23.9.2021 (€) – Höhere Kosten bei der Reparatur von Elektroautos führen tendenziell zu höheren Versicherungsprämien. Das zeigt sich schon an der Typklasseneinstufung. Darauf weist die Allianz auf ihrem Autotag hin. Doch noch gibt es „Imagerabatte“ en masse. Die Leistung für Akkus wird teilweise verbessert.
Die Reparatur von Unfallschäden ist bei Elektroautos teurer als bei Fahrzeugen mit herkömmlichem Antrieb. „Die Schadendurchschnitte bei Kollisionsschäden liegen für E-Autos im Vergleich zu Fahrzeugen mit konventionellen Antrieben um rund 30 Prozent höher.“
Das sagte Carsten Reinkemeyer, Leiter der Sicherheitsforschung des Allianz Zentrums für Technik (AZT) auf dem Allianz Autotag 2021. Ursache ist, das E-Autos schwerer sind, weil die Batterie besonders geschützt wird.
Maderbiss kosten bis zu 7.000 Euro
Treten trotzdem Schäden am Akku auf, dann handelt es sich oft um einen Totalschaden, weil die Batterie gegen ein ganz neues Aggregat ausgetauscht werden muss. „Wir haben noch keinen Batteriemarkt“, so Reinkemeyer.
Auch wenn der Airbag ausgelöst hat, sei ein neuer Stromspeicher notwendig. Zudem könnten Reparaturen bisher nur durch Spezialisten durchgeführt werden. Das erhöhe deutlich den Aufwand.
Auch Schäden am Hochvoltkabel wären teuer, weil eine Reparatur bisher nicht möglich ist. Einen Austausch bezifferte Reinkemeyer auf rund 7.000 Euro. Gegen Maderbisse würden aber manche Hersteller schon eine Ummantelung anbieten, was den Schaden extrem auf rund 100 Euro senken könnte.
Tendenziell höhere Typklassen für die Stromer
Der höhere Reparaturaufwand für E-Auto führt tendenziell zu einer höheren Einstufung in den Typklassen, die im Wesentlichen die Versicherungsprämie bestimmen. Laut einer gemeinsamen Auswertung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) und des AZT von 2018 bis 2020 ist die Einstufung von E-Autos mit denen von Benzinern vergleichbar.
Grund ist, dass beide Fahrzeugarten eher in Städten mit einer geringen Jahreskilometerleistung unterwegs sind. E-Autos würden meist deutlich unter 10.000 Kilometer im Jahr bewegt. Teilweise erreichten sie nicht einmal die 5.000 Kilometergrenze.
Trotzdem liegt die gewichtete Vollkasko-Einstufung aller E-Autos etwa bei Klasse 18, während Benziner im Schnitt eher in Klasse 16 landen. Je höher die Klasse, desto teurer wird die Police.
Vergleichbar im Schadenaufwand sind auch Diesel und Plug-in-Hybride, die beide eher in ländlichen Gebieten mit einer höheren Kilometerleistung bewegt würden. Plug-in-Hybride werden überwiegend in die Vollkaskoklasse 23 eingestuft, während Diesel im Durchschnitt in der Klasse 19 landen. Auch die Teilkaskoklassen fallen für Öko-Autos im Schnitt höher aus.
Wir wollen auch künftig den Umstieg auf die Elektromobilität […] fördern.
Allianz
Öko-Autos insgesamt teurer
Bei den Haftpflichtklassen ist es hingegen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Damit dürften insgesamt Fahrzeuge mit alternativen Antrieben künftig in der Autoversicherer deutlich teurer sein, als Autos mit herkömmlichem Antrieb.
Doch noch gibt es eine regelrechte Rabatt-Flut für Öko-Autos (18.8.2021). „Wir wollen auch künftig den Umstieg auf die Elektromobilität mit einem zusätzlichen finanziellen Anreiz in der Versicherungsprämie fördern“, heißt es aktuell bei der Allianz. Daher gebe es weiterhin einen Elektro-Nachlass von bis zu 20 Prozent.
Noch höher geht der Kfz-Hersteller Ford-Werke GmbH. Mit einem Rabatt von 25 Prozent auf die Kfz-Haftpflicht- und Kaskoversicherung bewirbt das Unternehmen den Verkauf des neuen Pumas mit Mild-Hybrid-Antrieb.
Demgegenüber können Kunden der DEVK Allgemeine Versicherungs-AG mit einem Hybrid-Pkw fünf Prozent in der Kfz-Haftpflichtversicherung und mit einem Elektro-Pkw 15 Prozent sparen. 20 Prozent Nachlass bietet die Gothaer Allgemeine Versicherung AG für E-Autos. Besitzer von Hybriden müssen fünf Prozent weniger zahlen.
Und auch Marktführer Huk-Coburg Allgemeine Versicherungs-AG gibt für reine E-Autos einen Nachlass von 20 Prozent. Die Gesellschaft verteidigt ihre Rabatte für alternativ angetriebene Fahrzeuge mit dem Hinweis, dass umweltbewusste Kunden sicherheitsbewusster unterwegs seien.
Trend: Neuwertschutz für Akku
Die Allianz Versicherungs-AG wird ab dem Oktober für die Versicherung von Elektro-Autos (E-Autos) einen Neuwertschutz für den Akku anbieten. Bisher gab es für jedes Betriebsjahr einen Abzug von zehn Prozent, wenn nach einem Schaden ein neuer Akku eingebaut wurde. Damit folgt die Allianz dem Trend zur höheren Absicherung von E-Autos in der Kaskoversicherung.
Zwar bieten längst fast alle Autoversicherer einen Allgefahrenschutz für den Akku von E-Autos, teilweise aber noch mit dem Abzug „neu für alt“. Bei der Allianz gilt künftig im Tarif „Premium“ für den Akku eine Neuwertentschädigung von 36 Monaten, im Tarif Komfort sind es 24 Monate.
Auch andere Versicherer bieten temporär vollen Akkuschutz. 36 Monate sind es bei der Huk-Coburg im Tarif „Kasko-Plus“, bei der Axa Versicherung AG im Tarif „mobil komfort Premium-Schutz“ sowie bei der Cosmos Versicherung AG im „Comfort-Schutz“. Demgegenüber gilt bei der R+V Allgemeine Versicherung AG im Tarif „Premium“ nur eine Frist von 30 Monaten und bei der Ergo Versicherung AG im Tarif „Best“ sowie bei der Württembergischen Versicherung AG im „PremiumSchutz“ 24 Monate.
Laut AZT beträgt der Preis des Akkus oft 30 Prozent des Fahrzeugwertes. Je älter das Fahrzeug wird, desto höher steigt der Anteil, wenn der Akku ersetzt werden muss.




