Lebensversicherer werden die aktuelle Krise aussitzen

24.3.2020 – Zielke Research Consult hat zum zweiten Mal in Folge die CSR-Berichte von Erst- und Rückversichern untersucht. Betrachtet wurden die Kriterien „Soziales“, „Environment“ und „Governance“. Die Ergebnisse sind besser als im Vorjahr, aber es gibt weiterhin viel ungenutztes Potenzial. In einer Telefonkonferenz ging es zudem um die Folge der Corona-Krise.

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„Das Thema Nachhaltigkeit fängt an, ernst genommen zu werden“, so der Analyst Dr. Carsten Zielke am Montag bei der Vorstellung seiner Analyse der Corporate Social Responsibilty- (CSR-) Berichte von 41 Erst- und Rückversichern. „Die Versicherer erkennen den Handlungsbedarf, tun sich aber leider noch schwer, entsprechende Maßnahmen einzuleiten und umzusetzen.“

Der Geschäftsführer der Zielke Research Consult GmbH hat bei „einigen Gesellschaften noch viel unausgeschöpftes Potenzial“ ausgemacht. Er beklagt, dass die Berichte „unkonkret“ blieben.

Nur 18 Versicherer erhielten ein positive Punktzahl

Hauptkriterium der Analyse der CSR-Berichte sei gewesen: „Will uns die Gesellschaft etwas mitteilen“, so Zielke. Dabei habe er auch „Bemühen schon honoriert“. Das Ergebnis ist dennoch mager: Nur 18 (Vorjahr: sieben) der 41 Gesellschaften erreichten eine positive Punktzahl.

Im Durchschnitt wurden 0,03 (- 1,08) Punkte erreicht. Die mögliche Spanne reichte von positiven vier bis minus 4,3 Punkten. Die besten Werte erreichten der Allianz-Konzern mit drei und die Debeka Versicherungen mit zwei Punkten. Unter diesem Link hat der Analyst die einzelnen Bewertungen kommentiert.

Ranking CSR-Berichte (Bild: Zielke)
Ranking der CSR-Bericht. Zur vollständigen Ansicht mit allen 41 Teilnehmern Bild klicken (Bild: Zielke)

Indikatoren für die Erfüllung der Kriterien

Die Kriterien „Soziales“, „Environment“ und „Governance“ gingen jeweils zu einem Drittel in die Bewertung ein. „Environment“ wurde beispielsweise an der Höhe des Ökostromanteils, dem Kohlendioxid (CO2)-Ausstoß pro Mitarbeiter, konkreten Maßnahmen zur CO2-Reduzierung und der Anwendung und Organisation von ESG-Kriterien in der Kapitalanlage gemessen.

Indikatoren für „Soziales“ waren der Frauenanteil in Führungspositionen (von Vorstand und Aufsichtsrat bis zur Abteilungsleiterin), die Kinderbetreuung, die sportliche Förderung von Mitarbeitern und die Inklusion von gehandicapten Beschäftigten.

Fehlende Standards für die Umsetzung von CSR-Berichten

Das Problem der CSR-Berichte ist, dass sie für börsennotierte Gesellschaften und Finanzinstitute mit mehr als 500 Mitarbeitern zwar seit 2018 Pflicht sind, es aber keine Standards für die Umsetzung gibt. Das fängt schon mit der Veröffentlichung an. Für die Untersuchung habe man auf den Webseiten der Unternehmen teilweise arg suchen müssen, so Zielke.

Auch fehle eine einheitliche Methodik für die Berechnung des CO2-Ausstoßes. Viele Gesellschaften veröffentlichten nur Einzelwerte, die wenig aussagten, kritisiert Zielke. Zudem seien diese Werte dann oft falsch berechnet oder ließen sich nicht nachvollziehen.

Der Talanx-Konzern wende in seinem CSR-Bericht beispielsweise nicht die gleichen Konsolidierungsregeln wie im Jahresabschluss an. Das heißt, das polnische Engagement sei 2017 nicht in den Zahlen enthalten gewesen. Die Öffentliche Braunschweig Versicherungen hätten 2017 nur den Wert der Sachversicherung angegeben.

Zielke: Beim „Sozialen“ mangele es noch

Der Versicherer Zurich nenne im Bericht 2018 keinen CO2-Ausstoß mit Verweis darauf, dass dieser erst im zweiten Quartal 2019 zur Verfügung stünde. „Leider ist dieser Wert bis heute nicht verfügbar“, so Zielke.

Auch beim Sozialen mangelt es noch: „Inklusion scheint für die Versicherer noch immer ein Fremdwort zu sein“, so Zielke. Nur acht Versicherer würden überhaupt einen Anteil von Behinderten an der Gesamtbelegschaft ausweisen. Und von diesen schafften es nur drei über den gesetzlichen Anteil von fünf Prozent.

Frage der Glaubwürdigkeit

Laut Analyse haben unter den Untersuchten nur die Condor Lebensversicherungs-AG, die Barmenia Lebensversicherung a.G., die Helvetia Schweizerische Lebensversicherungs-AG und die Stuttgarter Lebensversicherung a.G. auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Lebensversicherungs-Policen.

Die Qualität ihrer CSR-Berichte stehe dabei nicht immer im Einklang mit den angebotenen Produkten. So gäbe die Stuttgarter – wie auch der Konzern Versicherungskammer Bayern – „keinerlei Informationen im Bereich Environment“. Zielke stellt sich hier die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Gesellschaft.

„Wir sehen die Gefahr, dass die Produkte und die Karrierechancen in dieser Branche für junge Leute unattraktiv werden“, sagte der Analyst. Aus dem Umfeld junger Leute und Personal-Verantwortlicher bei Versicherern sei immer öfter zu hören, welch wichtige Rolle der CSR-Auftritt von Unternehmen beim Recruiting habe.

Gesponsert wurde die Untersuchung von der Allianz SE, der Debeka, den Rheinland Versicherungen, der SV Sparkassen-Versicherungsgruppe und der Acarda GmbH.

Chance nutzen

Zielke meint, dass die Assekuranz die aktuelle Corona-Pandemie und den Klimawandel als Chance begreifen sollten. Als größte Investorengruppe könnte sie mehr Einfluss auf Eindämmung des Klimawandels nehmen und über ihre Investments die „Re-Regionalisierung“ der Wirtschaft beeinflussen. Somit werde diese weniger abhängig von ausländischen Lieferketten.

Nach der Pandemie solle sie aber auch Industriekunden in der Betriebsunterbrechungs-Abdeckung beraten. Zielke fordert eine staatliche Rückversicherungslinie – ähnlich der Extremus Versicherungs-AG für Terrorrisiken. Andernfalls ließen sich nach der Pandemie keine Kapazitäten im ausreichenden Maße anbieten.

Pensionskassen und Lebensversicherer werden die aktuelle Corona-Krise seiner Einschätzung nach „aussitzen“. Da der Staat Verbrauchern wie Unternehmen Einkommen beziehungsweise Liquidität zur Verfügung stelle, würden die Verträge nicht realisiert. Die Versicherer hätten zuletzt ihre Engagements in Unternehmensanleihen erhöht, deren Spreads sich jetzt ausgeweitet hätten.

 
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