der Klägerin zu einer homöopathischen Behandlung, um eine Verschlimmerung der Erkältung zu verhindern und einem möglicherweise chronischen Leiden vorzubeugen. Im Rahmen der Behandlung entnahm er dem Pferd Blut, das er mit Medikamenten vermischte und anschließend wieder injizierte.

Tod nach Erkältungskrankheit

Kurz nach der Behandlung ging der Arzt in die Reithalle des Gestüts. Weil aus den Pferdeboxen ungewöhnliche Geräusche zu vernehmen waren, kehrte er jedoch zu dem behandelten Tier zurück. Dieses zeigte krampfähnliche Schockreaktionen und war bereits zu Boden gegangen.

Der Arzt eilte daraufhin zu seinem Auto und holte ein Gegenmittel, das er dem Pferd verabreichte. Dennoch konnte das Tier nicht gerettet werden. Bei einer Obduktion wurde als Todesursache schließlich ein Herz-Kreislaufversagen mit einem Schockgeschehen festgestellt. Anzeichen für eine Vorschädigung oder eine Vorerkrankung ergaben sich nicht.

Behandlungsfehler?

Die Halterin des Dressurpferdes warf dem Tierarzt einen Behandlungsfehler vor. Sie behauptete, nach der Injektion sei es erforderlich gewesen, zunächst bei dem Tier zu bleiben und es zu beobachten. Im Übrigen sei das Gegenmittel zu spät verabreicht worden. Das Dressurpferd sei daher letztlich an einem anaphylaktischen Schock infolge der Injektionsbehandlung gestorben.

Der Arzt habe es zudem versäumt, sie über etwaige Risiken, insbesondere die eines anaphylaktischen Schocks, aufzuklären. Denn dann hätte sie die Behandlung der wertvollen Stute, die sie zu einem Preis von 1,75 Millionen Euro erworben hatte, nicht durchführen lassen. Es hätten nämlich durchaus andere Behandlungsmethoden zur Verfügung gestanden.

Unauffälliges Verhalten

In dem anschließenden Schadenersatzprozess verteidigte sich der Tiermediziner damit, dass er aus ärztlicher Sicht nichts falsch gemacht habe.

Als langjährige Reitstallbesitzerin und Eigentümerin wertvoller Pferde sei die Klägerin über die gängigen Behandlungsmethoden einschließlich eventueller Risiken, insbesondere der Möglichkeit eines unberechenbar auftretenden anaphylaktischen Schocks, informiert gewesen. Sie hätte daher mit Gewissheit auch im Falle der von ihr geforderten Aufklärung die Behandlung gewünscht.

Nach der Behandlung hätten er und weitere Personen vor den Boxen des Tieres einige Minuten gewartet. Dabei sei das Pferd völlig unauffällig gewesen.

Risikolose Form einer Behandlung

Darüber hinaus sei nach einer risikolosen homöopathischen Eigenblutspende keine tierärztliche Beobachtung erforderlich. Denn es habe sich um eine völlig ungefährliche Behandlung gehandelt. Der Stute sei allein im Jahr ihres Todes insgesamt sieben Mal Eigenblut verabreicht worden. Diese Behandlungen seien völlig komplikationsfrei verlaufen.

Bei einer homöopathischen Behandlung handele es sich um die risikolosteste Form, um eine Verschlimmerung des Krankheitsbildes zu verhindern. Auch der Zeitpunkt der Behandlung sei nicht falsch gewählt worden. Ihm könne folglich weder eine unterlassene Aufklärung über die Behandlungsrisiken, noch ein Behandlungsfehler zur Last gelegt werden.

Unzureichende Beratung

Letzteres wurde nach Einholung eines veterinärmedizinischen Gutachtes weder von dem in erster Instanz mit dem Fall befassten Landgericht München II noch vom Münchener Oberlandesgericht bestritten. Die Richter verurteilten den Tierarzt trotz allem zur Zahlung von Schadenersatz.

Sie gingen davon aus, dass der Beklagte die Klägerin hinsichtlich des Erfordernis einer Behandlung und ihrer Risiken nicht pflichtgemäß beraten und aufgeklärt hatte. Die Behandlung sei nämlich nicht dringend erforderlich gewesen. Ein weiteres Zuwarten sei vielmehr eine echte Alternative zu der von dem Arzt durchgeführten Maßnahme gewesen.

„Aufgrund des hohen Wertes des Pferdes, der geringen Notwendigkeit überhaupt eine Therapie durchführen zu müssen, der möglicherweise bei der Behandlung auftretenden anaphylaktischen Reaktionen, wäre verstärkt eine besondere Aufklärung über das grundsätzlich mögliche, wenn auch seltene Risiko eines anaphylaktischen Schocks mit Todesfolge angezeigt gewesen“, so das Berufungsgericht.

Schadensersatzzahlung

Über die möglichen Risiken einer Injektions- und Eigenblutbehandlung mit homöopathischen Mitteln habe der Beklagte die Tierhalterin jedoch nicht aufgeklärt.

Wie schon die Vorinstanz, hielt jedoch auch das Oberlandesgericht eine Schadensersatzzahlung in Höhe von 250.000 Euro für ausreichend. Denn das sei nach den Feststellungen eines Sachverständigen der Wert des Pferdes zum Todeszeitpunkt gewesen.

Die Richter sahen keine Veranlassung, eine Revision gegen ihre Entscheidung zuzulassen.

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Schadenersatz
 
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