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Statt Inkassounternehmen ein bisschen wie Ikea, Aldi und Apple

16.11.2018 – Wie die private Krankenversicherung mit dem digitalen Wandel klar kommt, war eines der Themen bei 23. Kölner Versicherungssymposium des Instituts für Versicherungswesen der Technischen Hochschule Köln. Dort sprach sich der künftige PKV-Verbandsdirektor Dr. Florian Reuther für ein Kapitaldeckungs-Verfahren für die diskutierte Vollkasko-Pflege aus.

Seit 2009 wurden in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) keine Leistungen mehr gestrichen, weshalb die Vermittler nach Einschätzung von Daniel Bahr, Vorstand der Allianz Private Krankenversicherungs-AG (APKV), mehr Überzeugungsarbeit für den Wechsel von GKV-Versicherten in das private System leisten müssen.

Die PKV steht vor einer enormen Transformationsaufgabe.

Daniel Bahr, Vorstand der Allianz Private Krankenversicherungs-AG

Partner im Ökosystem Gesundheit gesucht

Daniel Bahr (Bild: Lier)
Daniel Bahr (Bild: Lier)

Mit Leistungen, die sich an der „medizinischen Notwendigkeit“ und nicht an einem Wirtschaftlichkeits-Gebot orientierten, und die bis zum Vertragsende garantiert seien, beschrieb der ehemalige Bundes-Gesundheitsminister auf dem 23. Kölner Versicherungssymposium des Instituts für Versicherungswesen der Technischen Hochschule Köln einige wichtige Argumente.

Die Versicherer müssten ihr Verhältnis zum Kunden aber auch ändern. Statt Inkassounternehmen und Kostenerstatter mit Verwaltungsdeutsch wünschten sich die Kunden einen „Partner im Ökosystem Gesundheit über den gesamten Lifecycle“, der mit ihnen Kontinuierlich im Kontakt stehe und ihnen attraktive Services leiste.

„Die PKV steht vor einer enormen Transformationsaufgabe“, so Bahr. Man müsse sich mit branchenfremden Dritten messen.

Dabei verwies er auf eine Befragung, wonach sich 29 Prozent der Deutschen ihren Krankenversicherer wie Aldi, 18 Prozent wie Ikea und 15 Prozent wie Apple wünschten. In der Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen wollten jeweils ein Fünftel, dass ihr PKV-Versicherer wie Amazon, Facebook beziehungsweise Apple ist.

Kunden wollen schnelle Zahlungen

Es gehe den Kunden also um Faktoren wie „one click shopping“ und „same day delivery“, so Bahr. Wer Amazon nutze, habe wenig Verständnis für lange Zahlungsvorgänge wie in der PKV. Die Notwendigkeit, Rechnungen beim Versicherer einreichen zu müssen, sei der zweithäufigste Hinderungsgrund für den Wechsel in die PKV. Die größte Hürde sei die Familienmitversicherung in der GKV.

Für die Vollversicherung habe die APKV seit zwei Jahren eine Online-Antragsstrecke, mit der der Versicherungsschutz direkt abschließbar sei. „Es wird zwar noch lange dauern, bis die Vollversicherung online verkauft wird, aber immerhin vergleichen 80 Prozent zuvor im Internet. Und wenn man als Unternehmen so etwas nicht bietet, ist man für den Kunden nicht präsent“, so Bahr.

Er bedauert es, dass man den Kunden aus rechtlichen Gründen keine „Krankenversicherung auf Probe“ anbieten kann. Mit der neuen IT könne die AKPV nun 67 Prozent aller Rechnungen tagesaktuell erstatten. Als weitere Elemente für die Transformation nannte er das telemedizinische Angebot „doc on call“ und die elektronische Gesundheitsakte „Vivy“.

Wir haben die Kosten im Griff, und es droht keine Kostenexplosion.

Dr. Florian Reuther, PKV-Verband

Umlage ist für den PKV-Verband ein Irrweg

Florian Reuther (Bild: Lier)
Florian Reuther (Bild: Lier)

Wenig überraschend sprach sich Dr. Florian Reuther beim Ausbau der Pflegeversicherung zu einer „Vollkasko-Pflege“ für das Kapitalumlageverfahren aus. „Die Umlage ist ein Irrweg“, sagte der Leiter der Rechtsabteilung des Verbands der privaten Krankenversicherung e.V., (PKV) der im Februar 2019 neuer Verbandsdirektor wird (VersicherungsJournal 9.4.2018).

Zehn Jahre nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers sei die Skepsis gegen Kapitaldeckung zwar noch weit verbreitet. „Für die private Kranken- sowie die Pflegeversicherung funktioniert sie aber sehr gut“, sagte Reuther und verwies auf Branchenzahlen: Danach haben die PKV-Unternehmen 2017 trotz Niedrigzinsphase eine Nettoverzinsung von durchschnittlich 3,46 Prozent erwirtschaftet. Rund 20 Prozent ihrer Einnahmen kamen aus den Kapitalerträgen.

Die Alterungsrückstellungen verdoppelten sich in den letzten zehn Jahren auf 245 Milliarden Euro und könnten damit neun Jahre die Leistungsausgaben der Privatversicherten finanzieren.

Trotz dieser erheblichen Vorsorge entwickelten sich die Kosten aber parallel zur gesetzlichen Krankenversicherung, die im Zuge des Umlagesystems keine Rückstellungen bilde. „Wir haben die Kosten im Griff, und es droht keine Kostenexplosion“, so Reuther.

Nicht so sichtbares Wachstumsfeld

Für die 1995 eingeführte Pflege-Pflichtversicherung zahlten die privat Versicherten seit 2008/9 weniger als die gesetzlich Versicherten. Dabei hätten die PKV-Unternehmen auch hier bereits 34,5 Milliarden Euro Alterungsrückstellungen aufgebaut.

Die PKV hält Reuther für ein „Wachstumsfeld, auch wenn das im Moment nicht so sichtbar ist.“ Die Zahl der Vollversicherten sei seit 2006 um 3,5 auf 8,75 Millionen Personen gewachsen.

Bei den Zusatzversicherten betrug der Zuwachs in dieser Zeit sogar 40 Prozent auf 25,52 Millionen. „Niemals gab es so viele Zusatzversicherungen wie jetzt. Es gibt einen Bewusstseinswandel, aber die Zahl lässt auch einen Rückschluss auf den Zustand der GKV zu.“

 
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