PKV: Corona beweist Überlegenheit des dualen Systems

4.9.2020 – Die private Krankenversicherung sieht sich als wesentlichen Träger eines dualen Krankensystems, dass in der Corona-Pandemie seine Effizienz bewiesen hat. Gleichzeitig sei das Gesundheitsbewusstsein in der deutschen Bevölkerung gestiegen. Ob sich das in mehr Neugeschäft ummünzen lässt, kann die Branchenlobby bisher aber nicht beantworten.

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Das duale System von privater und staatlicher Krankenversicherung ist Grund dafür, dass die Corona-Krise in Deutschland besonders gut gemeistert wurde.

Diese Meinung, die auch hochrangige Funktionäre, wie Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, vertreten, unterstricht Dr. Florian Reuther, Direktor des Verbandes der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband), auf einer Online-Pressekonferenz zur Corona-Pandemie.

Hohe Zustimmung zum Gesundheitssystem

Laut dem Institut für Demoskopie Allensbach GmbH hätten in einer repräsentativen Umfrage 89 Prozent das Gesundheitssystem mit „gut“ oder sogar „sehr gut“ bewertet. Das ist laut dem Verbandsdirektor die höchste Zustimmungsrate seit 20 Jahren.

Die Pandemie konnte laut Reuther in Deutschland so gut gemeistert werden, weil viele infizierte Menschen außerhalb der Krankenhäuser behandelt werden konnten. Das sei der Struktur aus privater und staatlicher Krankenversicherung zu verdanken. Reuther: „Das war anders als in Italien, wo Krankenhäuser unfreiwillig zu Corona-Hotspots wurden.“

In Deutschland wurden Infizierte weit überwiegend ambulant versorgt (Bild: WIP)
In Deutschland wurden Infizierte weit überwiegend ambulant versorgt (Bild: WIP)

Die „gute“ Corona-Bilanz hob auch Dr. Frank Wild, Leiter des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) hervor. Trotz einer vergleichsweise alten Bevölkerung und einem hohen Anteil von Personen mit Risikofaktoren sei Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern bislang sehr gut durch die Pandemie gekommen.

Deutschland hätte es härter treffen müssen

„Das hätte uns eigentlich viel härter treffen müssen“, sagte Wild. So konnte man in Deutschland bereits im Februar in der Fläche testen. „Das konnte sonst kein anderes Land“, behauptete er. Sehr eindrucksvoll sei es zudem, dass relativ wenige Menschen in Pflegeheimen an Covid-19 verstorben seien. Nur Österreich hat eine leicht bessere Bilanz.

In Deutschland sind Pflegebedürftige in Pflegeheimen vergleichsweise wenig von Corona betroffen (Bild: WIP)
In Deutschland sind Pflegebedürftige in Pflegeheimen vergleichsweise wenig von Corona betroffen (Bild: WIP)

Die PKV würde mit einem „überproportionalen Mehrumsatz“ im Schnitt für jede einzelne Arztpraxis etwa 50.000 Euro pro Jahr zusätzlich zur Finanzierung leisten. Ohne die Privatpatienten könnten viele Praxen wirtschaftlich nicht weitergeführt werden, so der Verband.

Reuther verwies zudem darauf, dass nach Berechnungen des RWI - Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung e.V. die rund zehn Prozent Privatversicherten zu 20 Prozent den Steuerzuschuss zur GKV tragen würden, der im Wesentlichen den Corona-Rettungsschirm finanziert.

Hohe Corona-Extra-Vergütung

Florian Reuther (Archivbild: Brüss)
Florian Reuther (Archivbild: Brüss)

Unabhängig davon zahle die PKV direkt an Ärzte, Krankenhäuser oder Physiotherapeuten Corona-Sondervergütungen.

Gegen Kritiker, die pauschales Bezahlen von der PKV verlangen, wehrte sich der Lobbyist. „Gemäß den Verträgen mit den Versicherten dürfen wir keine nicht erbrachten Leistungen finanzieren.“ Stattdessen hätte man mit der Bundesärzte- und der Bundeszahnärzte-Kammer vereinbart, dass für jeden Arztkontakt eine Extravergütung für Hygieneaufwand erstattet wird.

Nach Schätzungen des PKV-Verbandes belaufen sich diese Sonderzahlung von April bis Ende September auf rund 500 Millionen Euro. Demgegenüber hätten die niedergelassenen Ärzte von den Kassen für Schutzausrüstungen lediglich 250 Millionen Euro zusätzlich erhalten. Dabei betreffe das 90 Prozent der Krankenversicherten.

PKV-Verband kritisiert einseitige Kostenbelastung

Zahnärzte hätten zusätzlich 120 Millionen Euro von der PKV für Corona-Schutz erhalten. Daher kritisierte der Verbandsdirektor scharf, dass Krankenkassen „einseitig“ ihre Leistungen für Schutzmasken um zehn Prozent gekürzt hätten und für diesen Anteil auf die PKV verweisen würden.

Laut Reuther basieren diese Forderungen auf eine am 9. März 2020 zwischen GKV-Spitzenverband und Kassenärztlicher Bundesvereinigung KdöR geschlossene Vereinbarung.

Der PKV-Verband sei nicht involviert gewesen und lehnt, weil er sich längst mit den Ärztekammern über Hygiene-Sonderzahlungen geeinigt hat, rückwirkende Forderungen ab. Zudem verwies der Manager darauf, dass anders als bei der GKV, die Leistungsausgaben im ersten Halbjahr gestiegen sind. Insgesamt zahlt die PKV 14,35 Milliarden Euro.

Keine Daten zum Neugeschäft im ersten Halbjahr

Der Mehraufwand im Vergleich zum Vorjahr beträgt fünf Prozent oder 690 Millionen Euro. Damit dürfte sich 2021 in der PKV wohl deutlicher Druck auf die Prämien entwickeln. Denn die Bruttoeinahmen, die Reuther nicht bezifferte, sind in den ersten sechs Monaten lediglich um vier Prozent gestiegen.

In welchem Umfang hier Neugeschäft einfließt, konnte der PKV-Verband nicht beziffern, da er dazu bisher über keine Daten verfügt.

Reuther verwies darauf, dass es im Lockdown für Vermittler deutlich schwieriger war neue Policen zu vermitteln, denn das übliche Face-to-Face-Gespräch sei entfallen und musste durch Onlinekommunikation ersetzt werden.

Gleichzeitig „glaubt“ der PKV-Mann, dass das Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung gestiegen ist. Daher hätten sich wohl auch mehr Menschen damit beschäftigt, eine private Kranken- oder Pflegeversicherung abzuschließen.

Künftige Corona-Impfung wird voll übernommen

Eine klare Ansage machte der Verbandsdirektor zu einer künftigen Corona-Impfung. „Wir zahlen alle Impfungen, die das Robert-Koch-Institut empfiehlt. Das gilt natürlich auch für eine Corona-Impfung.“

Zu den Kosten einer solchen Impfung gäbe es keine Schätzungen. Reuther: „Noch gibt es den ja so sehnlichst erwarteten Impfstoff nicht.“

 
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