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Industrie-Umbau könnte Prämienzuwächse bringen

14.9.2020 – Corona befeuert den Umbau internationaler Lieferketten zum Zweck der Risikominimierung, so das Swiss Re Institute. Betroffen seien besonders Gesundheitswesen, Technologiesektor, Konsumgüter, Textilien und Elektronik. Der Versicherungsbedarf könnte dadurch steigen und nach Berechnungen des Instituts in einer Übergangsphase von fünf Jahren ein Prämienplus von etwa 63 Milliarden US-Dollar mit sich bringen.

„Die Umstrukturierung globaler Lieferketten ist zu einem wichtigen makroökonomischen Trend geworden“, sagt Jérôme Jean Haegeli, Chefökonom der Swiss-Re-Gruppe anlässlich der Veröffentlichung eines letzte Woche veröffentlichten „Sigma“-Berichts des Swiss Re Institute (SRI).

Schon vor Corona sei „die Begeisterung für die Globalisierung etwas abgekühlt“, heißt es von dem Unternehmen. Zu den Gründen zählt es Naturkatastrophen, die Lieferketten-Unterbrechungen verursachten, aber auch eine Zunahme politischer Risiken wie neue Zölle oder ein drohender weltweiter Handelskrieg.

Corona hat die Umstrukturierung noch beschleunigt, wie Haegeli sagt: „Während der Pandemie kam der internationale Handel durch die Lockdowns fast vollständig zum Erliegen; Unternehmen und Regierungen gleichermaßen mussten erkennen, welche Auswirkungen Unterbrechungen unserer hochkomplexen und spezialisierten globalen Lieferketten haben können.“

Swiss Re Lieferketten (Bild: Swiss Re)

„Nationale Resilienz“ und Minimierung des Betriebsrisikos

Der Umbau der Lieferketten sei auch eine Frage der „nationalen Resilienz“, hält der Rückversicherer fest. Corona etwa habe Schwachstellen von Lieferketten im Gesundheitswesen aufgezeigt. Die Reaktion vieler Länder auf die Pandemie zeige, dass es zur Sicherung des Eigenbedarfs in einer Krise zur Zurückstellung der internationalen Zusammenarbeit kommen kann.

Aus Unternehmersicht stecke hinter der beschleunigten Umstrukturierung vor allem das Bestreben, das betriebliche Risiko zu minimieren. In den 20 größten Wirtschaftsnationen seien 40 bis 80 Prozent der Exporte Teil globaler Lieferketten, mit China als größtem Produktionsstandort der Welt.

Was die betroffenen Sektoren angeht, konzentriere sich der Umbau der Lieferketten auf Gesundheitswesen, Technologie, Konsumgüter, Textilien und Elektronik; „hier werden sicherlich auch einige Produktionskapazitäten wieder in entwickelte Länder zurückverlegt“.

Verlagerungen an alternative Orte und nach Hause

Die USA, die Eurozone und die entwickelten Märkte Asiens werden am meisten von einer Rückverlagerung der Produktion profitieren, erwartet das SRI.

Umgekehrt werden nach Einschätzung des Instituts insbesondere südostasiatische Länder aufgrund ihres „bedeutenden Wachstumspotenzials und der niedrigen Arbeitskosten“ zu bevorzugten neuen Produktionsstandorten werden.

„Auch Länder mit ähnlicher Industriestruktur wie Chinas Exportsektor und/oder bestehenden Freihandelsabkommen mit den USA, der EU und Japan gehören vermutlich zu den Gewinnern.“

Das Institut geht von einer fünfjährigen Übergangsphase aus, bis diese Veränderungen zum Tragen kommen. Es schätzt, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den alternativen Produktionsländern jährlich um 0,7 Prozent steigen wird. Für die Märkte, in die Produktionskapazitäten zurückverlegt werden, wird ein jährlicher BIP-Anstieg um 0,2 Prozent prognostiziert.

Potenzielle Gewinner von Produktionsverlagerung und Rückverlagerung

Verlagerung nach

Rückverlagerung

Verlagerung nach

Rückverlagerung

1.

Vietnam

USA

6.

Taiwan

Japan

2.

Kambodscha

Deutschland

7.

Indien

Südkorea

3.

Malaysia

Frankreich

8.

Tschechien

Kanada

4.

Thailand

Italien

9.

Indonesien

Taiwan

5.

Philippinen

Großbritannien

10.

Ungarn

Prämienanstieg erwartet

Für Versicherer bedeute der Umbau der Lieferketten „eine steigende Nachfrage nach Risikoschutz und neue Chancen zur Stärkung der globalen wirtschaftlichen Resilienz“.

Das SRI schätzt, dass das Wachstum, das die Veränderung der Lieferketten generiert, im fünfjährigen Übergangszeitraums zu einem Prämienplus um global insgesamt rund 63 Milliarden US-Dollar, umgerechnet rund 53 Milliarden Euro, führen wird.

Dieser Wert beinhaltet unter anderem einen einmaligen Anstieg um 1,2 Milliarden US-Dollar (1,0 Milliarden Euro) in Folge einer erhöhten Nachfrage nach technischen Versicherungen in der Bauphase der Produktionsstätten und der dazugehörigen Infrastruktur sowie weitere neuen Milliarden US-Dollar (7,6 Milliarden Euro) für Gewerbeversicherungen in der Betriebsphase der neuen Standorte.

Zum Herunterladen

Der „Sigma“-Bericht 6/2020 „De-risking global supply chains: rebalancing to strengthen resilience“ kann von einer Webseite der Swiss Re heruntergeladen werden.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Coronavirus · Gesundheitsreform · Gewerbeordnung · Gewerbeversicherung · Unwetter
 
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