Geld ist das größte Sorgenkind der Deutschen

10.9.2021 – In einer umfangreichen Befragung hat die R+V die aktuellen Ängste der Menschen in Deutschland ermittelt. Die Studie wird bereits seit 1992 jährlich durchgeführt und berücksichtigt stets aktuelle Themen, die die Bevölkerung gerade beschäftigen könnten. Derzeit scheinen die Ängste der Deutschen auf einem Tiefstand zu sein. Frauen sind weiterhin scheinbar furchtsamer. Die hohen Kosten der Pandemie machen aber vielen Sorgen.

Die Studie „Die Ängste der Deutschen 2021“ zeigt deutliche Unterschiede bei den Geschlechtern. Bei der repräsentativen Analyse, die von Mai bis Juli 2021 durchgeführt wurde, befragte die R+V Allgemeine Versicherung AG rund 2.400 Personen ab 14 Jahren.

Die Angst, im Alter ein Pflegefall zu werden, vor dem Klimawandel, vor Schadstoffen in Nahrungsmittel, vor einer schweren Corona-Erkrankung und vor Straftaten ist bei Frauen deutlich größer ausgeprägt als bei Männern.

Pflegebedürftigkeit ist Frauensorge

Eine schlüssige Erklärung für dieses Ergebnis konnten die Kommentatoren der Studie, Brigitte Römstedt, Leiterin des Infocenters der R+V, und Professor Dr. Manfred G. Schmidt vom Institut für Politische Wissenschaft der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg, nicht bieten.

Während Römstedt die höheren Ängste als naturgegeben definierte, sieht Schmidt hier das Wahlverhalten von Frauen, die „meist links von der Mitte wählen würden“, reflektiert. „Sie kümmern sich eher um Softthemen“, so Schmidt.

Anders interpretierte er die Sorge, später ein Pflegefall zu werden. Hier schwingt nach Einschätzung des Wissenschaftlers die wohl berechtigte Sorge mit, später selbst Angehörige pflegen zu müssen. Das wäre immer noch weitgehend Frauensache.

Auf die Frage, ob Frauen allgemeine Risiken nicht eher realistischer als Männer einschätzen würden, mutmaßten die Kommentatoren der Studie, dass möglicherweise Männer ihre Angst nicht immer zugeben. Scheinbar gibt es darüber aber keine tiefere wissenschaftliche Untersuchung. „Die Interpretation der Geschlechter-Unterschiede ist eher Glaskugelleserei“, so Römstedt.

Allgemein weniger Angst

Insgesamt zeigt ein übergreifender „Angst-Index“, dass die Deutschen trotz Coronakrise derzeit mit 36 Prozent den geringsten Angstlevel seit 1992 haben. Anders ausgedrückt: 64 Prozent der Menschen in Deutschland machen sich derzeit keine großen Sorgen um die Zukunft.

Deutlich höher war das Angstniveau 2003, die Zeit war von Arbeitslosigkeit und dem Beginn des Irakkriegs geprägt, sowie 2016, als Terror und der Zustrom von Geflüchteten als Problem wahrgenommen wurden. Möglicherweise könnte der Angstlevel der Deutschen aber etwas höher liegen, die Befragung wurde vor der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan fertiggestellt.

Angst-Index (Bild: R+V)
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Staatsschulden und Lebenshaltungskosten die größten Sorgen

Größtes Angstthema ist die Bewältigung der hohen Staatsschulden, die mit dem Kampf gegen die Corona-Pandemie entstanden sind. Der Corona-Schuldenberg macht 53 Prozent der Befragten Angst.

Die Frage nach Angst vor Steuererhöhungen und Leistungskürzungen durch die Pandemiekosten wurde 2021 neu in die Umfrage aufgenommen. Dafür wurde die Frage nach Angst vor dem US-Präsidenten Donald Trump, die im vorigen Jahr die Gemüter erhitzt hatte, gestrichen.

Auf Rang zwei der größten Ängste der aktuellen Befragung liegen die steigenden Lebenshaltungskosten. Davor fürchtet sich immerhin die Hälfte der Bevölkerung. Ebenso viele haben Angst davor, dass die Steuern wegen der EU-Schuldenkrise steigen.

Angst kann auch schnell wieder abklingen

Erst auf Rang vier folgt die Furcht vor der Überforderung des Staats durch Geflüchtete. Hier gibt es einen großen Unterschied zwischen ostdeutschen und westdeutschen Bundesländern. Während im Westen lediglich 42 Prozent der Befragten Angst haben, dass der Staat durch Asylbewerber Probleme bekommt, sind es im Osten 58 Prozent.

Auf Rang fünf liegt die Angst vor Schadstoffen in Nahrungsmitteln (43 Prozent). Den gleichen Wert erreicht auch die Sorge, im Alter zum Pflegefall zu werden. Es folgen die Angst vor Spannungen durch den Zuzug von Ausländern (gesamt 42 Prozent; Westen 40, Osten 52) sowie vor Naturkatastrophen (41 Prozent).

Ängste der Deutschen (Bild: R+V)
Zum Vergrößern Bild klicken (Bild: R+V)

Eine Sonderuntersuchung vom 28. Juli zeigt, dass kurz nach dem Juli-Hochwasser durch das Tief „Bernd“ die Angst vor Unwettern bei 69 Prozent lag. „Folgt kein weiter Schock, klingt die Angst schnell wieder ab“, stellte Wissenschaftler Schmidt fest.

Beratung zu Finanzen und Altersvorsorge schwieriger

Aus der Sicht von Finanz- und Versicherungs-Vermittlern zeigt die Umfrage, dass es wohl künftig noch viel schwerer werden wird, Menschen für Risiko- und Altersvorsorge zu gewinnen. Denn wenn die Angst besteht, dass alles viel teurer wird, dürften viele Menschen ihr Haushaltsbudget eher für diese Ausgaben schonen wollen.

Wer zum Pflegefallrisiko berät, dürfte bei Frauen eher auf Verständnis stoßen. Grundsätzlich muss zur existenziellen Lücke beim Extra-Elementarschutz, den laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) noch immer über die Hälfte der Hausbesitzer haben, wohl direkt nach einer Katastrophe beraten werden.

Große Steuergeschenke für Unversicherte, wie sie derzeit in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen fließen, dürften dann aber wieder sehr kontraproduktiv für die Absicherungsmotivation wirken.

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Altersvorsorge · Coronavirus · Elementarschaden · Marktforschung · Steuern · Unwetter · Versicherungsvermittler
 
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