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Schädlingsbefall: Wer haftet, wenn zwei Handwerker pfuschen

26.6.2020 – Zwei Handwerkerfirmen waren damit beauftragt worden, das Dachgeschoss eines Hauses zu sanieren. Dabei hatten sie es unterlassen, die Bauherrin auf erkennbaren Schädlingsbefall hinzuweisen. Die Unternehmen sind daher zum Schadenersatz verpflichtet. Das hat das Landgericht Bremen mit Urteil vom 14. Februar 2020 entschieden (4 O 1372/12).

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Die Klägerin hatte zwei Handwerksbetriebe damit beauftragt, das Dachgeschoss ihres Mehrfamilienhauses zu sanieren.

Das eine Unternehmen sollte die Zimmerer- und Innenausbauarbeiten übernehmen. Die zweite Firma wurde damit beauftragt, die vorhandene Dach-, First- und Grateindeckung abzunehmen, eine Wärmedämmung des Daches vorzunehmen und das Dach neu einzudecken.

Befall durch Hausbock

Nach Abschluss der Arbeiten wurde die Dachgeschosswohnung von neuen Mietern bezogen. Diese beschwerten sich kurz nach dem Einzug über Fraßgeräusche sowie über das Auftreten von Fraßmehl und frischen Löchern in den freiliegenden Holzbalken der Wohnung. Sie minderten daher die Miete und verlangten eine Schädlingsbekämpfung.

Ein daraufhin von der Bauherrin beauftragter Sachverständiger kam zu dem Ergebnis, dass die Balken durch Hausbock befallen sind. Dieser Zustand habe schon mindestens drei bis fünf Jahre vorgelegen. Der Schädlingsbefall habe von den Handwerkern beider Unternehmen problemlos erkannt werden können.

Zahlung von Schadenersatz durch Handwerksfirmen?

Das nahm die Hauseigentümerin zum Anlass, die Handwerksfirmen gesamtschuldnerisch auf die Zahlung von Schadenersatz zu verklagen. Diese hätten es unstreitig unterlassen, sie auf den Befall der Balken durch Hausbock hinzuweisen.

Daher hätten erneut Sanierungsarbeiten durchgeführt werden müssen. Der ihr dadurch entstandenen Schaden sei durch die Handwerksunternehmen zu ersetzen.

Beide Firmen bestritten, dass sie den Schädlingsbefall hätten erkennen müssen. Er habe bei Beginn der Arbeiten noch nicht vorgelegen. Sie hielten die Forderung daher für unbegründet.

Doch dem schloss sich das Bremer Landgericht nicht an und gab stattdessen der Klage statt.

Prüfungs- und Hinweispflicht

Die Frau und die beklagten Handwerker hatten Werkverträge abgeschlossen. Nach Ansicht der Richter habe sich aus diesen die Nebenpflicht ergeben, das Dachgeschoss vor Beginn der Sanierungsarbeiten auf Vorschäden zu überprüfen und die Bauherrin auf den erkennbaren Schädlingsbefall hinzuweisen.

„Der DIN 18334 ist zu entnehmen, dass Dachdecker und Zimmerer vor Beginn ihrer Arbeiten Bedenken anzumelden haben bei der ungeeigneten Tragfähigkeit des Untergrundes und bei dessen ungeeigneter Beschaffenheit.

Beide Beklagte konnten die Geeignetheit der Tragfähigkeit der vorhandenen Dachkonstruktion und des Untergrundes nur im Rahmen der gebotenen Prüfung des Altbestandes feststellen. Hierzu gehört auch die Sichtprüfung der freiliegenden Sparren“, so das Gericht in seiner Urteilsbegründung.

Im Übrigen ergebe sich aus den allgemeinen Grundsätzen der Obhutspflichten eines Werkunternehmers in Fällen wie diesem eine Prüfungs- und Hinweispflicht.

Gleiche Verschuldensanteile

Im Zuge der Arbeiten im Dachgeschoss seien sämtliche Holzteile des Dachstuhls einschließlich des Spitzdaches des Anbaus freigelegt worden. Anschließend seien von den Beklagten umfangreiche Arbeiten in diesem Bereich vorgenommen worden.

Es müsse daher davon ausgegangen werden, dass hierbei die sichtbaren Warnsignale, die auf einen Schädlingsbefall hingewiesen hätten, schlichtweg übersehen worden seien. Zu diesem Schluss sei auch der Sachverständige gekommen. Es sei nicht davon auszugehen, dass die Handwerker den Schädlingsbefall unverschuldet nicht erkannt haben könnten.

Beide beklagten Unternehmen hätten es gleichermaßen in der Hand gehabt, den Schädlingsbefall zu erkennen – etwa bei der Sichtung des Altbestandes für die Angebotserstellung, spätestens aber bei der gebotenen Sichtung des Altbestandes vor Beginn der Werkarbeiten. Darum ist nach Auffassung des Bremer Landgerichts von einer Haftung mit gleichem Anteil auszugehen.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Beitragsrückerstattung · Schadenersatz
 
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