Teure Versicherungslücken

13.9.2019 – Wirtschaftsspionage, Sabotage und Datendiebstahl kommt die deutsche Wirtschaft teuer zu stehen. Der Digitalverband Bitkom hatte den dadurch entstandenen Schaden 2017 auf 55 Milliarden Euro geschätzt. Andere Schätzungen gehen von Dunkelziffern bis zu 100 Milliarden aus. Auf der MCC-Konferenz „Cyberrisks for Critical Infrastructures“ ging es um den Umgang mit der Bedrohung.

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Große Unternehmen sind in Teilen gut gegen Cyber-Crime aufgestellt. Doch auch kleine Firmen verfügen über wichtige Daten, die zu schützen sind. Das sagte Hans-Wilhelm Dünn, Präsident Cyber-Sicherheitsrat Deutschland e.V., am Donnerstag in Bonn auf der MCC-Konferenz „Cyberrisks for Critical Infrastructures“.

Tatort Tierpension

Hans-Wilhelm Dünn (Bild: Lier)
Hans-Wilhelm Dünn (Bild: Lier)

Beispiel: Tierpension. Wer hier sein Haustier abgibt, hinterlässt im Regelfall viele persönliche Daten wie E-Mail-Adressen, Urlaubszeiten und nicht selten auch Indikatoren zum Einkommen. Für Phishing, Ransome und ähnliche kriminelle Aktivitäten bietet auch ein solch kleines Unternehmen einige Ansatzpunkte.

Cybersicherheit müsse eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe für Wirtschaft, Staat und Wissenschaft sein.

Von den Sicherheitsproblemen in der IT-Technik sind Experten nach Einschätzung von Dr. Michael Kreutzer vom Fraunhofer Institut für Sichere Informationstechnologie rund 80 Prozent bekannt, werden aber nicht entsprechend behoben.

„Wir sehen uns einer riesigen Welle von Lücken gegenüber, die man hätte fixen können, es aber nicht getan hat“, sagte Kreutzer. Im Durchschnitt werde ein Cyber-Angriff erst nach 99 Tage bemerkt. Dank zunehmender Achtsamkeit habe sich dieser Zeitraum damit bereits von unlängst noch 150 Tagen verkürzt.

Neue Tricks

Michael Kreutzer (Bild: Lier)
Michael Kreutzer  (Bild: Lier)

Kreutzer nannte eine Reihe von Beispielen für Sicherheitslücken. Neu sei beispielsweise die Erpressung, nachdem die E-Mail-Adresse massenhaft in Newslettern eingetragen worden sei. „Das funktioniert nicht über Botnetze oder Netzwerke, sondern über eine Technik, die für 20 Dollar im Darknet zu kaufen ist“, so Kreutzer.

Für die Betroffenen gebe es wenige Schutzmechanismen. Neu sei auch das Abfangen von E-Mails, die PDF-Dateien mit Rechnungen beinhalten. Letztere würden dann mit neuer Kontonummer versehen und mit der Original-E-Mail an den Empfänger versendet, der die Manipulation nicht erkennen könne.

Wirtschaftsspionage, Sabotage und Datendiebstahl kommt die deutsche Wirtschaft teuer zu stehen. Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom) hatte den dadurch entstandenen Schaden 2017 auf 55 Milliarden Euro geschätzt. Danach waren 53 Prozent der Unternehmen innerhalb der letzten zwei Jahre Opfer von Cyber-Crime.

Facebook & Co.

Viele Cyber-Angriffe werden nach wie vor erst durch falsches Handeln von Mitarbeitern möglich. Henning Voß, Referent Wirtschaftsschutz vom Landesverfassungsschutz NRW, warnte davor, dass unvorsichtig mit vermeintlich unwichtigen Daten umgegangen werde.

Peter Vahrenhorst (Bild: Lier)
Peter Vahrenhorst  (Bild: Lier)

Über soziale Medien – Karrierenetzwerke oder auch die privaten Netzwerke – bekämen Angreifer eine Fülle von Informationen, die sie für Social Engineering ausnutzen würden. Seien private Interessen erst einmal bekannt, folgten manipulierte E-Mails mit Schadsoftware.

Er wie auch andere Referenten der Tagung empfahlen, Notfall-Pläne aufzustellen. Laut Bitkom-Studie mangelt es daran in noch mehr als jedem zweiten Unternehmen.

Diese Pläne sollten physisch in der Schublade liegen und auch den Umgang mit Fehlern im Betrieb regeln, sagte Kriminalhauptkommissar Peter Vahrenhorst vom Kompetenzzentrum Cyber-Crime des Landeskriminalamtes NRW.

Da Cyber-Angriffe zeitkritisch seien, sei es wichtig, dass die Mitarbeiter sich trauten, in Notfallsituationen zu regieren. Dies gelte auch, wenn sie selbst falsch gehandelt hätten, so Vahrenhorst.

Reaktion von Versicherern

Am Rande der Veranstaltung schätzten Vertreter von Versicherungen, die Cyber-Policen anbieten, die Entwicklung aus ihrer Sicht ein.

Sie erwarten angesichts der Schäden, dass die Deckungssummen zurückgenommen oder höhere Summen nur noch von Konsortien angeboten werden. Das Risiko müsse atomisiert und im Wege der fakultativen Rückversicherung weitergegeben werden.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Cyberversicherung · Mitarbeiter · Rückversicherung · Social Media · Technik
 
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