Eiopa befürchtet Diskriminierung von Kunden durch Big Data

7.1.2019 – Einige Trends, die bereits in den letzten Jahren festzustellen waren, haben sich seither verdeutlicht, resümiert die EU-Aufsichtsbehörde Eiopa in einem neuen Bericht. Bedeutsamster Trend bleibt die Digitalisierung. Angebot und Nachfrage in der Cyberversicherung nähmen langsam zu; in manchen EWR-Staaten sei auch eine Zunahme im Cross-Selling und bei On-Demand-Produkten zu registrieren.

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Eines hat der „7. Consumer Trends Report“, den die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (Eiopa) Ende Dezember veröffentlicht hat, mit seinem Vorgänger von Ende 2017 (VersicherungsJournal 12.12.2017) gemeinsam: Beide heben digitale Technologien als wesentlichen Treiber der Entwicklung hervor.

Gabriel Bernardino (Bild: Lier)
Gabriel Bernardino (Bild: Lier)

Als Haupttrend sieht Eiopa-Chef Gabriel Bernardino auch weiterhin die Digitalisierung, die „die Interaktion zwischen Konsumenten und Anbietern verbessert, aber gleichzeitig sorgfältige Kontrolle durch die Aufseher und Implementierung durch die Anbieter“ erfordere.

Die Eiopa bezeichnet die „fortgesetzte Zunahme“ an technologiebedingten Innovationen als bemerkenswert. Meist seien sie in der Nichtleben-Versicherung vorzufinden, besonders in den Sparten Kfz-, Haushalts-, Unfall- und Krankenversicherung.

Vernetzte Fahrzeuge

„Innovation, sowohl in Bezug auf Vertriebskanäle als auch den Einsatz von Telematik, hat die Entwicklung bei Kfz-Versicherungsprodukten beherrscht“, stellt die Aufsichtsbehörde fest.

So seien beispielsweise 2017 in Großbritannien 60 Prozent der Kfz-Versicherungen mit Hilfe von Preisvergleichswebsites zustande gekommen.

In Italien wiederum betrafen Ende 2017 20,5 Prozent der ausgegebenen Policen Autos mit einer „Black Box“ – also einer Vorrichtung, die Daten zum Fahrverhalten sammelt und so die Risiko- und Prämienkalkulation beeinflusst. 2016 waren es 19 Prozent, 2013 etwas über zehn Prozent.

Big Data: „Wachstumspotenzial“ in der Krankenversicherung

In der Krankenversicherung andererseits gebe es noch keine systematische Durchdringung mit „Big Data“-Analytik. Gleichwohl bestehe „Wachstumspotenzial“ und die Perspektive darauf, dass sie zum Standard wird.

Als mögliche positive Effekte sieht die Eiopa Kostenreduktion; auch könnte Big Data bei der Identifikation, Bewertung und Versicherung neuer Risikotypen helfen. An potenziellen nachteiligen Nebeneffekten nennt sie hingegen unter anderem den Ausschluss mancher Kundensegmente oder Diskriminierung über den Preis, aber auch Wettbewerbsfragen.

Daten spielen bekanntlich auch in anderer Hinsicht eine Rolle: Indem Konsumenten mehr und mehr davon „produzieren“ und vernetzte Geräte nutzen, rücken Cyberrisiken in den Vordergrund, hält Eiopa fest. „Adäquate Cyberrisiko-Versicherungsprodukte könnten diesen Bedarf an Schutz ansprechen.“

Sowohl das Angebot von als auch die Nachfrage nach solchen Produkten wachse in Europa allmählich. Rund zwei von drei Cyberversicherungs-Kunden sind bis dato größere Unternehmen, wie eine Befragung unter zwölf Versicherern ergab.

In einigen Staaten mehr Cross-Selling

In manchen Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) – nicht etwa in Deutschland, wo keine Veränderung registriert wurde – sind laut Eiopa vermehrt Cross-Selling-Praktiken festzustellen. Diese Entwicklung verlaufe auch parallel zu einer Zunahme von „On-Demand“-Produkten.

Großes Wachstum, hohe Provisionen und niedrige Schadenquoten seien zu beobachten gewesen. Bernardino legt den Aufsehern nahe, dem Zuwachs von Cross-Selling-Praktiken besonderes Augenmerk schenken, speziell in Bezug auf „Add-on“-Versicherungen, die zusammen mit anderen Produkten oder Dienstleistungen verkauft werden.

Durch Geschäftsmodelle auf Basis hoher Provisionen und strukturell niedriger Schadenquoten seien in der Vergangenheit Nachteile für Konsumenten entstanden; solche Modelle bedürften angemessener Überwachung durch die Aufsicht, so Bernardino.

Situationsbezogene Versicherungen

„On-Demand“-, also situationsbezogene Versicherungen, gibt es dem Bericht zufolge in 15 Mitgliedsstaaten, meist in der Kfz-Sparte und in Verbindung mit Sharing-Produkten wie etwa Car-Sharing.

In Österreich, Deutschland und Italien beispielsweise könne man eine On-Demand-Kfz-Versicherung nutzen, um die Deckung vorübergehend auf einen anderen Lenker zu erweitern oder um Car-Sharing-Dienste zu verwenden.

In der Lebensversicherung meldeten 19 von 30 Ländern des EWR, darunter etwa Deutschland und Frankreich, für 2017 ein Prämienwachstum; in elf Ländern, darunter Österreich, verringerte sich das Volumen.

Das sich daraus insgesamt ergebende Wachstum der Leben-Sparte im EWR war getrieben von einem 42-prozentigen Plus in der index- und fondsgebunden Lebensversicherung. Zum ersten Mal, seit die Eiopa Konsumenten-Trends analysiert, sei die Fonds- und Indexgebundene der größte Zweig der Leben-Sparte gewesen.

14 Prozent der Kundenbeschwerden betrafen Leben

Was Kundenbeschwerden betrifft, so entfiel die weitaus größte Zahl mit 1,36 Millionen Fällen oder 86 Prozent auf die Nichtleben-Sparten. Dabei war Kfz mit zirka einem Drittel die größte „Problemsparte“.

Auf die Lebensversicherung entfielen demgemäß die restlichen 14 Prozent. Die Anzahl der Beschwerden sei hier im EWR insgesamt weiter zurückgegangen. In manchen Mitgliedsstaaten seien sie dagegen angestiegen.

So sei in Österreich berichtet worden, dass eine niedrige Performance index- und fondsgebundene Lebensversicherungen zu mehr Beschwerden geführt habe.

In Rumänien sei die Anzahl der Beschwerden gar um 47 Prozent gestiegen, wobei es den Anschein habe, dass fehlendes Wissen der Kunden über die Eigenschaften index- und fondsgebundener Versicherungen damit zu tun hat.

Nachhaltigkeit stärker im Blickfeld

Consumer Trends Report (Bild: Eiopa)

Im Kommen sieht Eiopa das Thema Nachhaltigkeit. Die Praxis, Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungs-Aspekte offenzulegen, unterscheide sich derzeit von Land zu Land und unter den einzelnen Pensionsfonds.

Mit der Pensionsfonds-Richtlinie IORP II und vor dem Hintergrund des Aktionsplans der EU-Kommission für ein nachhaltiges Finanzwesen (VersicherungsJournal 12.3.2018) sollte es zu „weiteren Entwicklungen“ auf diesem Gebiet kommen, erwartet Eiopa.

Nicht zuletzt zu erwarten sei für die Zukunft, dass die regulatorischen Neuerungen der letzten Jahre die Entwicklungen sowohl im Versicherungs- als auch im Pensionssektor zunehmend beeinflussen werden.

Eiopa nennt als Beispiele die Versicherungsvertriebs-Richtlinie (IDD), die Pensionsfonds-Richtlinie (IORP II) und die Verordnung über Basis-Informationsblätter („Priips-Verordnung“).

Zum Herunterladen

Der 68-seitige „Seventh Consumer Trends Report“ (nur auf Englisch verfügbar) kann als PDF-Dokument (3,1 MB) von der Eiopa-Website heruntergeladen werden.

 
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